Rudolf Löw

Kulturpreis 2009 für Herrn Rudolf Löw aus Unterleinleiter

Verleihung am 26. Juni 2009 in der Oertel - Scheune zu Heiligenstadt i. OFr. -

Verehrte Ehrengäste, liebe Heimatfreundinnen, liebe Heimatfreunde!

Mit meinem nachfolgenden Beitrag möchte die einzigartige Gelegenheit dazu nutzen, Ihnen unseren Kulturpreisträger des Jahres 2009 zu präsentieren. Traditionell ehrt der Fränkische - Schweiz - Verein mit seinem Kulturpreis laut Festlegung vom 15. Mai 1975 - immer wieder Persönlichkeiten, die "sich uneigennützig und schöpferisch auf dem Gebiet der Förderung der Kultur der ganzen Fränkischen Schweiz im Sinne des § 2 der Satzung des Vereins hervorragend bewährt haben".

Mit unserem diesjährigen Kulturpreis  wollen wir heute einen Mann ehren, der in einer solchen Runde daheim ist und noch dazu ein Mann von ganz besonderer Qualität ist, nämlich Herrn Rudolf Löw aus Unterleinleiter. Der Hauptvorstand des Fränkische - Schweiz - Vereins hat diese Ehrung einstimmig beschlossen und mich gebeten die Laudatio zu halten.

Ich möchte gleich vorneweg freimütig gestehen, auf Grund dieser besonderen Qualitäten ist  unser  diesjähriger Kulturpreisträger nicht so ganz einfach vorzustellen.

- Dazu trägt einmal bei, dass er einer der Senioren  unter uns Mundartdichtern ist und somit auf einen sehr langen Lebens- und Schaffensweg zurückblicken kann.

- Dazu trägt aber zum Anderen auch die Tatsache bei, dass es Herrn Rudolf Löw mittlerweile - wie er mir gesagt hat -  gar nicht mehr so recht ist, wenn  man  von ihm spricht...oder ihn gar in den Mittelpunkt stellt. Inzwischen ist ihm nämlich als "Bühne" der kleine, gemütliche  Freundeskreis in seiner heimatlichen behaglichen Stube, am Ecktisch mit der Bank herum  viel, viel lieber.

Aber leider lassen sich halt nicht alle Wünsche immerzu erfüllen. - Ich bitte Sie daher, Herr Löw, um Nachsicht, wenn ich mich nachfolgend  nicht an Ihre Bedenken halte:  Bei der Vorbereitung einer solchen Laudatio erinnere ich mich gerne an das Wort von Johann Wolfgang von Goethe, der einmal ganz richtig sagte:  "Wer den Dichter will verstehn,   muss in Dichters Lande gehn."

Dabei habe ich unter anderem gelernt, dass ich mich hier, um den Rahmen dieser Veranstaltung nicht allzu sehr zu sprengen, angesichts der Fülle des eigentlich zu behandelnden Werkes sehr knapp fassen muss. Und so versteht es sich von selbst, dass von dem  reichen  Schaffen von Herrn Löw hier nur einen kleinen Teil erfassen kann. Um Ihnen hier des Dichters Lande zu vermitteln, muss ich mit meinem Hausbesuch beginnen:

Wenn man unseren diesjährigen Kulturpreisträger zuhause in Unterleinleiter, Hauptstraße 1 aufsucht, glaubt man gleich in eine besondere Welt einzudringen:  Der ehemalige alte Bauernhof, etwas abgeschieden, am südlichen Rande des Dorfes, geradezu als natürlicher Übergang zu den angrenzenden Feldern.

Geht man hintenherum vorbei am penibel ordentlichen Holzlager neben der Scheune, liegt links ein idyllisches windgeschütztes, überdachtes  Ruheplätzchen... Man möchte sich gleich selbst niederlassen und über jetzige und vergangene Zeiten nachsinieren...und über die Gegenwart zu philosophieren.

Dann  passiert man durch den typisch fränkischen, über und über bunten  Bauerngarten, betritt das gediegen anmutende Haus selbst und kommt in die Wohn-Küche, also in das Innere des ganz persönlichen, kleinen Reiches unseres Kulturpreisträgers...

Ich hatte das Glück von hier aus in die gute Stube zu gelangen, wo sich früher das Leben abspielte, wo - wie er mir verriet - die Ferkel herumliefen, die Mutter im Wochenbett lag und der Vater erste Kochversuche unternahm... Diese Stube hat ihn später zu dem Gedicht "Herrenzimmer",  wie er mir sagte, angeregt.

Ja, überhaupt spielt im Leben von Herrn Rudolf Löw sehr vielerlei zusammen, teils geplant, teils auch vom Zufall so angerührt. Das beginnt schon mit der Geburt: Er erblickt im "ominösen" (wie mal jemand sagte) Jahr 1929, am 9. Mai,  in der elterlichen Landwirtsfamilie  in Unterleinleiter", in "Lader" wie es richtig heißt, das Licht der Welt.

Er war der erste Bub in der Familie - und somit war klar, dass er später den Landwirtschaftsbetrieb mit seine 12 ha weiterführen sollte.  Als er da ankam, waren schon zwei Schwestern da. Sein Bruder Ernst folgte erst später. Sein Geburtsjahr verhindert, dass er noch in den Krieg einziehen, obwohl er erste militärische Ausbildungen erhielt.

Sein Beruf Landwirt:

Da er alles,  was er machte, auf solider Grundlagen macht, beginnt er die  Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister. (Nur am Rande sei angemerkt, dass ihn sein landwirtschaftliches Interesse diverse Male auch ins Ausland führte: Er war in Israel 3mal in Jerusalem, arbeitete vier Wochen  im  Kibbuz Besuchte Ägypten -  den Assuan-Staudamm und Abu Simbel Und war in Kanada unterwegs  -  und spürte die Wasser der Niagara-Fälle.)

Alles dies hatte wohl mehr oder weniger noch mit der Landwirtschaft zu tun. Die Landwirtschaft und das bäuerliche Leben betreibt er- bis zu deren Auflösung - mit höchster Aufmerksamkeit. Er beobachtet die natürlichen Abläufe...das Kommen und Wachsen, das Gedeihen und Vergehen...

Da der Vater von Herrn Rudolf Löw  ganz plötzlich am 26. Mai 1945 auf Grund einer spontanen Entscheidung der amerikanischen Besatzung - "vom Kuhgespann herunter" - Bürgermeister in Unterleinleiter wurde, ...sieht man sich in der Familie Löw veranlasst, sich zu engagieren - es muss ja weitergehen. Die Zeit verlangt nach dem schier unermesslichen Chaos  in fast allen Bereichen - sei es in Politik, sozialem Engagement, Kirchenleben, Kultur etc.  - nach Orientierung, Neuausrichtung, Neuordnung. Aufbruch war notwendig, die Fenster mussten wieder geöffnet werden...

Und damit wird Rudolf Löw einer der Träger der Aufbauzeit nach dem großen Krieg...

und wir kommen hier - nolens volens/unwillkürlich -  in die Jahre nach dem 2. Weltkrieg und zu den Persönlichkeiten, die uns im Zusammenhang mit unserem diesjährigen FSV - Jahresmotto und ganz besonders am diesjährigen "22. Heimattag der Fränkischen Schweiz" in Heiligenstadt so interessieren.

(Der Vater von Herrn Löw bleibt  dann - nur am Rande bemerkt - 20 Jahre Bürgermeister ...   bis 1966....und seine Amtsstube war im Raum neben dem "Herrenzimer".)

Aus der Fülle seiner Neigungen:

Herr Rudolf Löw übernahm nun also die Landwirtschaft, doch die Feld- und Stallarbeit war für ihn,  seine Eltern und Geschwister: Auf dem Hof der Löws wurde nicht nur hart in der Landwirtschaft gearbeitet - hier wuchsen auch musische Neigungen. Schon als Bub hatte Rudolf Löw beim Kühe - Hüten gerne ein Buch dabei: Als bevorzugte Autoren nennt er Annette von Droste-Hülshoff...oder Wolfgang von Goethe...und hier insbesondere " Hermann und Dorothea".

Er las und lernte auswendig...Er entdeckte, das Auswendiglernen der Texte fiel ihm leicht. Und er schulte  hierdurch in ganz besonderer Weise sein Gedächtnis (Eine Lernerfahrung, die die Schulpädagogik - wie ich aus eigener Erfahrung weiß - noch in den 70er und 8oer Jahren des vorigen Jahrhunderts weitgehend übersehen hatte.) . Stundenlang könnte er - so sagt Herr Löw - heute noch Gedichte aufsagen.

Sprachforschung:

Daneben sammelte er schon früh alte, vom Vergessen bedrohte Bezeichnungen aus dem Bereich der Landwirtschaft und des Dorflebens.

Daneben wurde  im Hause Löw auch eifrig musiziert:

In den Wintern 1943/44 und 44/45 besuchte Herr Rudolf Löw die Winterkurse zur Organisten-Ausbildung in Erlangen. Den erforderlichen Unterricht bekam er bei Prof. Dr. Heinrich Weber. Auf Grund dieser Schulung absolvierte er 1945 die ordentliche Organistenprüfung (C-Prüfung).

Im gleichen Jahr noch, am 1. April,  setzte ihn  seine Schwester Kunigunde auf die Orgelbank der evangelischen Kirche am Schlossberg zu Unterleinleiter. Sie brauchte einen Nachfolger, da sie wegziehen wollte. So spielt Herr Löw offiziell seit 1. April 1945 ohne Unterbrechung die Orgel. (Heute ist er der älteste noch immer praktizierende Organist im Dekanat Muggendorf - Forchheim.)

Daneben  entstand der heimische Kirchenchor: Die ersten Chorproben fanden in der Löwschen Wohnstube statt. Unter Herrn Löws Leitung erklangen auch die ersten Töne des Posaunenchores von Unterleinleiter.  Die Musik ist bis heute eines seiner liebsten Steckenpferde:

Rudolf Löw ist bis heute einer der interessiertesten und oft gesehenen Konzertbesucher in unserer "Fränkischen". Es ist unglaublich, bei welchen Veranstaltungen alles man mit ihm "rechnen" muss.

4) Schreiben und Spielen: Daneben  pflegte Herr Löw seine große Liebe zum literarischen Wort weiter.

Ob nun das Theaterspiel oder das eigenhändige Schreiben zuerst war, sei dahingestellt.

Da die damals bevorzugten Textvorlagen für die seinerzeitige Theatergruppe in Unterleinleiter in Hochdeutsch waren, fiel fast natürlich ihm  die Aufgabe zu, diese Texte in Mundart umzusetzen.

Da ihm von dieser Übertragungsarbeit die jeweiligen Stücke bestens  vertraut waren, fiel ihm immer wieder fast von selbst auch die Pflicht zu, auch die Hauptrolle im Spiel zu übernehmen.

5) Und von hier aus war es ein kleiner Schritt, erste eigene Texte zu gestalten:

Besonders  bei festlichen Anlässen war seine Kunst gefragt... Land auf, Land ab hieß es: "Dem Rudi fälld scho wos ei!" Erste Anlässe für solche Dichtungen waren zunächst Geburtstage, Familienfeiern...

Und im Laufe der Zeit wuchs die Zahl der Anlässe sehr schnell: Erntedank, Weihnachten...in privaten, in öffentlichen Gremien...

Die Stoffe für diese Dichtungen schöpfte Herr Löw - ganz selbstverständlich -  aus dem großen Fundus des unmittelbaren Beobachtens und Erlebens  im und um das Elternhaus...im Dorf oder um das Dorf ...

Außenstehende/auch viele Lehrer maßen damals der Mundart (leider) keinen hohen Rang zu...

Dabei übersahen sie aber, dass gerade die Verwendung der Mundart dem Autor eine ganz spezifische Sicht- und damit Schreibweise aufzwingt: ...Alles muss  lebendig-plastisch, unmittelbar-vital...oder , wie man heute sagt,  authentisch sein...Und jeder Zuhörer, der selbst vom Land kommt, kann mit seinem praktischen Vermögen überprüfen, ob der Autor auch ehrlich der Wahrheit verpflichtet ist.

Das Buch "Das Herrenzimmer" in der Schriftenreihe des Fränkische - Schweiz - Vereins bringt viele herausragende Beispiele für die Art, wie Herr Löw gerne schreibt. Besonders gefragt ist hieraus der Text, der dem Buch den Titel gegeben hat...

Und einige Kostproben werden wir ja selbst anschließend noch zu hören bekommen.

6) Natürlich schaut man sich dann um, ob man nicht geeignete Vorbilder finden kann:

Und ganz wie von selbst landete man damals beim "Haanzlesgörch", also bei Hans Morper,  aus Bamberg. Als geselliger Mensch knüpfte Herr Löw auch viele weitere Kontakte:

Zu seinen Vorbildern gediehen  Joseph Nüsslein...und Erich Arneth...um nur einige zu nennen.

7) Doch eines muss noch hervorgehoben werden: von ganz eigener Art ist der Vortrag:

Mundartvorträge von Rudolf Löw sind ein ganz besonderer Genuss: Meist trägt er nämlich alles auswendig vor. Der unmittelbare Vortrag ohne Blatt in der Hand  versetzt ihn immer wieder in die Rolle des Theaterspielers. Hier sieht er die Möglichkeit, das Wort voll wirken zu lassen...So mancher Vortrag erinnert daher an ein wahres Richard - Wagnersches "Furiosum".

Diese fulminante Mischung ist es, weshalb Herr  Rudolf Löw bis zum heutigen Tag bei Mundartveranstaltungen immer wieder ein sehr gern gesehener Mitwirkender ist.

8) Damit ist aber das vielfältige Wirken von Her Rudolf Löw noch längst nicht erfasst.

Ich will dies zu stichwortartig anfügen:

a) - Eine weitere von ihm gepflegte Form des Schreibens war die für diverse Zeitungen:

Journalistisches Schreiben lebt von der Genauigkeit und logischen Folgerichtigkeit. Der Berichterstatter muss genau beobachten, alles erfassen, Wichtiges und Unwichtiges trennen und einen leserfreundlichen Text erstellen.

Weiteres ehrenamtliches Engagement brachte  er

b) - außer in der schon angesprochenen Musikpflege- in der Evangelischen Kirche ein.

Lange Jahre wirkte er als Dekanatsrat.

c) -  Auch in der Politik vertrat er den Standpunkt, dass  die Demokratie aktive Mitarbeiter brauche.

Die Grundlage hierfür war das Vorbild des Vaters, der ja als  Bürgermeister amtierte. So ließ sich Herr Löw sowohl im Kreistag des alten Landkreis Ebermannstadt als auch in  Kreistag des neuen Landkreises Forchheim wählen.

(Siehe Bruder Ernst- auch hier das Mehrfachengagement: Schulmeister/Schulleiter - Bürgermeister in der Nachfolge seines Vaters - Chorleiter...)

Solch ein  enorm weites und vielseitiges kulturelles Wirken - nicht nur für den Ort, sondern für die gesamte Fränkische Schweiz - verdient mit vollem Recht den Kulturpreis, eine nur selten - immerhin seit 2004 nicht mehr - vergebene Auszeichnung des Fränkische - Schweiz - Vereins.

Herr Rudolf Löw ist mit seinem weitverzweigten kulturellen Lebenswerk für uns alle ein wohl nie mehr zu erreichendes Vorbild:

Grundlage hierfür ist seine unverfälschte Bodenständigkeit, aus ihr nährt sich sein künstlerische Einfühlungsvermögen und seine intensive Erlebenskraft . Mit großem sprachlichem Gespür und Geschick bringt er seine Gedanken zu Papier. Dies nicht nur gelegentlich, sondern mit einer bewundernswerten Ausdauer.

Seine hoch ausgeprägte Selbstdisziplin schließlich ist die Basis dafür, dass er alles, was er tut, mit Gründlichkeit und wohlüberlegt angeht und auch seine Vorhaben zu einem sehr guten, ja fast möchte man sagen perfekten Ende bringt. Seine Begeisterung für das Geschaffene schließlich spüren wir Zuhörer alle, wenn Herr Rudolf Löw seine Kunst zu unserem großen Gefallen zu Gehör bringt.

Daher haben wir heuer und heute Anlass zu einer doppelten Gratulation

zunächst zum noch nicht lange zurückliegenden 80. Geburtstag. Dann gratulieren wir natürlich nicht minder herzlich zur Verleihung des  Kulturpreises  2009 des Fränkische - Schweiz - Vereins.

Und so verbleibt mir zum Schluss nur noch,  meine/unsere Wünsche auszudrücken:

Wir - und ich denke ich spreche im Namen aller hier Anwesenden - wünschen ihm noch lange eine produktive Schaffenskraft......und uns allen noch viele schöne Veranstaltungen mit Rudolf Löw als literarisches Erlebnis.

Ich hoffe, ich habe es insgesamt nicht allzu lang gemacht...

...und der neue Kulturpreisträger ist mit der von mir in kurzen und in Vielem unvollständigen Zügen angelegten Skizze wenigstens einigermaßen einverstanden.

(Walter Tausendpfund)