Chronik der FSV- Bücherei

Die Idee einer heimatkundlichen Bibliothek des Fränkische-Schweiz-Vereins (FSV) wurde zum ersten Male im Jahre 1965 ausgesprochen. Geboren hatte sie der damals neu gegründete Kulturausschuss des FSV mit A. DEINZER (Gößweinstein) an der Spitze. In der Vereinszeitschrift rief man dazu auf, zur Vervollständigung eines Verzeichnisses über das die Fränkische Schweiz berührende Schrifttum dem Kulturausschuss lokale Veröffentlichungen zu übermitteln. In dem Aufruf heißt es: Frei zur Verfügung stehendes Schrifttum möge für eine eventuell später zu errichtende Bibliothek für unseren Bereich kostenlos überlassen werden. Bedauerlicherweise setzte man die Bücherei-Idee nicht in die Tat um. Viele Veröffentlichungen, auch solche aus dem 19. Jahrhundert, hätten damals noch preiswert und mit großer Vollständigkeit gesammelt werden können.

Erst rund 15 Jahre später wurden die damaligen Vorstellungen erneut aufgegriffen. In Sachsendorf fanden sich 1979 auf Anregung des damaligen Hauptvereinsvorsitzenden Fritz PREIS (Egloffstein) über 20 Persönlichkeiten zusammen, die auf den verschiedenen Gebieten der Heimatforschung tätig waren und gründeten den Arbeitskreis Heimatkunde im Fränkische-Schweiz-Verein. Unter der Leitung des Gymnasiallehrers Dr. Hans WEISEL (Ebermannstadt) formulierte man als erstes Hauptanliegen: Schwerpunktmäßig möchte man zuerst alle veröffentlichte Literatur über die Fränkische Schweiz sammeln und dadurch der Nachwelt erhalten und auch zugänglich machen. Besonders erfreut nahm der anwesende Personenkreis zur Kenntnis, dass die Stadt Ebermannstadt kostenlos Räumlichkeiten für die Unterbringung der Heimatbibliothek zur Verfügung stellen wollte.
1981 bezog die Bibliothek ihre Räume im 1. Stock des Ebermannstädter Bürgerhauses. Georg STROBEL (Nürnberg), ein mittlerweile verstorbenes Mitglied des Arbeitskreises, hatte in beispielgebender Weise nicht nur der Bibliothek einen Büchergrundstock geschenkt, sondern auch die benötigte Büroausstattung wie Regale, Schreibtisch und Schreibmaschine gespendet. Nachdem der vorhandene Bestand katalogisiert und mit Signaturen versehen war, wurde am 5.6.1981, verbunden mit einer kleinen Feier und einem Tag der offenen Tür, mit bescheidenen 400 Bänden der Ausleihverkehr aufgenommen. Zwei Stunden pro Woche können seitdem Interessierte die Bibliothek kostenlos nutzen.
Von Anfang an waren die Bücher in Freihandausleihe aufgestellt, d.h. jeder Besucher kann das von ihm gewünschte Werk selbst vom Regal nehmen und ausleihen. Um eine leichtere Orientierung zu ermöglichen, wurde der Buchbestand thematisch aufgegliedert und jedes Sachgebiet mit einem Großbuchstaben in der Buchsignatur kenntlich gemacht. Schon bald ergab sich die Notwendigkeit, innerhalb einer Sachgruppe zu differenzieren. Dies geschah durch einen Kleinbuchstaben. Dieses System ermöglicht es, den rasch steigenden Buchbestand übersichtlich anzubieten. Innerhalb einer Untergruppe sind die Bücher in der Regel nach den Anfangsbuchstaben der Verfasser geordnet, lediglich bei den Sachgruppen Geschichte einzelner Orte einschl. Pfarrgeschichte sowie Festschriften dient der Name des angesprochenen Ortes als Ordnungsgesichtspunkt.
Momentan umfasst die Bibliothek (mit Mehrfachexemplaren) rund 17 000 selbstständige Buch- und Aufsatztitel, daneben besitzt sie noch eine Noten- und Zeitungsausschnittsammlung. Außerdem führt sie die Zeitschriften fast aller deutschen Gebirgs- und Wandervereine.

Das Anwachsen des Buchbestandes ist nur zum kleineren Teil auf den Erwerb von Neuerscheinungen und Käufen aus dem Antiquariatshandel zurückzuführen. Verschiedene Veröffentlichungsreihen werden auf dem Wege des Schriftentausches zur Verfügung gestellt. Ein beträchtlicher Teil der Bibliothekswerke wurde selbst hergestellt. Hunderte von Stunden mussten bisher investiert werden, um ältere Literatur, Examensarbeiten, handschriftliche Werke, Archivalien u.a. zu kopieren, zu vervielfältigen und Seite für Seite wieder zuzuschneiden. Für diese Arbeit hatte sich in der Anfangsphase Ludwig MÜLLER (Erlangen) zur Verfügung gestellt, seitdem gehört es zum Aufgabenbereich des Bibliotheksleiters, der dadurch ein besonderes Verhältnis zu "seinen" Büchern hat. Auch posthum haben wir Herrn Müller sehr viel zu verdanken, denn er hat sein Vermögen in eine Stiftung eingebracht. Die jährlichen Zuwendungen aus deren Ertrag ermöglichten der Bücherei die Beschaffung einer zeitgemäßen Ausstattung.

Dem Entgegenkommen der Firma SIEMENS (Erlangen) war es nahezu zwei Jahrzehnte zu verdanken, dass die zugeschnittenen Blätter wieder zu ausleihfertigen Bänden wurden. Ihre Hausdruckerei versah die losen Blattstapel kostenlos mit einer Klebebindung. Nachdem ein Dienstleistungsunternehmen der Deutschen Post diese Firmeneinrichtung übernommen hatte, war dies nicht mehr möglich. Dem Landratsamt Forchheim gebührt der Dank dafür, dass es seitdem die Erledigung der Bindearbeiten übernommen hat.
In nachahmenswerter und beispielhafter Weise haben aber auch verschiedene Persönlichkeiten zum Aufbau der Fränkische-Schweiz-Bibliothek beigetragen, indem sie aus ihrem eigenen Buchbestand eine größere Anzahl von heimatkundlichen Werken der Bücherei gestiftet haben. Stellvertretend seien genannt H. BÜTTNER (Heiligenstadt), G. FÖRTSCH (Ebermannstadt), H. BÖDEKER (Aufseß), K. STENGLEIN (Breitenlesau), M. SCHOTTKY (Pretzfeld), W. RÜHL (Hallerndorf), H. HÜBSCHMANN (Ebermannstadt), L. MÜLLER (Erlangen), das Ehepaar RÜFER und SEIDEL-RÜFER (Ebermannstadt), E. SCHLÖSSER (Ebermannstadt), K. THEILER (Ebermannstadt), G. VOIT (Nürnberg) und O. VOIT (Kersbach). Durch das Entgegenkommen von Dr. H. GRIMM vom Freundeskreis für Kunst und Geschichte in Neunkirchen am Brand konnten wir unseren Buchbestand aus dem Nachlass von Dr. Spindler ergänzen. Herr M. WUTTKE (Forchheim) vermittelte uns die Abzüge der Pressefotos aus Lokalredaktion Forchheim des Fränkischen Tages, die dazugehörigen Negative werden im Stadtarchiv Forchheim aufbewahrt. Als Leihgabe gelangte 2014 der schriftliche Nachlass von Gudila Freifrau von Pölnitz in die Bibliothek.

An diese Stelle sei an alle Verfasser bzw. Herausgeber apelliert, uns ein oder zwei Belegexemplare ihrer Veröffentlichungen aus dem Gebiet der Fränkischen Schweiz und ihrer Randzonen zu überlassen.
Der gesamte Buchbestand der Bibliothek ist elektronisch erfasst. Das ermöglicht einen Zugriff auf einzelne Stichwörter, den Verfasser, den Titel und die Buchnummer wie auch auf Passagen des Buchtitels oder die einzelnen Sachgruppen.

Die Bibliothek nennt auch ein Klebebindepult und ein Ringbindegerät ihr Eigen, mit dem im Bedarfsfalle ein Band selbst gebunden bzw. repariert werden kann. Ende 2008 konnte aus Mitteln der Ludwig-Müller-Stiftung eine Reproanlage mit einer leistungsfähigen Kamera angeschafft werden, womit über den Kopierer Reproduktionen von Archivalien und unseren Zeitungsbeständen angefertigt werden können. Leider verfügt die Bücherei derzeit noch über keinen Internetzugang.

In den Jahren 1990/91 konnten nahezu 50 Jahrgänge des "Wiesentboten", einer in Ebermannstadt erschienenen Lokalzeitung, kopiert werden. Die Kosten der ABM-Kraft übernahm dankenswerterweise der Landkreis Forchheim, als Sponsor kam H. WOLF (Bammersdorf) für Papier und den angemieteten Kopierer auf.
Durch die honorarfreie Tätigkeit seiner Buchautoren sah sich der Arbeitskreis Heimatkunde unter der Leitung von Dr. H. WEISEL (Ebermannstadt) in die Lage versetzt, der Bibliothek 1991 ein leistungsfähiges und multifunktionales Kopiergerät zu übereignen. 1993 wurde ein Kartenschrank bereitgestellt, und mit finanzieller Unterstützung des Hauptvereines konnten die knappen Stellmöglichkeiten durch neue Regale besser genutzt werden.

Zum Jahresende 1995 zog die Fränkische-Schweiz-Bibliothek in das Ämtergebäude des Landkreises Forchheim in Ebermannstadt (Altes Landratsamt), denn am alten Standort waren die räumlichen Möglichkeiten erschöpft. Der damalige Landrat O. AMMON stellte zwei Räume im Eingangsbereich seiner Dienststelle zur Verfügung. Leider meldete der Landkreis Forchheim zum Jahresende 1997 Eigenbedarf an diesen Räumen an. Da kein adäquater Ersatz gefunden werden konnte, musste die Fränkische-Schweiz-Bibliothek mit drei Kellerräumen vorlieb nehmen.

Der Umstand, dass der Leiter der Bücherei von Beruf Lehrer und mehrere Jahre als hauptamtlicher Archivpfleger im Landkreis Forchheim tätig war, ermöglicht es, die Büchereinutzer auch über den eigenen Buchbestand hinaus bei Forschungsvorhaben sinnvoll zu beraten.
Nach 35 Jahren ehrenamtlicher bzw. unentgeltlicher Arbeit kann das erfreuliche Resümee gezogen werden: Die Fränkische-Schweiz-Bibliothek hat sich zu einem Informationszentrum in Sachen Heimatforschung entwickelt; sie ist ein beliebter Treffpunkt für all jene geworden, die sich in eigener Forschungstätigkeit mit der Fränkischen Schweiz auseinandersetzen. Gleichzeitig erfüllt sie die Funktion eines Bibliographischen Archivs für den Landkreis Forchheim.

Die Bibliothek verwahrt als besonderen Bestand Kopien der Flurnamensammlungen praktisch aller Orte der Altlandkreise Ebermannstadt, Forchheim und Pegnitz. Die Originale stellte freundlicherweise Herr Dr. BAUER vom Verband für Orts- und Flurnamenforschung zur Verfügung, Herr W. FRIEDEL (Reuth) opferte über hundert Stunden seiner Freizeit, diese zu kopieren.
Ein Ende unserer Sammeltätigkeit in Bezug auf örtliche und Grundlagenliteratur ist noch nicht abzusehen. Erstrebenswert wäre es für die Zukunft, eine Fränkische-Schweiz-Bibliographie im Rahmen der Schriftenreihe des Arbeitskreises Heimatkunde zu veröffentlichen.
Besonders hervorzuheben ist die Unterstützung der Fränkische-Schweiz-Bibliothek durch die Verantwortlichen der Ludwig-Müller-Stiftung. Seit sie ins Leben gerufen wurde, wurden die meisten unserer Zuschussanträge positiv beschieden.

Leider stieß die Bücherei durch die Schenkungen von Dr. A. DEINZER (Gößweinstein), H. ENDRÖS (Gößweinstein), Familie BÖDEKER (Aufseß), Heinz BÜTTNER (Heiligenstadt), E. HELLER (früher Ebermannstadt) und Familie RÜFER (Ebermannstadt) an ihre räumlichen Grenzen. Nachdem seit vielen Jahren in den Jahresberichten der Bibliothek regelmäßig auf diesen sich abzeichnenden Umstand hingewiesen wurde, hat sich im Oktober 2013 das Raumproblem zumindest vorübergehend gelöst. Viele Unterlagen, die nicht für den Bibliotheksnutzer gedacht waren, konnten durch das Entgegenkommen von Landrat R. GLAUBER in einen angrenzenden Kellerraum ausgelagert werden. Dadurch war es möglich, die vorhandenen Buchbestände fachgerecht in den dadurch frei werdenden Regalen aufzustellen.

Gg. Knörlein