Über das Walberla-Fest

KIRCHEHRENBACH. Die Ehrenbürg, eine der höchsten Erhebungen der Fränkischen Schweiz war schon immer einer der markantesten und eindrucksvollsten Tafelberge Frankens. Das „Walberla” wie der Berg im Volksmund wegen seiner darauf erbauten Walburgiskapelle liebevoll genannt wird, ist beliebter Tummelplatz für Kletterer und Drachenflieger, für Archäologen und Naturfreunde, für emanzipierte Frauenzirkel und Nürnberger, die ihn als „Hausberg” bezeichnen.

Am beliebtesten ist dieser Sattelberg jedoch für gesellige Kirchweihbesucher, die alljählich am ersten Wochenende im Mai in Scharen strömen. Denn das „Walberlafest” will so keiner versäumen. Daß solche Tradition keine Erfindung neuerer Zeit, beweisen die zahlreichen Festbeschreibungen des letzten Jahrhunderts. „Die Ehrenbürg auch Walberlasberg genannt ist ein schöner sattelförmiger Berg bei Forchheim, in der Nähe von Kirchehrenbach und Wiesenthau. Er ist als ein Grenzberg des Muggendorfer Gebürg zu betrachten. Auf seinem flachen Gipfel hat man eine sehr schöne und weite Aussicht bis hinauf in das Fichtelgebirg, nach Nürnberg und in die Fränkische Schweiz. Auf dem Berg befindet sich eine kleine Kapelle, welche der hl. Walburga gewidmet ist, daher am 1. Mai ein sehr besuchter Jahrmarkt daselbst gehalten wird” - schrieb Joseph Heller schon 1829 in sein Reisetagebuch. 1811 trug Johann Christian Fick über den ersten Mai und das Walberlafest unter anderem folgendes in sein Reisetagebuch ein: (...)„Fünf Stunden von Erlangen nordöstlich gelegen befindet sich die Ehrenbürg oder wie der Volksmund sagt, das Walperla. Der hl. Walpurga ist hier eine Kaplle errichtet. Daher wird in ihr am ersten Mai von einem benachbarten Geistlichen Gottesdienst gehalten, und ehemals begaben sich fast alle benachbarten Gemeinden in Prozession dahin, um diesen Schutz der Heidenbekehrerin zu erbitten. Der Mensch verbindet nur zu gerne das Himmlische mit dem Irdischen und so gab auch hier dieser Zusammenfluß Veranlassung zum Austausche gegenseitiger Bedürfnisse und zu Vergnügungen.

Jetzt mag von den 5 000 Seelen, welche jährlich an einem schönen Tage da seyn können, nur eine kleine Zahl die längst der Erde entrückte Walpurgis aufsuchen wollen, sondern Geldgewinn und Zerstreuung locken die meisten dahin”. Aus dem Jahr 1821 stammt folgender Reisebericht (Auszug) von Baptist Lachmüller in der er das Walberla-Fest ausführlich beschreibt. (...) „Lebendiger wird es hier mit jedem Augenblick. Von Menschen aus allen Ständen wimmelt schon der Berg und von allen Seiten ertönt der Morgengruß und herzliches Willkommen der Freunde und Bekannten, die sich hier gesucht und gefunden haben. Buden und Zelte stehen nun fertig gefüllt mit bunten Waren da für groß und klein, zum Luxus und zum nöthigen Gebrauche. Geräthschaften aller Art für den Feldbau und für die Handwerker, für den Keller und für die Küche breiten sich auf allen Seiten zum Verkaufe aus. Kappen und Hüte in allerley Formen, Leder und allerley anderer Waren bis zum kleinsten Kinderschuh werden in Mengen gekauft. Mehr aber als für alle anderen Bedürfnisse ist für den Magen und Gaumen gesorgt. Einem großen Altare gleich, lodern allenthalben Flammen auf des Berges Rücken. Geflügel und Bratwürste in großer Zahl werden auf diesem Altare geopfert und munter verzehrt. Nicht weniger wird dem Bacchus gehuldigt und unversiegbaren Quellen gleich, sprudelt das Bier aus den Fässern. Auch fehlt es nicht an Wein und Punsch und süßen Leckereien. Musik ertönt und lustig dreht sich das Carusell nach dem Takt. Es woget die Menge nun auf und nieder, trauliche Gespräche erhöhen den Genuß des heutigen Tages. Eine hübsche Blumenhändlerin lenkt die Blicke der Männer auf sich, unter Scherz und munteren Gesprächen bewegt sich die Menge in buntem Gemisch. Einzelne Felsspitzen sieht man Waghälse kühn ersteigen. Uns schaudert vor dem gefährlichen Genuß. Wir wenden uns unwillkürlich ab und sehen, wie sich allmählich die große Gesellschaft zur Trennung bereitet. ...später trennt sich die große Gesellschaft in unzählige kleine und reich an Genuß zieh’n alle dahin. Auf Wiederseh’n am 1ten May im nächsten Jahr”.

1863 veröffentlichte Victor von Scheffel seine „Frau Adventuire” in der er unter dem Titel: „Bambergischer Domchorknaben Sängerfahrt” (Exodus cantorum) folgendes über das Walberlafest dichtete. „Ob Vorchheim bei Kirchehrenbach woll’n wir zu Berge steigen. Dort schwingt sich am Walburgistag der Franken Maimarktreigen; der ist seit grauer Heidenzeit, noch allem Landvolk teuer. Schatzkind halt Gürtel fest und Kleid, wir springen durch die Feuer”. Das Walberlafest findet seit vielen Jahren am ersten Sonntag im Mai statt.

Die Diskussionen darum, ob man den ersten Mai oder gar schon einen Tag früher mitfeiern und damit das Wochenende verlängern soll oder ob man das Fest eine Woche später feiern sollte, begann schon vor 130 Jahren. Schon im April 1883 hatte ein Unbekannter in einem Lesebrief im „Forchheimer Wochenblatt” an die Gemeindeverwaltungen von Kirchehrenbach und Wiesenthau appelliert, das alljährlich nur am 1. Mai stattfindende Walberlafest auf den nachfolgenden Sonntag zu verlegen. Der Appell verhallte ergebnislos. Elf Jahre später, am 25. April 1894, wies das Bezirksamt den Pfarrer von Wiesenthau schriftlich darauf hin, „dass in Forchheim das Gerücht umlaufe, als solle das Ehrenbürgfest vom 1. Mai auf den nächstfolgenden Sonntag verschoben werden.” Doch wieder geschah weiter nichts. Nochmals dreizehn Jahre gingen ins Land, erest dann kam Bewegung in die Sache. Den Anstoß dazu gab eine Eingabe der Gemeindeverwaltung Kirchehrenbach vom 23.Januar 1907, in der das Bezirksamt gebeten wurde, den „alljährlich am 1. Mai abgehaltene Jahrmarkt von heuer an ständig auf den ersten Sonntag im Mai zu verlegen”. Das Pfarramt Wiesenthau lehnte als einzige Institution den Vorschlag ab. Pfarrer Dietz erklärte damals dazu, „dass der fragliche Jahrmarkt nach uraltem Brauch immer im Anschluss an eine kirchliche Feier stattfindet, die an den 1. Mai gebunden ist und als Patronatsfest der Kapelle, deren Patronin St, Walburga ist, begangen wird.” Das Bezirksamt freilich vermochte die Einwände des Pfarramtes nicht anzuerkennen. Es vermerkte anlässlich der Weiterleitung des Gesuches um Verlegung des Festtages an die Regierung von Oberfranken, „dass die rein weltliche Feier des Jahrmarktes, wenn auch ehedem mit der kirchlichen Feier des Patronatsfestes im Zusammenhang stehend, jetzt doch nichts mehr damit zu tun habe und der Vollzug des kirchlichen Aktes am 1. Mai durch die Jahrmarktsverlegung auf den folgenden Sonntag in keiner Weise beeinträchtigt werde. Da selbst das erzbischöfliche Ordinariat dem Ersuchen wohlwollend gegenüber stand war die Zustimmung des Ministeriums in München keine Frage. Am Sonntag, den 5. Mai 1907 fand das Walberlafest also erstmals am ersten Sonntag im Mai statt. Nachzulesen im „Neuen Volksblatt” vom 1. Mai 1963, das in der Bücherei des Fränkische Schweiz- Vereins, eingesehen werden kann.

R. Löwisch

Bild: alte Postkarte von 1905, zwei Jahre bevor das Walberlafest auf den 1. Sonntag im Mai verlegt wurde.