Zur Vereinsgründung:

1901 ist der FSV von einem Arzt und von einem Pfarrer ins Leben gerufen, weshalb die Vereinschronistin Lilly Schottky in den 70er Jahren vermutete, dass die „Sorge um den Menschen" beide Gründungsväter angetrieben hat, diesen Schritt zu tun.

Pfarrer Johannes Tremel aus Volsbach hatte die Initiative ergriffen und am 19. August 1901, während der Amtseinsetzung des neuen Pegnitzer Bezirksamtmanns Arnold Brinz, dazu aufgerufen einen Verein für die Fränkische Schweiz zu gründen. Brinz und andere Honoratioren waren begeistert von der Idee. Schon kurz darauf rief Tremel, mit einer Anzeige im „Wiesentboten" dazu auf, „am Sonntag, den 29. September nachmittags vier Uhr zu einer Besprechung in die Schüttersmühle (Bild oben, aus 1901) zu kommen, um die Festsetzung der Statuten und die Wahl der Vorstandschaft durchzuführen". Mit der Anrede an „Die sehr verehrlichen Mitglieder sowie Freunde und Gönner des Fränkische Schweiz- Vereines" wollte er möglicherweise den Eindruck erwecken, den Verein gäbe es schon, so dass es eine Ehre sei, dabei mitzuwirken. Möglich wäre auch, er nahm die in Pegnitz gemachten Mitgliedszusagen vieler Honoratioren ernst und betrachtet sie schon als „Mitglieder", obwohl der Verein bei Veröffentlichung des Inserates ja noch gar nicht gegründet worden war.

Im Nachhinein betrachtet sicherlich ein guter Schachzug, den mittlerweile (2011) verfügt der FSV in den Landkreisen Forchheim, Bayreuth, Bamberg und Kulmbach über mehr als 6500 Mitglieder in 45 Ortsgruppen. 48 Städte, Märkte und Gemeinden sowie die vier Landkreise unterstützen als kooperative Mitglieder die Arbeit des FSV. 15 Arbeitskreise kümmern sich um die kulturelle Entwicklung. Die Hauptaufgaben des Vereins: Betreuung und Pflege der Volksmusik, Herausgabe heimatkundlicher Schriften (bisher 37 an der Zahl), die Pflege von 4600 Kilometer Wanderwegen mit der Organisation geführter Wanderungen. Dazu kommt die Schmuckziegelaktion für Fränkisches Bauen, der Unterhalt einer heimatkundlichen Bücherei mit derzeit rund 14 000 Einheiten; die Trachtenpflege ist ein weiteres wichtiges Thema und der Unterhalt einer Bildstelle mit derzeit 12 000 Dias ebenso. Außerdem unterhält der Verein die Arbeitskreise Höhle und Karst, Naturschutz, Mundartpflege, Jugendarbeit und die Volkstumspflegestelle (Kreativzentrum) in Morschreuth.

Dr. August Deppisch aus Pottenstein wurde in dieser denkwürdigen Gründungsversammlung zum ersten Vereinsvorsitzenden gewählt, Pfarrer Tremel übernahm das Amt des Schriftführers. Ein Blick in die Namensliste der Vorstandsriege zeigt, dass schon damals die Verantwortlichen aus allen Ecken der Region stammten und somit auch den regionalen Anspruch des Vereins durchsetzen konnten. Der Kassier, Bezirksgeometer Schlemmer stammte ebenfalls aus Pottenstein. Beisitzer Schindhelm war aus Weidach, Notar Gabler aus Pegnitz, Dr. Werner aus Betzenstein, Dr. Müller aus Waischenfeld, Pfarrer Nüsslein aus Wichsenstein und Lehrer Kotschenreuther wieder aus Pottenstein. Eine elitäre Truppe die auch genug Einfluss auf die Bevölkerung ausübte, um den Verein zu beleben. Unter der „Herrschaft" des Nachfolgers von Deppisch (als Arzt wie als FSV-Vorstand), Dr. Adolf Schauwienold baute der Verein beispielsweise die erste Badeanstalt der Region in Muggendorf. Bis 1908, so vermerkt die Chronisten Schottky hatte der FSV schon 600 Mitglieder, sogar in Nürnberg, Bamberg, Erlangen und Bayreuth gründeten sich Ortsgruppen. Nachdem die Wahl so erfolgreich verlief, trafen sich die Vorstände schon am nächsten Tag (1. Oktober) in Pottenstein, um die Vereinszwecke festzulegen. Der Wiesentbote berichtete am 2. Oktober, dass es sich „der Verein zur Aufgabe macht, die Fränkische Schweiz zu verschönern, den Fremdenverkehr zu heben, neue Wege zu schaffen, die Errichtung von Aussichtspunkten, die Erhaltung historischer Denkmäler, die Erforschung der Region in topografischer und geologischer Hinsicht und die Veröffentlichung literarischer Arbeiten" voranzutreiben. Die Statuten, so der Wiesentboten abschließend, wurden „unter Zugrundelegung der Satzungen des Fichtelgebirgs- und des Steigerwaldvereins" entworfen. Der Verein löste sich 1934 auf, da ihm durch das neue Fremdenverkehrsgesetz die Arbeitsmöglichkeiten zu sehr eingeschränkt wurden.  Reinhard Löwisch

Die Wiedergründung

Vor 65 Jahren, am 5. Juli 1947 kam es im Muggendorfer Parkhotel zur Wiedergründung des Fränkische Schweiz- Verein (FSV), der während der Nazizeit, ab 1933, „mausetot war“, wie die Vereinschronistin Lilly Schottky vermerkte. Ohne die Wiedergründung, gäbe es heute keine keine Trachtenerneuerung, keinen Schmuckziegel und keine heimatkundliche Bücherei, keine Morschreuther Malkurse, keine Dokumentation über heimische Volksmusik und keinen Heimattag. Die Kulturlandschaft der Fränkischen Schweiz wäre ohne den FSV viel ärmer.

Es war ein Samstag, der Tag an dem der amerikanische Außenminister George C. Marshall in einer historischen Rede das später nach ihm benannte umfassende Hilfsprogramm für Europa einleitete, den „Marshall-Plan“. Im Muggendorfer Parkhotel, das zu seiner Blütezeit im 19. Jahrhundert ein Kurhaus für Molkekuren beherbergte, trafen sich am Nachmittag unter dem Vorsitz von Rudolf Eberhard, damals noch Landrat des Kreises Ebermannstadt, Vertreter vieler Behörden, Bürgermeister, Landräte, ja sogar der Regierungspräsident Dr. Hans Schregle war gekommen, um flammende Plädoyers zu halten, in denen die Wiedergründung des FSV als Kultur- und Tourismusverein befürwortet wurde.

Der Vertreter der Reichsbahndirektion Nürnberg versicherte (Namen sind im Gründungsprotokoll nur selten erwähnt), „dass wir brüderlich mit Ihnen zusammenarbeiten wollen und gerne bereit sind, Vorschläge entgegen zu nehmen und auch alles tun werden, um sie zu erfüllen“. Der Vertreter des Landrates von Forchheim hoffte, „dass der Verein bald in Tätigkeit tritt und eine Stütze der Fränkischen Schweiz wird“. Und auch der Vertreter der Stadt Pegnitz freute sich etwas holprig, „auf das sehnlichste, dass die Zeit bald kommen möge, dass wir den Städtern Gelegenheit geben können, in unserer Gegend der Erholung zu pflegen“ - weshalb man dem FSV „alle Unterstützung angedeihen lassen“ werde. Der Vertreter des Hotel- und Gaststättengewerbes pflichtete bei: „Auch wir wollen zur Gründung des FSV beitragen“ und  Landtagsabgeordneter Adam Sühler (Stimmkreis Ebermannstadt-Kulmbach, damals auch Mitglied im Ausschuss für den bayerischen Staatshaushalt) ergänzte: „Wenn ich als Landtagsabgeordneter mitwirken darf, diese Ziele zu unterstützen, so wird das gerne geschehen und auch für ihren Verein einzutreten und damit Pionier am Fremdenverkehr im Allgemeinen und besonders in unserer schönen Heimat zu sein“. Und schließlich sagte noch Regierungspräsident Dr. Hans Schregle mit Nachdruck und ganz entschieden: „dass ich sie erneut meiner Bereitschaft versichere, Ihrer neuen Vereinsgründung zu helfen, wo immer es geht und wo immer es in meinen Kräften steht“. Der Satz dürfte den Ausschlag gegeben haben, denn einstimmig hat die Versammlung den Verein nach fünfstündiger Rede wieder aus der Taufe gehoben und mit der neuen Satzung auch gleich das Aufgabengebiet abgesteckt:

„Der Verein bezweckt die Vereinigung aller kulturellen und wirtschaftlichen Bestrebungen für die Fränkische Schweiz, ihre weitere Erschließung und Erhaltung ihres landschaftlichen Charakters“. Und auch die Wahl des ersten Vorsitzenden zeigte, wo es künftig langgehen soll. Johann Bezold, Gastronom der Pulvermühle bei Waischenfeld ist mit großer Mehrheit an die Vereinsspitze gewählt worden, vertreten von Bürgermeister H. Rattel aus Pottenstein. Die Hauptaufgabe des Vereins bestand in der Anfangszeit vor allem in der Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingskommissar. Im Landkreis Ebermannstadt gab es nach dem Weltkrieg mehr als 11 000 Flüchtlinge (von insgesamt 33 000 Einwohnern), weshalb alle Gaststätten und Beherbergungsbetriebe und sonstigen Wohnräume damit belegt waren. Für all diese Menschen gibt es, sagte Landrat Eberhard in der Gründungsversammlung, „aber höchstens 180 bis 200 kleinere Wohnungen“ und keine nennenswerte Industrie die Arbeitsplätze bieten könne. Aus diesem Grund befürwortete die Lokalpolitik das Vorhaben, einen Großteil der Flüchtlinge in andere Gebiete zu verlegen. Das zweite Problem waren die schlechten Straßen in der gesamten Region, die ob der großen Staubbelastung, schon in den 30er Jahren zu „autofreien Sonntagen“ im Wiesenttal führten. Bezold ernannte wenige Tage nach der Wiedergründung den pensionierten Rechtsrat Heinrich Uhl aus Muggendorf zum FSV-Geschäftsführer. Jener pflegte (anfangs mit einem klapprigen Moped ausgestattet) den Kontakt zu Behörden und sorgte laut Vereinschronistin Schottky dafür, dass es Sonntagskarten von Nürnberg in die Fränkische Schweiz gab, wodurch der Ausflugsverkehr bald stark anstieg und zu Sonderfahrten der Bahn führte. Der FSV entwickelte sich nicht nur politisch sondern auch kulturell weiter:

1959 gab es wieder eine Vereinszeitschrift, nachdem diese Ende 1933 eingestellt worden war. 1964 kam es auf Anregung von Dr. Amandus Deinzer zur Gründung des „FSV-Kulturausschusses“, dem Vertreter von drei Landkreisen und der Stadt Forchheim angehörten. Dieser illustre Kreis sorgte in der Folge für die Gründung von FSV- Arbeitskreisen: Der Ak Heimatkunde hat  mittlerweile 39 heimatkundliche Bücher veröffentlicht. Gründungsleiter Dr. Hans Weisel verfährt erfolgreich nach dem Prinzip, dass der Erlös eines Buches das nächste Buch finanziert. Der Arbeitskreis (AK) Volksmusik hat unter dessen Leiter Eberhard Hofmann unter anderem im Jahr 2006 eine Dokumentation „Singen und Musizieren in der Fränkischen Schweiz“ veröffentlicht. Berühmt ist auch die seit 1978 jährliche stattfindende „Fränkische Weihnacht“ und die offenen Singtage. Der Ak Bauen und Gestalten, 1973 gegründet und durch Gudila Freifrau von Pölnitz mit dem „Schmuckziegel“ ausgestattet, sorgt sich um die „Fränkische Bauweise“ und die historisch gewachsene Struktur der Dörfer. Jetziger Leiter ist Jürgen Schönfelder aus Hausen. Die Vereinsbücherei, 1981 ins Leben gerufen, verfügt dank des „Jägers und Sammlers“ Georg Knörlein über 14 000 heimatkundliche Titel. Die Bildstelle, sie gibt es auch schon seit 1978, hat über 12 000 historische Bilder und Ansichten im Archiv, von denen 10 000 bereits digitalisiert sind. Die Morschreuther Malschule, heute zum „Kreativzentrum Morschreuth“ umbenannt und 1974 gegründet, erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit, was die guten Teilnehmerzahlen der Kurse belegen und der AK Trachten unter Leitung von Hanna Erlwein ist gerade dabei, die Dorftracht mit modischen Farben dem Zeitgeist anzupassen. Erste  Erfolge erneuerter Tracht gibt es bereits in Wolfsberg, Obertrubach; Eggolsheim und Bärnfels. Außerdem unterhält der Verein die Arbeitskreise Wege und Wander, Höhle und Karst, Naturschutz, Mundartpflege und betreibt Jugendarbeit. R.Löwisch

Eine Kurzfassung der Chronik von 1901 bis 1970 zusammengestellt von Lilly Schottky, das Protokoll der Wiedergründung und vieles mehr finden Sie hier