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Chronik der OG Leutenbach

Erster Anlauf zu einer Ortsgruppe

In Leutenbach war der Weg zu einem örtlichen Fränkische Schweiz-Verein langwierig und mühsam. Bereits in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts existierte eine Ortsgruppe des FSV, die sich „die Verschönerung der Natur und die Markierung der Wanderwege” zur Aufgabe gemacht hatte. Initiator war Hauptlehrer Kramer. Immerhin war unter den damaligen Vereinsmitgliedern der 1. Kulturpreisträger des Fränkische Schweiz- Verein: Pfarrer Dr. Georg Kanzler, er erhielt die Auszeichnung für seine Heimat bezogene schriftstellerische Tätigkeit. Leider sind die Aktivitäten nach und nach wieder eingeschlafen.

Erneuter Start im Jahre 1968

Dann, im Herbst 1968, wurde in Leutenbach erneut eine FSV-Ortsgruppe ins Leben gerufen, diesmal etwas spektakulärer. Zu der von der Trachtenkapelle des FSV musikalisch umrahmten Gründungsversammlung im Saalbau des Gasthofs Rumpler erschienen etwa 200 Einheimische mit Bürgermeister Georg Rumpler und mehreren Gemeinderäten. 52 Personen trugen sich zunächst in die Mitgliederliste ein, darunter Honoratioren wie der Bürgermeister, der Pfarrer und Baronin von Pölnitz. Erster Vorsitzender wurde Josef Rumpler, Stellvertreter Georg Kraft. Fritz Preis hatte die Aufgaben der Ortsgruppe vorgegeben: „In der herrlichen Landschaft des Leutenbacher Tales müsse die Natur verschönt, sollten Wanderwege angelegt, altes Liedgut und Mundartdichtung gepflegt und die überlieferten Trachten erhalten werden”. Mehrere Jahre war der Verein recht aktiv, es gab auch bereits eine Tanzgruppe mit 6 Paaren. Aber irgendwann - so genau erinnert sich niemand mehr - sind die Aktivitäten langsam eingeschlafen - offenbar durch Unstimmigkeiten im Vorstand. Gegen Ende der 70-er Jahre kam das endgültige „Aus”.

Dritter Beginn

Danach hat dann Fritz Preis, inzwischen Hauptvorsitzender des Gesamtvereins, laufend versucht, dem Leutenbacher Verein wieder neues Leben einzuhauchen. Seine Beharrlichkeit führte dann 1981 zum gewünschten Neuanfang, wenn auch noch ein paar Hürden zu überwinden waren. Michael Roth, bereits durch die Federführung der Bürgerinitiative gegen die Verrohrung des Moritzbaches hervorgetreten, rief eine Reihe Gleichgesinnter zu einer Versammlung ins Gasthaus Alt. Natürlich erschien auch Fritz Preis als „Geburtshelfer”, zusammen mit seinem treuen Begleiter Josef Sauer. Schnell war ein 1. Vorstand gefunden: Wer anders als Michael Roth? Allen war sofort klar: Er ist der richtige Mann für diese delikate Aufgabe. Auch die Besetzung weiterer Vorstandsposten bereitete keine große Mühe - bis auf den 2. Vorstand und den Kassier. Nach gutem Zureden war Dr. Georg Kanzler aus Nürnberg (Neffe des gleichnamigen, 1975 verstorbenen Leutenbacher Pfarrers und Heimatfreundes) bereit, für eine Übergangszeit - die dann allerdings 10 Jahre dauerte - einen der Posten zu übernehmen. Noch aber fehlte der Kassier. Fritz Preis redete mit Engelszungen - es war umsonst. Zum dritten Mal drohte das Scheitern. Als letzter Versuch wurde dann eine weitere Sitzung anberaumt, bei der es mit Mühe gelang, mit Richard Roth einen Kassier zu finden. Die Aufbauarbeit konnte beginnen, wobei als Schwerpunkte die Trachtenerhaltung (in Form einer Tanzgruppe), Ortsverschönerung, Landschaftspflege und Naturschutz, Sammlung alter Volks- und Heimatlieder sowie Pflege der Wanderwege genannt wurden. Noch sagten einige „Dorfweisen” dem Verein ein kurzes Leben voraus. Als er aber am 28.11.1981 mit einem gelungenen Dorfabend im Rumpler-Saal mit zahlreichen Darbietungen an die Öffentlichkeit trat, war der Durchbruch erreicht. In Anbetracht der noch leeren Vereinskasse ergriff Baronin von Pölnitz im voll besetzten Saal zuerst das Wort, dann ihr Scheckbuch und schließlich einen Korb zum Sammeln. Niemand wollte sich kleinlich zeigen, als sich ihm die adelige Hand entgegenstreckte. Ein erster finanzieller Grundstock war gelegt.

Tanzgruppe

Die Anfang 1982 gegründete Trachtentanzgruppe hatte mit ihrem ersten Auftritt im April 1982 in der Aula der Mittelehrenbacher Schule viel dazu beigetragen, dass der Fränkische - Schweiz-Verein seinen festen Platz im breiten Leutenbacher Vereinsspektrum gefunden hatte. Erste Leiterin der Tanzgruppe war Lucie Kanzler. Sie hatte mit viel Geschick, Ausdauer und Geduld mit den hoch motivierten 8 Paaren ein beachtliches Repertoire alter Tänze - wie sie früher meist auf den Tanzböden in Leutenbach und Umgebung getanzt wurden- erarbeitet. Dabei kam ihr die eigene Erfahrung aus ihrer Dietzhofer Zeit 1945 - 47 zugute. Viel Unterstützung fand sie auch bei alten Leutenbacher Tanzfreunden, wie etwa Hans Harrer, die stets mit Ratschlägen zur Verfügung standen. Als Akkordeonspieler war Michael Roth, liebevoll „Hummel-Michel” genannt, von Anfang an dabei. Inzwischen wird er von Josef Drummer unterstützt. Im Jahre 1996 hat dann Monika Kaul die Gruppe übernommen und die erfolgreiche Arbeit fortgeführt. Im Vorführungsprogramm finden sich altbekannte Tänze wie etwa Dreher, Zwiefacher, Schustertanz, Siebentritt, Hirtenmadla, Mazurka (getretene Figur), Kreuzpolka, offener Rheinländer, offener Walzer, Stampfer, Kikeriki. Aber auch Neueinstudierungen sind im Programm wie etwa Schnupftabakstanz, die schöne Müllerin, Dreschertanz und als besondere Attraktion der Hexentanz. Letzterer wurde erst im vergangenen Herbst vom Bayerischen Fernsehen mit der Gruppe auf dem Walberla aufgezeichnet. Zahlreiche Auftritte wie etwa in Berlin, Nürnberg, auf der Giechburg sowie ein Fernsehauftritt in Effeltrich waren eine Werbung für Leutenbach und die Fränkische Schweiz. Die Aufführungen in bunter Leutenbacher Tracht fanden stets lobenden Beifall. Die schöne alte Tracht wurde aber nicht nur bei den Tänzen, sondern auch bei zahlreichen Umzügen vorgeführt. Durch das besondere Engagement der Tanzgruppenmitglieder Katharina Kraft und Agnes Häcklein konnte eine Kindertrachtentanzgruppe ins Leben gerufen werden, die bei ihren reizenden Auftritten stets besonderen Beifall erhält.

Heimatabende

Viel Anerkennung und Lob fanden die beliebten, stets gut besuchten Heimatabende mit Musik-, Tanz- und Gesangsdarbietungen sowie Mundartbeiträgen. Sie wurden seit 1982 im Saal des Gasthofs Rumpier abgehalten. Als dieser wegfiel, musste in den Schwanen-Saal in Mittelehrenbach ausgewichen werden. Als auch der „dicht gemacht” wurde, ergab sich eine längere Zwangspause. Erst nach dem Bau des neuen Pfarrheims 1996 stand wieder eine bestens geeignete Räumlichkeit zur Verfügung. Seitdem werden wieder im 2-jährigen Turnus Abende abgehalten, der nächste im Herbst dieses Jahres.

Brunnen-Pflege

1982 übernahm die Ortsgruppe die Renovierung des Moritzbrunnens (Mauritius-Häuschen). Der neue „Moritz” wurde - als Ersatz für die gestohlene alte Figur von Georg Drummer geschnitzt und bemalt. Der Hauptverein (AK Bauen und Gestalten) verlieh hierfür die Anerkennungsurkunde „Für gelungene Restaurierung”. Sie wurde am 28.11.1982 vom Hauptvorsitzenden Fritz Preis überreicht. 1988 folgte dann die Neugestaltung des Gänsebrunnens am Dorfplatz. Unter Leitung von Robert Erlwein haben Vereinsmitglieder und Handwerker in über 200 Arbeitsstunden den Brunnen, dessen Wasser aus einer Quelle fließt, mittels Natursteinen so umgebaut, dass er ein Schmuckstück für den Ort darstellt. 1996 wurde die Quelle „Drei Brunnen” vom Verein neu gefasst.

Erfolgreiche Landschaftspflege

Die „Aktion saubere Landschaft” wurde ursprünglich durch die FSV-Ortsgruppe initiiert und durchgeführt. Inzwischen beteiligen sich auch Mittelehrenbach, Ortspitz und Seidmar. Neuerdings führt die Gemeinde alle zwei Jahre die Aktion unter Beteiligung von Leutenbacher Vereinen durch. Am 11.3.1992 wurde dem Ortsverein der „Dr. Plettner-Preis” (mit goldener Anstecknadel) für besondere Aktivitäten im Umweltschutz verliehen. Ferner erhielt der Verein 1993 die Urkunde „Für Verdienste um den Umweltschutz” des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen. Das große Engagement von Vereinsmitgliedern zeigen weitere Aktivitäten. Hierzu gehören:

  • Markierung von Wanderwegen und Führung von Wanderungen,
  • Abhalten von Singabenden und Rockenstuben,
  • Gestaltung der Sonnwendfeier am Fuße des Walberla,
  • Schmücken der Osterbrunnen,
  • Organisation des Grillfestes im Anschluss an eine Wanderung an Himmelfahrt.

Heimatstube

Mit der Einrichtung ihrer Heimatstube schuf die Ortsgruppe - mit Unterstützung der Gemeinde - eine besondere Attraktion für Leutenbach. Die Eröffnung fand bei Anwesenheit des 1. Hauptvorsitzenden des FSV Paul Pöhlmann und des Kulturausschussvorsitzenden Walter Tausendpfund im Rahmen einer schlichten Feier am 4.4.2004 statt. In dem das Obergeschoss des Rathauses umfassenden kleinen Museum wurden zahlreiche wertvolle Exponate zusammengetragen. Den Schwerpunkt stellen die alten Trachten dar. Sie wurden in mühevoller Arbeit von Monika Kaul und Katharina Kraft aufgespürt, zusammengetragen und präsentabel gemacht. Dass bei der Beschaffung der hierzu notwendigen Vitrinen die Rücklagen des Vereins weitgehend aufgebraucht wurden, schmerzt angesichts der großen Anerkennung und des reichen Lobes wenig. Außer den Trachten sind eine ganze Reihe anderer Ausstellungstücke zu bewundern, etwa eine frühere Nähstube sowie Gerätschaften und Utensilien aus Haushalt und Handwerk. Zahlreiche Fotos und Zeitungsausschnitte dokumentieren, wie das Leben früher in Leutenbach war.

Bilanz

Die Mitgliederzahl des Vereins beträgt derzeit 263 Personen. Nach der Neugründung 1981 waren es noch 89. Dabei ist zu erwähnen, dass sich 1986 die Kirchehrenbacher „Stubengemütlichkeit” mit 70 Mitgliedern der Leutenbacher Ortsgruppe angeschlossen hat.
(Alfons Drummer, Dr. Georg Kanzler, Michael Roth, Richard Roth)