Fosalecken und Winteraustreiben

EFFELTRICH/BAIERSDORF. Heuer wird am Faschingssonntag, in Baiersdorf der Winter durch die Effeltricher Fasalecken ausgetrieben. "Zwar liegt die Entstehung dieses Brauches im Dunkeln", erklärt Monika Hofmayer, Vorsitzende des Heimatvereins Baiersdorf, "aber seit mehr als 125 Jahren kommen die Effeltricher Fosalecken nach Baiersdorf und treiben mit Peitschengeknall die Strohbären, die den Winter symbolisieren, durch die Stadt - dabei handelt es sich um keine Faschingsgaudi, sondern um den wohl ältesten Brauch in der Region".

Nur unverheiratete Burschen dabei

Die Fasalecken sind unverheiratete Männer des 1885 gegründeten Effeltricher Burschenvereins "Zufriedenheit" in schicken weißen Hosen mit bunten Bändern über den Schultern und tragen auf dem Kopf eine kunstvoll gefertigte Krone aus immergrünen Buchsbaumsträußchen. Sie symbolisieren den Frühling und führen eine Peitsche mit sich - ein uraltes Fruchtbarkeitssymbol - und treiben die "Winterbären" vor sich her. "Früher wurde das Stroh der Bären in die Regnitz geworfen", erläutert Hofmayer", "heute wird es auf dem Parkplatz am Linsengraben verbrannt". Der Brauch beginnt gegen 11 Uhr in der Baumschule Kupfer in Effeltrich. Dort verwandeln sich die jungen Männer langsam in gewaltige Bären und werden geduldig von vielen Helfern in Stroh gewickelt, bis nur noch das Gesicht zu erkennen ist. Dabei ist Geschicklichkeit gefragt und das Stroh darf nicht maschinell geerntet werden, sondern muss mit der Sense geschnitten und das ganze Jahr gelagert werden. Gemeinsam fahren Frühlings- und Winterburschen mit den Effeltricher Trachtenmädchen per Lastwagen und Bus nach Baiersdorf. Gegen 14.30 Uhr beginnt an der Jahnhalle der großartige Umzug durch die Hauptstraße, Judengasse und die Pfarrgasse zum Linsengraben. Der Musikverein Effeltrich spielt und die Fasalecken tanzen mit "Trachtenmadla" fränkische Tänze um ein loderndes Feuer. "Fasaleck" ist von dem Wort "faseln" abgeleitet und bedeutet soviel wie wachsen oder gedeihen. Anschließend können es sich die Zuschauer in der Jahnhalle bei Musik und Tanz mit der Effeltricher Trachtenkapelle gemütlich machen.

Die Fasenacht - (Fosanocht)

Der Gedanke, vom ewigen Kreislauf des Naturgeschehens, von der unabänderlichen Folge der Jahreszeiten und der damit in Verbindung stehenden Fruchtbarkeit des Frühjahres, kommt in klaren und eindeutigen Formen bei den ,,Fasnachtsbräuchen" in unseren Gauen zum Ausdruck. In einzelnen Dörfern treten Handlungen auf, die bewußt den ursprünglichen Sinn des Brauchtums der Fosenächte weitertragen. Am reichhaltigsten und reinsten bietet sich die Überlieferung dar in der ,,Fosanocht" zu Effeltrich, mit dem Umzug der Effeltricher-,,Fosaleggen" in Baiersdorf.

Die erste Beziehung zur Ursprungswurzel und zur eigentlichen Bedeutung der Faschingszeit läßt sich bereits bei der Bezeichnung „Fasaleggen" erkennen. Dieses Wort enthält, wie auch in den meisten Fällen die mundartlich, bauernsprachliche Form des Wortes „Fasnacht” nämlich „Fasenacht, Fosenacht, Fasnet”, nicht das „t”, das die Fasnacht erst zur kirchlichen „Fastnacht” - zur Fastennacht macht. Gerade in der ostfränkischen Volkssprache und sogar in der Fachsprache der Tierzüchter hat sich der Ausdruck „Faselvieh” erhalten, der alles zuchtfähige Vieh meint und unmittelbar aus mittelhochdeutschen Zeitwort „Vaseln” = fruchten, gedeihen, abzuleiten ist. Die Fasnacht, besser die Fasenächte sind demnach unstreitig die Nächte der beginnenden Fruchtbarkeit in der Natur, auf dem Acker. Das entspricht ganz der natürlichen Entwicklung im Jahresablauf. Die Effeltricher „Fasaleggen” sind also die „Faseligen”, die Sinngestalten der beginnenden Fruchtbarkeit im Vorfrühling. Sie sind dementsprechend gekleidet. Diese weiße Kleidung (Hemd und Hose) haben sie mit allen Frühlings- oder Sommerbroten gemein. Breite, bunte, reich gestickte Bänder dienen als Gürtel und Hosenträger, ein ähnliches Band läuft quer über die Brust, zahlreiche bunte Bänder ohne Stickereien hängen von der Schulter weit über den Rücken herab. Sie vertreten die an Fasnacht noch fehlenden Blumen und Blüten. Jetzt fehlt nur noch das Sommergrün. In dem abenteuerlich hohen Kopfputz ist es reichlich vertreten.

Es bildet vielleicht das auffallendste Kleidungsstück der Fasaleggen. Um einen Strohhut sind Zweige des immer grünen „Buchs" montiert. Bunte Schürzenbänder von den Mädchen, für diesen Zweck zur Verfügung gestellt, durchziehen den ganzen kunstvollen Aufbau und hängen breitgerafft über die Krempe herab. Eine Peitsche vervollständigt die Ausrüstung. Der Sinn ihres Auftretens Die Frühlingsboten durchziehen laut mit der Peitsche knallend die Ortschaft. Durch den Lärm vertreiben sie den Winterdämon und wecken somit gleichzeitig die Wachstumsgeister auf dem Felde (Analogiezauber). Im Gegensatz zum Immergrün des Buchsbaumes, wodurch die Sinnbilder des Frühlings und Sommers gekennzeichnet werden, bezeichnet das leergedroschene, unbrauchbare Stroh den Winter, die Unfruchtbarkeit, das Alte, Vergangene und damit den Tod. Die Strohgestalten werden „Struhbäärn” – Strohbären, in das Stroh sind Burschen gehüllt, genannt. Die Effeltricher „Fosaleggen" ziehen von Effeltrich (früher zu Fuß) nach Baiersdorf, um sinnbildlich den Winter vom Gebirg, wie die Effeltricher ihre bergige Heimatlandschaft nennen, hinunter in die Ebene des Regnitztales zu treiben. So ziehen sie durch die Straßen von Baiersdorf und treiben die Strohbären vor sich her. Die Bärentreiber „Alla Moschee" rufend, stellen lediglich eine schmückende Zutat dar, und sind vielleicht eine Abwandlung des eigentlichen Schalksnarren, der als fester Bestandteil der ganzen Festhandlung neben den altdeutschen Festzügen einherlief und das zuschauende Volk durch seine Späße unterhielt. Der Zug der Fosaleggen mit den Strohbären ging bis (1946) an das Ufer der Regnitz in Baiersdorf, um sich hier aufzulösen. Der Winter, (Strohbären) und hier das Stroh wurde in den Fluss geworfen um somit eben dem Winter den Garaus zu machen. Es ist das Symbol für die Vernichtung des Winters und seine den Naturgesetzen folgende Umwandlung in den Frühling, welcher dann im Freudenzuge in die Stadt zurückkehrte. In letzter Zeit wird der Winter, (im Hof des SV), d. h. das Stroh verbrannt. Während das Stroh verbrennt, tanzen die ,,weißen Fasleggen" mit ihren Mädchen einen Frühlingstanz um den in Asche zerfallenen, und somit vernichteten Winter.

Warum ziehen die Effeltricher nach Baiersdorf?

Der Winterdämon wird häufig ertränkt, oder ins Wasser geworfen (jetzt verbrannt). Effeltrich besitzt kein großes fließendes Wasser, während in Baiersdorf die Regnitz vorbeifließt. Die Fosaleggen zogen dann nach einem ausgiebigen Besuch der Baiersdorfer Wirtschaften in ihr Heimatdorf zurück. Hier nahm das Faschingstreiben seinen Fortgang in den Rockenstuben (Spinnstuben). Die Rockenstuben waren in Effeltrich der Ort der winterlichen Geselligkeiten. Es wurde zwar nicht mehr gesponnen, aber die allgemeine, gesellige Unterhaltung der Dorfjugend fand hier ihre Pflege, wobei viel überliefertes Volkslied- und Volkstanzgut lebendig wurde. Leider hat sich der Brauch ab 1950 nicht mehr gezeigt, denn die modernen Massenmedien und die Hast nahmen das „Urgemütliche”. Also ist am „Fosanochtsmontog” abends die letzte „Rockenstube” bis zum nächsten Jahr. Am Dienstag traten die weißen „Fosaleggen” nochmals in Erscheinung. In langen Reihen zogen die Burschen peitschenknallend durch die ganze Ortschaft. Wurden Mädchen gesichtet (und welches Mädchen ließ sich da nicht sehen...) ging es im Galopp hinter ihnen her und man trieb so die Mädchen vor sich her. Oft gab es für sie, gejagt von den peitschenknallenden Fosaleggen, ganze Strecken im Laufschritt zurückzulegen. In den Wirtschaften fanden dann „Jäger und Gejagte”, dazwischen immer wieder Zeit zum Ausruhen und zur Erholung bei einer (schon mehrere) Maß Bier. N.N.