• Current page is 4.10.1: Chronik

Chronik der Ortsgruppe Ebermannstadt

Zur Gründung der „Obmannschaft” Ebermannstadt 1904

Die Bemühungen, in Ebermannstadt und Breitenbach einen Zweigverein des am 29. September 1901gegründeten Fränkische Schweiz-Vereins ins Leben zu rufen, gehen bereits in das Jahr 1902 zurück.

Im Wiesentboten lädt in einer Bekanntmachung ein „provisorisches Comite” alle Interessierten für den 31. Mai um 20.00 Uhr in den Rathaussaal zu einer Besprechung „behufs Bildung einer Obmannschaft des Fränkischen Schweizvereins ergebendst” ein. Dieser Aufruf hatte jedoch nicht den gewünschten Erfolg. Die Versammlung war nur schwach besucht und brachte „kein definitives Ergebniß”, weshalb für den 15. Juni, nachmittags 3 Uhr, ein neuer Termin angesetzt wurde mit dem Hinweis, dass eine „Obmannschaft gewissermaßen den Lokalverschönerungsverein” ersetzen solle, der „für hier schon längst am Platze wäre”.

Da im Wiesentboten über diese neuerliche Zusammenkunft nicht berichtet wird und Schriftliches in Form eines Protokolls nicht vorliegt, war offensichtlich diesen weiteren Bemühungen wiederum kein Erfolg beschieden. Es vergingen zwei Jahre, bis ein diesbezüglich neuer Anlauf gemacht wurde. Die lokale Presse meldet unter dem 9. Juli 1904: „Wie wir hören, soll nunmehr auch hier in Ebermannstadt-Breitenbach und Umgegend eine Obmannschaft des Fränkische Schweiz-Vereins gegründet werden, ein Gedanke, der gewiß allseits lebhaften Anklang finden wird”. Nach einer ausführlichen Darstellung der Vereinsziele heißt es dann am Schluss dieser Meldung: „Und so wollen wir hoffen und wünschen, dass die Obmannschaft Ebermannstadt, wenn auch der Gründungszeit nach die letzte, der Mitgliederzahl nach die erste des ganzen Fränkische Schweiz-Vereins werden möge!” (Die Letzte - sicherlich im Reigen der rasch folgenden Neugründungen in den größeren Orten und den umliegenden Städten nach 1901, aber es folgten ja später noch eine ganze Reihe weiterer Ortsgruppen und was die Mitgliederzahl anbelangt, so hat sich dieser Wunsch allerdings sehr spät, erst 1988 unter der Führung von Ernst Schlösser, der dem Verein von 1981 bis 1998 vorstand, erfüllt.)

Am 13. Juli 1904 war es dann soweit. Eine nun gut besuchte Versammlung, die wieder im Rathaussaal stattfand, beschloss „mit Einstimmigkeit” die Gründung eines „Verschönerungsvereins Ebermannstadt - Breitenbach, Obmannschaft des Fränkische - Schweiz - Vereins”. Dass der Name Verschönerungsverein mit aufgenommen wurde, dazu bequemten sich die Initiatoren, meist Vertreter der „höheren Kreise” nur ungern, gaben aber letztlich den „Wünschen aus den Bürgerkreisen” nach.

Zum „Vorstand” wurde Bezirksamtsassessor Stützel gewählt, als „Ausschuss - Mitglieder” folgende Herren:
Kgl. Bezirksamtmann Stucky,
kgl. Oberamtsrichter Sebald,
Bürgermeister Dümlein,
Bürgermeister Theiler Breitenbach,
Buchbindermeister Rascher,
Bierbrauer Gg. Schmitt,
Flaschnermeister Fritz Herbst und
Uhrmacher Fritz Mayer.

Der Jahresbeitrag wurde auf 1 Mark 20 Pfennige festgesetzt. 35 Personen traten dem Verein bei. Am Ende der Versammlung gab Vorstand Stützel den Wünschen für ein kräftiges Wachsen, Blühen und Gedeihen des Vereins Ausdruck und brachte auf den jungen Verein ein begeistert aufgenommenes dreifaches Hoch aus. Der Wiesentbote beendet seinen Gründungsbericht: „Auch wir wünschen dem jungen Verein, dessen Begründung wirklich von Bedürfnis war, kräftiges Wachsen, Blühen und Gedeihen. Mögen sich noch recht viele als Mitglieder anschließen, ja möge niemand dem so nützlichen und notwendigen Verein ferne bleiben, damit derselbe seine Aufgabe zu Nutz und Frommen unserer Stadt möglichst schön erfüllen kann!” Abschließend sei noch vermerkt, dass es schon im 19. Jahrhundert einen lokalen Verschönerungsverein in der Stadt gegeben haben muss. Während der 1. ordentlichen Generalversammlung des Vereins am 16. April 1905 gab 1. Vorsitzender Stützel neben anderen auszuführenden Arbeiten auch diejenigen bekannt, die „in der Verbesserung und Vervollkommnung der einst vom früheren, vor ca. 16 Jahren aufgelösten Verschönerungsvereins, angefangenen Anlagen am sog. Erlach bestehen”.

Zur Aufhellung dieser älteren Vereinsgeschichte wären weitere, aufschlussreiche Nachforschungen nötig. Stützel musste übrigens seinen Vorsitz bald darauf wegen Versetzung nach Neustadt a. d. Haardt (heute N. a. d. Weinstraße) niederlegen. Sein Nachfolger wurde auf einer außerordentlichen Generalversammlung am 2. Juli 1905 der kgl. Oberamtsrichter Sebald, der schon bei der konstituierenden Sitzung 1904 als Vorstand vorgeschlagen wurde, damals aber „gebeten hatte, von der Wahl seiner Person abzusehen”. (Hans Weisel)