Brauchtum in Affalterthal

Taufe, Konfirmation, Trauung, Beichte und Abendmahl, Tod und Begräbnis, Die 12 Nächte, Ostern, Brot backen, Samstagabend, Walpurgis, Fastnacht, Pfingsten, Advent, Thomastag, Neujahr, Sprüche.

Taufe

- Der erste Gang der Wöchnerin nach der Geburt führt in die Kirche; begleitet von einer anderen Person, am Liebsten von einer Nachbarin.

- Die Anmeldung für die Taufe erfolgt bei ehelichen Kindern durch den Vater, bei außerehelichen durch die Hebamme.

- Früher sagten die Eltern zu ihren Kindern, dass das Kind von der Hebamme gebracht wird. Es hieß: in Egloffstein sei ein Weiher der gehört der Herrschaft, der sog. Kaloweiher. Aus ihm habe die Hebamme das Kind herausgezogen. Die Mär vom Storch der das Kind bringt, wird hier nicht erzählt.

- Als erstes Geschenk für die Wöchnerin wird eine Suppe von den Nachbarn gegeben.

- Eine Wöchnerin darf nicht an ein fließendes Wasser, einen Brunnen oder eine Hüll gehen, sonst bleibt nach allgemeiner Überzeugung der Brunnen 6 Wochen lang aus.

- Die Taufe findet in der Regel 8 Tage nach der Geburt statt. Am Tag der Taufe darf kein offenes Grab im Friedhof sein, sonst muss das Kind bald sterben.

- Auch ist es der Brauch, dem Täufling ins Taufkissen hinein ein neues Testament zu legen; es darf aber niemand, am wenigsten der Pfarrer, etwas davon erfahren.

- Nach der Taufe findet ein „Taufschmaus” statt. In früherer Zeit das „Eierschmälzen” geheißen, wobei es oft „bös herging” und dieses deswegen von der Obrigkeit verboten wurde. Die Speisenfolge des Taufschmauses war „altem herkommen gemäß” immer die Gleiche: zuerst gab es Suppe, dann gekochtes, geräuchertes Fleisch mit Sauce, danach Braten mit Knödel und Sauerkraut und anschließend Kaffee und Backwerk.

- Den Angehörigen eines Hauses, in welchem ein Kind (oder ein Stück Vieh) geboren wurde, darf drei Tage lang nichts geliehen werden, weil sonst aus dem herleihenden Haus ein Mensch (oder Tier) sterben müsste.

- Zwei Kinder unter einem Jahr dürfen einander nicht anfassen, sonst können sie sich später nicht leiden.

Konfirmation

- Die Prüfung der Konfirmanten findet am Freitag vor dem Palmsonntag in der Kirche statt. Nur Eltern nehmen daran teil. Nach „altem Herkommen” wird die Orgel dazu nicht gespielt

- Früher gab es noch Abbitten: jedes Kind musste gegenüber dem Pfarrer den Spruch sagen: „Ich danke ihnen für den heilsamen Unterricht, den ich von ihnen empfangen habe und so ich sie etwas gekränkt oder beleidigt haben sollte, so bitte ich sie um Verzeihung”. Die Abbitte für den Paten erfolgt meist 8 Tage vor der Konfirmation und zwar schriftlich auf buntfarbig verzierten Bögen. Sie wurde dem Paten schön eingerahmt in Begleitung der Eltern überbracht.

Der Text der Abbitte (auch „Dudenspruch” genannt) lautete beispielsweise so:

„Viel geliebter Herr Taufpate und Frau Taufpatin!

Der Jahre 13 sind entschwunden, seid ihr mich dort am Taufaltar,

mit meinem Heiland habt verbunden, dem Lieb und Treue ich bewahr.

Ich dank euch für eure Güte, für eure Liebe allerwärts,

Und flehe, dass euch Gott behüte, vor Sorgen, Kummer, herben Schmerz.

Bitt auch, dass ihr mir wollt vergeben, was ich an euch gefehlet hab,

Des Glaubens Anker will ich legen, zum Kreuze hier auf Golgatha.

Denn wahres Glück und höchster Segen, strömt aus vom Quell der Lieb-Altar,

in diesem heiligen Bestreben, ich hier zum Tisch des Herren tret.

Und bitt, ihr wollt gen Himmel heben, mit mir den Blick zu dem Gebet,

Ihr seid ja meine Pat, so lang ich leb und bin.

So nehmet ihr den Spruch aus meinen Händen hin

Mit aller Hochachtung verbleibe ich euer dankbarer Pate.

Friedrich Steinbrecher – Hammerbühl – Ostern 1922”

- Es war der Brauch, dass die Paten den Knaben Hut und Gesangbuch, den Mädchen Gesangbuch und Schmuck zur Konfirmation schenkten.

Trauung

- In der Advents- und Passionszeit werden keine Hochzeiten gehalten und auch nicht, wenn ein offenes Grab am Friedhof ist. Montag, Mittwoch und Freitag gelten als Unglückstage; an diesen Tagen wird nicht geheiratet und auch keine neue (Dienstboten-) Stellung angetreten.

- Der Braut- oder Kammerwagen fährt in der Regel am Samstag ab. Beim Aufladen dürfen die Betten nicht geschlagen, sondern nur gezogen werden; sonst bekommt die Braut Schläge von ihrem Mann.

- Bei der Abfahrt wird dreimal angefahren; derjenige der den Wagen fährt darf während der Fahrt ncht mit der Peitsche knallen – sonst bekommt die Braut Schläge von ihrem Mann.

- Es wird darauf geachtet, dass die Patin mitfährt und während der Fahrt Küchla vom Wagen wirft. Früher wurde Brot ausgeworfen, in das Geld hinein gebacken war. Wer das aufhob, hatte Unglück.

- Beim Abladen des Brautwagens müssen als erstes die Bücher, besonders das Gebetbuch und die Bibel ins Haus getragen werden; danach muss der Bräutigam sofort den Kinderwagen ins Haus schieben.

- Braut und Bräutigam heben von den Küchlein des Brautwagens je eines auf. Dessen Küchla zuerst schimmelt, muss auch zuerst sterben.

- Bis ca. 1870 war es üblich, dass der Pfarrer im Chorrock die (unbescholtenen) Brautleute von zu Hause abholte und wieder heim geleitete.

- Die Brautleute dürfen nicht übers Kreuz zum Einsegnen zum Altar gehen

- Auch wird darauf geschaut auf wessen Seite während des Gottesdienstes die Kerze geflackert hat und unter welchem während des Stehens am altar der fußboden geschwitzt hat; der Betreffende muss zuerst sterben.

- Beim Ausgang aus der Kirche sind Seile gezogen, die Brautleute müssen sich durch Geldgaben „frei kaufen”.

- Kommen die Brautleute nach Hause werden ihnen zwei Gläser Bier gebracht; sie müssen noch vor der Haustüre miteinander anstoßen; wenn die Braut zuerst trinkt, hat sie die Hosen an und umgekehrt.

- Vor der Haustüre werden auch noch die Glückwünsche ausgesprochen, die Braut muss dann über den Rücken, Geld für die Kinder auswerfen. Das bringt Glück

- Nach dem Abendessen kommen die Geschenke. Vor die Brautleute wird ein Maßkrug und ein Teller gestellt. Die einzelnen Gäste treten vor. Geldgeschenke nimmt die Brautjungfer entgegen, dankt im Namen der Braut und versucht dem Geber beim Gehen die Hand auf den Tisch zu hauen. Das bringt Glück für die Eheleute.

- Die Brautführer versuchen derweil den Schuh der Braut zu stehlen, ohne dass es die Brautjungfern merken (sonst muss er ausgelöst werden) und die Brautjungfern stehlen den Hut des Bräutigams, den die Brautführer suchen und auslösen müssen.

- Später kommt die Köchin weinend mit einem alten, teilweise angebrannten Schurz (mitunter auch mit verbundenen Händen, als ob sie sich verbrannt hätte) und bittet um ein Trinkgeld, dass sie sich einen neuen Schurz kaufen kann. Eine andere trägt die Pfanne für sie, in die muss das Geld hineingelegt werden.

- Nachdem der Pfarrer abends die Hochzeitsgesellschaft verlassen hat, darf getanzt werden

Um Mitternacht wird der Braut der Kranz genommen und dem Bräutigam der Strauß.

- Wenn die Gäste heimgehen, bekommen sie einen „Hochzeitsschmauss” mit. Denn: „wer geschenkt hat, dem gehört auch was”.

Beichte und Abendmahl

- Es ist alte Sitte, dass jedes kommunionfähige Gemeindeglied im Jahr zweimal zum Abendmahl geht; im Frühjahr und im Herbst. Dabei gehen die Verheirateten nur am Freitag, die Ledigen an zwei Sonntagen zum Abendmahl. Letztere waren früher getrennt nach den Ortschaften Affalterthal und Bieberbach. Jetzt (1915) ist es an einem Sonntag für die Burschen, am anderen Sonntag für die Mädchen.

- Am Abendmahlsonntag dürfen die jungen Leute keine Tanzmusik besuchen.

Tot und Begräbnis

- Bei erwachsenen Leichen wird mit allen drei Glocken drei Minuten lang geläutet, bei Kinderleichen genauso lang aber nur mit den beiden kleinen Glocken.

- Der Sarg wird von 6 Männern aus der nächsten Verwandtschaft getragen, bei Ledigen von eben so vielen unverheirateten Burschen.

- Der Leichentrunk ist seit Pfarrer Reich abgeschafft und ebenso der Unfug, dass dem Pfarrer, Kantor und den Chorschülern am Trauerhause Bier gereicht wird.

- Ist ein Angehöriger gestorben, so lässt man die Uhr in Haus stehen und öffnet das Fenster, damit „die Seele ungehinderten Ausgang” hat.

- Ist der Hausherr gestorben so wird vielfach der „Tod angesagt”: die Bienenkörbe werden aufgedeckt oder geklopft, das Vieh in den Ställen wird aufgejagt – manchmal auch aufgebunden, das Korn auf dem Speicher wird umgeschaufelt, stellenweise auch die Möbel umgerückt, damit die Seele aus allem Besitztum vertrieben werde.

- War der Verstorbene ein Blumenfreund, sterben nach seinem Tode die Blumen ab, glaubte man.

- Beim Aufheben der Leiche vom Lager achtet man darauf, dass die Füße immer der Tür zugewandt bleiben.

- Noch um 1885 gab es in Affalterthal ein „Totenbrett” auf das man die Toten legte, bis sie in den Sarg kamen. Es wurde bei jedem Todesfall benutzt und bis zu einem neuen in dem Anwesen aufbewahrt, wo es zuletzt verwendet wurde.

- Auf Leiche und Leichenkleid dürfen keine Tränen fallen, die stören die Ruhe des Toten.

- Noch ab und zu werden den Toten die Nägel geschnitten

- Ist die Leiche im Sarg, so wird auf sie eine geöffnete Schere kreuzförmig gelegt, um die Hexen zu vertreiben; manchmal auch ein Gesangbuch.

- Stirbt ein Kinde mit der Mutter, wo wird es zu ihr in den Sarg gelegt

- Wird der Sarg aus der Stube getragen, setzt man ihn dreimal auf der Schwelle nieder.

- Bei auswärtigen Leichen muss der Leichenwagen dreimal anfahren.

- Das Wasser mit dem die „Seelenfrau” den Leichnam gewaschen hat wird zuerst versteckt. Dann wenn die Leiche aus dem Hause ist, wird es aus dem Fenster geschüttet, die Schale zerbrochen und die Scherben ebenfalls durch die Leichenfrau aus dem Fenster geworfen.

- Die Leiche des Selbstmörders, der seinerzeit im sog. „Erbesthal” verscharrt wurde, soll mündlicher Überlieferung nach, durch das Dach hinausgeschafft worden sein, damit er ja nicht wieder kommen könnte.

- Von demjenigen der Marksteine versetzt glaubt man, dass er keine Ruhe im Grabe finden könnte.

Die 12 Nächte

- Nicht waschen. Wer wäscht, hängt eine Haut auf, D.h. es geht in diesem Jahr ein Stück Vieh verloren oder es stirbt ein Mensch im Haus.

Ostern

- In der Osternacht den Garten teilweise umgraben und Samen säen.

Brot backen

Von fertig gebackenem Brot wird der letzte Laib zuerst heraus genommen und auch zuerst gegessen

Samstag Abend

- Am Samstag Abend, wenn gefegt ist, darf nicht mehr gesponnen oder gestrickt werden

Walpurgis

- Am Walburgiabend werden vor dem Gebet läuten die Hexen von der Jugend ausgetrieben. Alte Gießer und ähnliches werden unter furchtbarem Lärm durch die Dorfstraßen geschleppt.

Fastnacht

- Der Tag vor der Fastnacht (Galgenmontag) hat eine besondere Bedeutung....

- An der Fastnacht früh um 8 Uhr dreimal an das Scheunentor klopfen. Soweit der Schall vernehmbar ist, so weit kann der Fuchs nicht herankommen.

- Wer an Fastnacht zuletzt aufsteht heißt „Aschenbrödel” und muss den Spott der anderen tragen.

- An Fastnacht muss man „naus kehren”. Also den Dreck aus dem Haus zum Nachbargrundstück kehren, das hält Unheil ab.

An Fastnacht wurden auch die Stirnblätter der Kühe, samt Messingschild, gründlich geputzt und die „Kühstränge” auf Festigkeit und Unversehrtheit geprüft.

Pfingsten

- Wer an Pfingsten zuletzt aufsteht heißt „Pfingstlümmel” und muss den Spott der anderen tragen

Advent

- Tanzmusik und Hochzeiten unterbleiben. Hie und da werden Zweige ins Wasser gesteckt, damit sie an Weihnachten blühen

Thomastag

- Am Thomastag (8 Tage vor Weihnachten) geht abends der „Thoma” um. Er ist gekleidet wie der Pelzmärtel und tut das Gleiche, das der Nikolaus heute tut.

Neujahr

- An Neujahr kommen die Knaben mit einem Birkenwedel zum Haus streichen damit um die Beine und bitten um eine Gabe mit den Worten: „Schmeckt der Pfeffer gut....

- Neujahr-Spruch:

Wünsch a gsundes neus Joor, gimmer ner gleich mei Woor.

Ko net lang steh’, muss glei weider geh.

Sprüche

Affalterthal und Bieberbach, die sind einander gleich.

Hat einer ein Häuflein Gäns, so meint er er ist reich.

Afftertool und Bierboch, des liggt a wenig im Teich,

und wenns a Hertla Henner hamm, so manens, die senn Reich.

Wörschtfohrer-Spruch

Wir bitten Herrn .... und seine Frau, um die Hälfte von der Sau.

Den Sausoog und seine Brüder und wenn ihr das nächste Mal schlacht,

dann kommen wir wieder.