Bericht des Naturausschussvorsitzenden für 2011
2011 jährte sich zum 110. Mal der Geburtstag des Fränkische Schweiz Vereins (FSV).
Geburtstag ist wohl ohne Frage der schönste aller Jubeltage.
Gab es denn auch Gründe zum Jubeln?
Ich denke schon, haben doch der Naturschutz, also die Heimatpflege und die Erhaltung der Naturschönheiten einen selten aktuellen Stand und neuerliche Akzeptanz in der Bevölkerung gefunden.
Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts werden die Ziele des Deutschen Wanderverbande auf den „Schutz der Naturschönheiten“ und die „Förderung der Kenntnis der deutschen Landschaft und in naturwissenschaftlicher und volkskundlicher Hinsicht durch wissenschaftliche Erforschung und volkstümliche Belehrung“ ausgedehnt. Bereits 1908 wurden Themen wie Haftpflichtversicherung, einheitliche Wegebezeichnungen oder die Jugendarbeit im Deutschen Wanderverbande diskutiert.
Eine wesentliche Aufgabe der Wandervereine zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Verbesserung der Wanderinfrastruktur. So auch im FSV, meldet doch der Wiesentbote am 7.5.1903 „Die vom Vereine beschlossene einheitliche Wegmarkierung zunächst der beiden Hauptverkehrslinien Nord-Süd und Ost-West, nämlich einerseits Hollfeld - Waischenfeld - Gößweinstein - Betzenstein - Simmelsdorf und andererseits Ebermannstadt - Streitberg - Muggendorf - Behringersmühle - Pottenstein - Pegnitz wurde in Angriff genommen und teilweise bereits durchgeführt." Diese und weitere Arbeiten wurden durch den 1. Weltkrieg unterbrochen.
Sei’s drum, wir sind im 21. Jahrhundert angekommen und der Besucher der fränkischen Schweiz ahnt um die Schätze welche uns die Natur gegeben hat. Was sich nicht zuletzt in den steigenden Besucherzahlen unserer Region zeigt. Ist doch Franken in Bayern ganz weit oben und kann den größten Zuwachs von Übernachtungen (6%) landesweit aufweisen.
Auch in einer Studie des Deutschen Wanderverbandes steht das Wandern an erster Stelle der Freizeitaktivitäten. So ermöglicht Wandern ein aktives Naturerlebnis, schafft Bewegung und die Möglichkeit der Regeneration, zudem ist es der Pflege von sozialen Kontakten dienlich.
„Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!“ John F. Kennedy
Und es wird was getan! Höhlenkundler erforschen bereits seit 1774 unsere Heimat und lassen nicht locker um den Geheimnisen der Wasserwege auf den Grund zugehen (siehe letzte Ausgabe unserer Vereinszeitschrift). Unsere Ortsgruppen haben unsere fränkische Heimat seit 1901 mit eine Netz von über 300 Wanderwegen und 560 Markierungsabschnitten durchwoben und das alles auf einer Gesamtlänge von 4.700 km Wegführung. 2011 haben die Wegewarte und Ihre Helfer ein Wegenetz von 3.854,80 km Wanderwegen gehegt und gepflegt. Wahrscheinlich waren es wesentlich mehr, leider wurden diese aber nicht, oder nicht rechtzeitig, dem Hauptverein gemeldet.
Ich darf an dieser Stelle meinen Vorgänger Edgar Rother zitieren:
„In der Markierungsarbeit an den Wanderwegen gibt es Licht, Schatten und auch absolute Dunkelheit.“
Leider muss ich diesem zustimmen. 2011 haben nur 32 von 45 Ortsgruppen Wegpflege angemeldet und somit konnten auch nur besagte 3.854,80 km Wanderwegepflege mit der Regierung abgerechnet werden.
Während die meisten der 13 Gebietsvereine in Bayern ihre Wanderwege jährlich korrekt pflegen, wurden vom Fränkischen-Schweiz-Verein in den Jahren 2010 nur 55% und 2011 82% des gesamten Wegenetzes von 4.710 km als gepflegt gemeldet.
Die Steigerung der gemeldeten und abgerechneten Wege Kilometer ist sicherlich ein Verdienst der nicht genug zu würdigenden Arbeit der Wegewarte und bestimmt auch von Edgar Rother, der unermüdlich auf eine korrekte Pflege und Abrechnung hingearbeitet hat.
Es wäre wünschenswert, wenn wir 2012 diese Kilometerleistung halten, bzw. unsere Qualitätsansprüche sichern und vereinheitlichen könnten, wie es unsere Aufgabe ist. Und rechnen dann auch noch diejenigen, denen dieses bis weilen zu “bürokratisch“ erschien, ihre geleistete Arbeit ab, ist diese zum Wohle aller und der fränkischen Schweiz im Besonderen.
2012, was steht an?
Ich bin nun ziemlich genau ein Jahr Hauptwegewart des FSV und ich sehe vieles realistischer als zum Beginn meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Hauptwegewart.
Wie heißt es so schön „ nicht resigniert nur reichlich desillusioniert“. Ja es gibt viel zu tun. Der regierende Bürgermeister von Berlin würde hinzufügen „und das ist gut so“. Ja und da hat er Recht.
Ein modernes, einheitliches Wanderleitsystem für die Fränkische Schweiz
Spötter fragen sich: „für die ganze Fränkische?“ Dieses Vision braucht kein Traum zu bleiben. Tatsächlich hat auch der Gebietsausschuss auf kommunaler Ebene ähnliches befürwortet, um mit der bisherigen “Kleinkrämerei“ der einzelnen Landkreise und Gemeinden aufzuräumen und so der Schaffung eines einheitlichen Wanderleitsystems, welches sich flächendeckend über die gesamte Fränkische Schweiz legen lässt, hinzuwirken.
Um jedoch diesen Entschluss des Gebietsausschusses nachhaltig umzusetzen bedarf es einer überregionalen, gesamtheitlichen Koordination und Kontrolle. Nur so kann verhindert werden, dass erneut Insellösungen entstehen (Pegnitz, Pottenstein, Bayreuth).
So hat bspw. das Trubachtal bereits 2010 alle Wege mit neuen Markierungen versehen. 2011 wurden GPS-Routen für die Wanderwege um Forchheim auf den Seiten des “Kulturerlebnis Fränkische Schweiz“ ins Netz gestellt.
Und gerade beginnt in Gößweinstein eine groß angelegte Neuordnung der Wanderwege, in die auch die umliegenden Kommunen und FSV-Ortsgruppen mit einbezogen sind. All diese positiven Impulse bleiben jedoch immer kommunaler Natur und werden weder in einen größeren Rahmen miteinander verknüpft, noch haben sie gemeinsame Qualitätsstandards oder Zielvorgaben.
Die Aufgabe, einen solchen Rahmen aus den verschiedenen Interessen zu schaffen, zu definieren und bei seiner Umsetzung mit Know-how und tatkräftiger Unterstützung mitzuwirken, kann nur durch eine überregionale wirkende, koordinierende Kraft bewältigt werden.
Diese Koordinierungsstelle muss sinnvoll in das bestehende Muster aus politischen, kommunalen und regionalen Interessen eingebunden werden. Hier bietet sich an diese Stelle beim FSV einzurichten – da dieserart Vertretungs- und Umsetzungsarbeit eine der klassischen Aufgaben des Fränkischen-Schweiz–Vereins ist.
Ein entsprechender Projektvorschlag wurde bereits dem Vorsitzenden des Gebietsausschusses und Beirat des FSV Herrn Landrat Glauber vorgelegt
Ziele sind:
- Qualitätsverbesserung/sicherung der Wanderwege und Wandermarkierungen
- Satellitengestützte digitale Erfassung und Bereitstellung der Wanderwege
- Schaffung einer Wegemeisterei im FSV
- Nachhaltige Vereinheitlichung der fränkischen Wanderwege/Leitsystem
Dem Fränkische Schweiz Verein bietet sich somit die einmalige Chance, sein gesamtes Wegenetz in Zusammenarbeit mit den kommunalen Bauhöfen und einer finanziellen Unterstützung durch Landkreise und Gemeinden, auf einen aktuellen und qualitativ hochwertigen Standard zu bringen.
Für alle Besucher verfügbare GPS-Routen der Wanderwege, grenzübergreifende, verständliche, einheitliche Markierungen, überregional zusammenpassende Wanderübersichten – kurz – ein rundum schönes Wandererlebnis. Die positive Wirkung auf Attraktivität, Touristenfreundlichkeit und Wiederbesuchswert des Wandergebietes Fränkische Schweiz bleibt wohl unübersehbar.
Christoph Happe-Wagner
Hauptwegewart des Fränkische-Schweiz-Verein e.V.