Die Herbstversammlung im Oktober 2011 im Gasthof Zum Püttlachtal in Tüchersfeld.

Die Begrüßung der anwesenden Gäste hatte der Sitzungsleiter, erster Hauptvorsitzender Paul Pöhlmann zügig durchgeführt. Besonders freute ihn, dass die Tüchersfelder Blasmusik unter Leitung von Mario Spätling zuerst vor dem Gasthaus und dann in der Wirtsstube einige bekannte Volkslieder spielte. Er begrüßte besonders den stellvertretenden Landrat und Bgm. Georg Lang, Bgm. Franz-Josef Kraus aus Ebermannstadt, den gastgebenden Bürgermeister Stefan Frühbeißer aus Pottenstein und die beiden neuen Ortsgruppenvorsitzenden Kathrin Schürr (Forchheim) und Kerstin Edelmann aus Drosendorf. Ein großes Lob zollte Pöhlmann Erwin Sebald von der OG Tüchersfeld, der die Sitzung vorbildlich organisiert hatte.

Bgm. Stefan Frühbeißer lobte das ehrenamtliche Engagement des FSV mit seinen Ortsgruppen „zum Erhalt und zur Förderung des Heimat- und Kulturbewusstseins“.  In Zusammenarbeit mit den Gemeinden entsteht daraus eine Verbesserung der Lebensqualität, die nicht nur dem Einheimischen, sondern auch dem Urlauber von Nutzen ist. Den demografischen Wandel betrachtet er als „Herausforderung für jede Gemeinde“. Um dem künftigen „Personalmangel“ entgegenzutreten, bedarf es einer „viel engeren Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Vereinen als bisher“. Dabei spielt die Landschaft der Fränkischen Schweiz mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, wo sich Neubürger, die in den Ballungsräumen arbeiten, niederlassen.

Erwin Sebald, Leiter der OG Tüchersfeld hub in die gleiche Kerbe. Er lobte Tüchersfeld als „einzigartigen Ort“, der es mit seinem pittoresken Aussehen zu Ruhm und Ansehen gebracht hat. So gehört Tüchersfeld seit der Zeitschrift Gong-Ausgabe vom September diesen Jahres „zu den 50 schönsten Plätzen Deutschlands“. Mit der Gründung der OG Püttlachtal am 29.9.1956 begann die Erschließung dieses Gebiets für den Fremdenverkehr. Sebald versprach, dass sich die Ortsgruppe auch weiterhin für den Erhalt des „Kleinodes und Juwels Tüchersfeld“ einsetzen wird. Anschließend berichtete Erika Strigl davon, dass die alte Morschreuther Schule, langjähriges Heim der Malschule aus Sicherheitsgründen nicht mehr beteten werden darf und die Kreativwerkstatt nunmehr im örtlichen Feuerwehrhaus eine kurzfristige Bleibe gefunden hat. Dort werden auch die Kurse 2012 abgehalten. Sie gab weiter bekannt, dass nun, nachdem die bisherige Leiterin Sikorski aus beruflichen Gründen von ihrem Ehrenamt als Leiterin der Schule zurück getreten ist, sie diesen Part mit übernehmen musste, was zusätzliche Belastung mit sich brachte.

Walter Tausendpfund berichtete in seinem Rückblick unter anderem vom diesjährigen Jahresmotto „110 Jahre FSV“, das „leider nicht den gewünschten Erfolg beim Jugendwettbewerb brachte“. Einzig die Schule in Hiltpoltstein beteiligte sich daran, zwei weitere Beiträge konnten in der Ausstellung während des Heimattages in Betzenstein gezeigt werden. Auch beim Festkommers, in dem Tausendpfund auf die Anfänge des Vereins ausführlich einging, glänzten die meisten Ortsgruppen mit Abwesenheit. Der 23. Heimattag war dann doch der kulturelle Höhepunkt im Vereinsleben. Dank des guten Wetters und einer großen Vereinsdichte in der Gemeinde Betzenstein, die allesamt am Festzug teilnahmen, wurde vor allem der Sonntag ein großer Erfolg. Auch das Rumlumpen in diversen Gasthäusern am Samstag Abend und das Theaterstück über den Bau des tiefen Brunnens können als Erfolge verbucht werden. Und auch in Pretzfeld konnte mit einem Theaterstück von Tausendpfund gefeiert werden und zwar 250 Jahre St. Kilianskirche.

Neu erschienen ist eine CD des Tonstudios Först mit dem Titel: „Heit is schö“. Auf ihr sind die Forchheimer Volksmusikgruppe, der Bammersdorfer Dreigesang, die Gangolfkapelle Hollfeld, die Wiesenttaler und die Waischenfelder Burgmadla zu hören. Schließlich gab es in Bärnfels kürzlich eine „wunderschöne Trachtenpräsentation zu sehen“, bei der die drei Ortsgruppen Bärnfels, Wolfsberg und Untertrubach erneuerte Trachtenbeispiele zeigten.

Noch bevor stehen zwei Buchveröffentlichungen (beide im November) des AK Heimatkunde zu den Themen Orchideen der Fränkischen Schweiz (Adolf Riechelmann) und „Der Klausstein – Ort einer Vision“ von August Schenk. Außerdem wird die Fränkische Weihnacht am, zweiten Advent in Pottenstein statt finden. Heft vier der Vereinszeitschrift befasst sich mit Unterleinleiter und Heft eins 2012 mit den Höhlen der Fränkischen Schweiz. Außerdem wird sich ein Heft mit dem Jahresmotto beschäftigen.

Hauptwegewart Christoph Happe-Wagner konnte erfreut berichten, dass die Zahl der gepflegten Wanderweg-Kilometer gegenüber dem Vorjahr um 1000 auf 3800 Kilometer gestiegen und damit auch ein höherer Zuschussbetrag (zirka 15 000 Euro) möglich geworden ist. Das Ziel sollte sein alle 4200 Kilometer Wanderwege (plus 300 km an zertifizierten Wegen) jährlich einmal zu begehen und dabei zu pflegen. Wie man die Förderanträge dann ausfüllt, will er in einem eintägigen Seminar in 2012 mit allen Wegewarten besprechen. Außerdem ist es sein Ziel, in Zukunft einheitliche Wegweiser-Schilder in Form und Aussehen für die gesamte Region zu verwenden, was nicht auf die Zustimmung der OG Pretzfeld stieß. Deren Leiter moniert, dass z.B. im Trubachtal ausschließlich Plastikpfosten und Aluminiumschilder verwendet wurden und keine natürlichen Rohstoffe, die viel besser zu einem „Naturpark“ passen. „Hier wird durch die Hintertür etwas gemacht, was nicht gut ist“ monierte Karl-Ludwig Grodd. Stefan Förtsch erwiderte, dass im Zuge der demografischen Entwicklung keine andere Möglichkeit besteht als mit langlebigen Materialien zu arbeiten, „weil uns langsam die Wegewarte ausgehen“. Auch hat er davon gehört, dass der Naturparkverein künftig nur noch solche lang haltenden Schilder fördern will. Hans Stuhlinger von der OG Erlangen setzte sich auch für einheitliche Beschilderungen ein, ebenso Paul Pöhlmann, der dafür warb, „bei der Erneuerung des Wanderwegenetzes auf Gemeindeebene OG-übergreifend einheitliches Schildermaterial zu verwenden“.

Der FSV sucht noch immer einen Hauptjugendwart, der die Aktivitäten der 20 OG mit ca. 240 Kindern und Jugendlichen bündelt. Trotz verschiedenster Versuche gelang es in den letzten beiden Jahren nicht, einen Nachfolger für Wendelin Häfner zu finden. Pöhlmann rief dazu auf, verstärkt nach einer geeigneten Persönlichkeit Ausschau zu halten. In diesem Zusammenhang gab Tausendpfund bekannt, dass Wolfgang Winkelsen am 21.4.2012 im Streitberger Bürgerhaus einen Volkstanzkurs für Kinder ab 6 Jahren halten will und dazu die Ortsgruppen ihre Jugend hinschicken sollen.

Die energiepolitische Neuausrichtung Bayerns hin zu einem Bundesland, das bis zum Jahre 2030 80 Prozent seines Stromverbrauches aus erneuerbarer Energie bezieht, beschäftigte die Herbstversammlung des Fränkische Schweiz-Verein (FSV) und zwar in Bezug auf Standorte für neue Windkraftanlagen.

Teilweise kontrovers diskutierten Vertreter diverser FSV-Ortsgruppen und die Arbeitskreisleiter mit dem Vorstand über das Für und Wider. Der Hauptvorstand will durch Stellungnahmen Einfluss auf die Standorte nehmen, einige Ortsgruppenvorsitzenden lehnen Windkraftanlagen in der Region generell ab; mit dem Hinweis auf die Zerstörung des gewachsenen Landschaftsbildes. Zweiter FSV-Vorsitzender Helmut Krämer, der das Thema in der Vorstandschaft federführend bearbeitet, hatte es teilweise schwer mit seinen Argumenten. Er setzte sich dafür ein, dass Ortsgruppen ihre Vorbehalte gegen gewisse Standorte an den Hauptvorstand melden, damit jener die gesammelten Informationen zu einer Stellungnahme verwenden kann.

Im Falle des Regionalverbandes Oberfranken-Ost wurde die Forderung des FSV, Anlagen mit mindestens 2-3 Windrädern zu bauen, um eine „Flächenversiegelung“ zu vermeiden, in die Planungen aufgenommen. „Diese Forderung soll auch im Planungsverband West (mit dem Landkreis Forchheim) berücksichtigt werden“, betonte Krämer. Widerstand gegen die geplanten Windkraftanlagen hält Krämer für wenig hilfreich, „weil fest steht, dass Bayern acht bis zehn Prozent seiner Energie künftig aus Windkraft beziehen wird und die Gesetzgebung daher für die Windräder eingestellt ist“. Die Landschaft wird sich durch den Bau der Anlagen verändern, das befürchtet auch Krämer, „aber es liegt an den Bürgern und am FSV gestaltend Einfluss zu nehmen“.

Adolf Wunder von der Ortsgruppe Muggendorf ist Angst und Bange vor der Zukunft: „Wenn ich dann auf die Höhe klettere und anstatt mittelalterlicher Burgen riesige Windräder in der Ferne sehe, blutet mir das Herz“. Walter Bogner von der Ortsgruppe Gößweinstein äußerte sich aus dem gleichen Grund ebenfalls gegen Windkraftanlagen in der Fränkischen Schweiz und Eberhard Hofmann, Leiter des Arbeitskreises Volksmusik kann sich nicht vorstellen, „dass die Industrie die acht Prozent Windkraftenergie benötigt, solange es billigeren Atomstrom aus den Nachbarländern gibt“.

Trotz aller Kritik an den Windkrafträdern war die Versammlung für das von Walter Tausendpfund vorgeschlagene Vereins-Jahresmotto 2012: „Energiewende – Herausforderung für die Fränkische Schweiz“. Schließlich geht es ja nicht nur um landschaftsverändernde Windkraftanlagen. Auch Fotovoltaikanlagen auf den Hausdächern und großflächig in der Flur, massiver Maisanbau für Biogasanlagen (im Landkreis Ansbach schon Realität mit 80 Prozent der Ackerfläche) und Modeerscheinungen wie grellbunte, lackierte Dachziegeln und würfelförmige Niedrigenergiehäuser sorgen auch für eine massive Veränderung des (fränkischen) Landschafts- und Dorfbildes. Das „neue“ muss man erkennen und sich damit beschäftigen, wenn man es verändern oder akzeptieren will und dazu soll das Jahresmotto dienen, so Tausendpfund. Eine Ausgabe der Vereinszeitschrift soll dem Thema gewidmet werden.

Christine Berner, Leiterin der OG Bärnfels stellte die erneuerte Tracht vor, die jetzt in den OG Bärnfels, Untertrubach und Wolfsberg getragen wird. Die Unterschiede, vor allem im Schnitt sind historisch bedingt, bei den Farben und Stoffen wurde auf allgemeine Trends Rücksicht genommen. Der Materialwert der Tracht liegt bei nur 300 Euro. Bisher waren damit 10 Frauen „ausstaffiert“, jetzt sind es schon 18 Frauen, berichtet Berner stolz.

Eberhard Hofmann, Leiter des AK Volksmusik beklagte sich in einer launischen Ansprache, dass die Akzeptanz für lokale Volksmusik immer mehr abnimmt, was sich vor allem in der sinkenden Spendenbereitschaft bei öffentlichen Auftritten bemerkbar macht. Von den Spenden sind bisher immer die Musiker bezahlt worden für ihren Auftritt, mit maximal 25 Euro. Das ist mittlerweile zu wenig, um die Unkosten der Gruppen für Anreise und Verpflegung zu decken. Derzeit springt zwar der Bezirk Oberfranken in die Bresche, wenn es um den Ausgleich zwischen Aufwand und Einnahmen geht, aber auf Dauer wird es sich der Bezirk nicht mehr leisten können. „Die Lebensfähigkeit des AK Volksmusik steigt und fällt mit dem Interesse an der Musik. Und das fehlt immer häufiger“, monierte Hofmann. Zu wenige Vereinsmitglieder besuchen solche Veranstaltungen, daher fehlt es auch an Spenden für die Musiker. Außerdem gab er bekannt, dass er auch schon 72 Jahre alt ist und er für seine Tätigkeit im AK Volksmusik einen Nachfolger sucht.

Text und Bilder: R.Löwisch. Schriftführer außer Bild Trachten: Eberhard Ruder