Der Fränkische Schweiz - Verein stellt sich vor
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2011 jährt sich zum 110. Mal der Geburtstag des Fränkische Schweiz- Verein (FSV). 1901 von einem Arzt und von einem Pfarrer ins Leben gerufen, weshalb die Vereinschronistin Lilly Schottky vermutete, dass die „Sorge um den Menschen" beide Gründungsväter angetrieben hat, diesen Schritt zu tun.
Pfarrer Johannes Tremel aus Volsbach hatte die Initiative ergriffen und am 19. August 1901, während der Amtseinsetzung des neuen Pegnitzer Bezirksamtmanns Arnold Brinz, dazu aufgerufen einen Verein für die Fränkische Schweiz zu gründen. Brinz und andere Honoratioren waren begeistert von der Idee. Schon kurz darauf rief Tremel, mit einer Anzeige im „Wiesentboten" dazu auf, „am Sonntag, den 29. September nachmittags vier Uhr zu einer Besprechung in die Schüttersmühle (Bild oben, aus 1901) zu kommen, um die Festsetzung der Statuten und die Wahl der Vorstandschaft durchzuführen". Mit der Anrede an „Die sehr verehrlichen Mitglieder sowie Freunde und Gönner des Fränkische Schweiz- Vereines" wollte er möglicherweise den Eindruck erwecken, den Verein gäbe es schon, so dass es eine Ehre sei, dabei mitzuwirken. Möglich wäre auch, er nahm die in Pegnitz gemachten Mitgliedszusagen vieler Honoratioren ernst und betrachtet sie schon als „Mitglieder", obwohl der Verein bei Veröffentlichung des Inserates ja noch gar nicht gegründet worden war.
Im Nachhinein betrachtet sicherlich ein guter Schachzug, den mittlerweile (2011) verfügt der FSV in den Landkreisen Forchheim, Bayreuth, Bamberg und Kulmbach über mehr als 6500 Mitglieder in 45 Ortsgruppen. 48 Städte, Märkte und Gemeinden sowie die vier Landkreise unterstützen als kooperative Mitglieder die Arbeit des FSV. 15 Arbeitskreise kümmern sich um die kulturelle Entwicklung. Die Hauptaufgaben des Vereins: Betreuung und Pflege der Volksmusik, Herausgabe heimatkundlicher Schriften (bisher 37 an der Zahl), die Pflege von 4600 Kilometer Wanderwegen mit der Organisation geführter Wanderungen. Dazu kommt die Schmuckziegelaktion für Fränkisches Bauen, der Unterhalt einer heimatkundlichen Bücherei mit derzeit rund 14 000 Einheiten; die Trachtenpflege ist ein weiteres wichtiges Thema und der Unterhalt einer Bildstelle mit derzeit 12 000 Dias ebenso. Außerdem unterhält der Verein die Arbeitskreise Höhle und Karst, Naturschutz, Mundartpflege, Jugendarbeit und die Volkstumspflegestelle (Kreativzentrum) in Morschreuth.
Dr. August Deppisch aus Pottenstein wurde in dieser denkwürdigen Gründungsversammlung zum ersten Vereinsvorsitzenden gewählt, Pfarrer Tremel übernahm das Amt des Schriftführers. Ein Blick in die Namensliste der Vorstandsriege zeigt, dass schon damals die Verantwortlichen aus allen Ecken der Region stammten und somit auch den regionalen Anspruch des Vereins durchsetzen konnten. Der Kassier, Bezirksgeometer Schlemmer stammte ebenfalls aus Pottenstein. Beisitzer Schindhelm war aus Weidach, Notar Gabler aus Pegnitz, Dr. Werner aus Betzenstein, Dr. Müller aus Waischenfeld, Pfarrer Nüsslein aus Wichsenstein und Lehrer Kotschenreuther wieder aus Pottenstein. Eine elitäre Truppe die auch genug Einfluss auf die Bevölkerung ausübte, um den Verein zu beleben. Unter der „Herrschaft" des Nachfolgers von Deppisch (als Arzt wie als FSV-Vorstand), Dr. Adolf Schauwienold baute der Verein beispielsweise die erste Badeanstalt der Region in Muggendorf. Bis 1908, so vermerkt die Chronisten Schottky hatte der FSV schon 600 Mitglieder, sogar in Nürnberg, Bamberg, Erlangen und Bayreuth gründeten sich Ortsgruppen. Nachdem die Wahl so erfolgreich verlief, trafen sich die Vorstände schon am nächsten Tag (1. Oktober) in Pottenstein, um die Vereinszwecke festzulegen. Der Wiesentbote berichtete am 2. Oktober, dass es sich „der Verein zur Aufgabe macht, die Fränkische Schweiz zu verschönern, den Fremdenverkehr zu heben, neue Wege zu schaffen, die Errichtung von Aussichtspunkten, die Erhaltung historischer Denkmäler, die Erforschung der Region in topografischer und geologischer Hinsicht und die Veröffentlichung literarischer Arbeiten" voranzutreiben. Die Statuten, so der Wiesentboten abschließend, wurden „unter Zugrundelegung der Satzungen des Fichtelgebirgs- und des Steigerwaldvereins" entworfen.
Von 1933 bis Kriegsende musste der Verein wegen der "Gleichschaltung" ruhen, da die Mitglieder mit den Ideen des Naziregimes nicht einverstanden waren. Am 5. Juli 1947 wurde der Fränkische Schweiz - Verein zu neuem Leben erweckt. FSV- Ortsgruppen wurden neu gegründet, Arbeitskreise ins Leben gerufen, neue Aufgaben in den Vordergrund gestellt. Die Zeiten änderten sich und die Menschen auch.
Reinhard Löwisch