23. Heimattag in Betzenstein. Festkommers
BETZENSTEIN. Mit dem traditionellen Totengedenken an der Schüttersmühle bei Pottenstein, dem Gründungsort des FSV vor 110 Jahren, begannen die Feierlichkeiten zum 23. Heimattag. 1. Hauptvorsitzender Paul Pöhlmann erinnerte in seiner kurzen Ansprache an die verstorbenen Persönlichkeiten des FSV und legte anschließend einen Kranz nieder. Gedacht wurde Hans Kotschenreuther, Manfred Friedrich, Otto Werner, Christel Thömmes, Hans Körber, Hans Schweßinger, Siegfried Billich, Heinrich Endrös (Wieder-Gründungsmitglied nach dem Kriege), Harro Frey, Ingeborg Meißner und Georg Seitz. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Blasmusik Kirchenbirkig. Die OG Kirchenbirkig richtet traditionell das Totengedenken aus, weshalb zahlreiche Vereinsmitglieder an der Gedenkstunde teil nahmen, darunter OG Vorsitzender Dieter Bauernschmitt und FSV-Revisor Manfred Neuner sowie Bürgermeister Stefan Frühbeißer und Mitglieder der FSV-Vorstandschaft.
Erster Höhepunkt war der Festkommers im Betzensteiner Gasthaus Herbst im Beisein zahlreicher Ehrengäste, darunter Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Landrat und Schirmherr Hermann Hübner, zahlreiche Bürgermeister sowie einige Ortsgruppenvorsitzende. 1. HV Paul Pöhlmann begrüßte alle sehr herzlich und freute sich über das Erscheinen. OG-Vorsitzende Christa Plischka eröffnete den Reigen der Grußworte. Sie wünschte sich gutes Wetter für Samstag und den sonntäglichen Festumzug, zu dem sich 48 Vereine angemeldet haben. Der gastgebende Bgm. Claus Meyer stellte seine Gemeinde kurz vor und erinnerte an den Grund des Heimattages in Betzenstein. Zum einen feiert man schon das ganze Jahr über den 400. Jahrestag der Stadterhebung. Der zweite Grund ist die fast fertige Komplettsanierung des Stadtkernes, wodurch der Orte zu einem Vorzeigeobjekt der Städtesanierung wird. Sein besonderer Dank galt Walter Tausendpfund, der nicht nur an der neuen Stadtchronik mitwirkte sondern auch ein Theaterstück: „Zum Tiefen Brunnen" für die Feier geschrieben hat. Er lud außerdem zum erstmaligen Nachtwächterrundgang am Samstag Abend ein, mit dem Betzenstein endgültig zum „Rothenburg der Fränkischen Schweiz" avanciert, meinte Meyer stolz.
Landrat Hermann Hübner als Schirmherr des 23. Heimattages zeigte sich erfreut über die Aktivitäten im „stolzen Süden des Landkreises" und erinnerte daran, dass er sich als Chef des Fränkische Schweiz- Museum sowie als 2. Vorstand in Naturparkverein und Gebietsausschuss schon lange sehr gerne für diese Region stark macht und in diesen Eigenschaften gerne für den Erhalt von Brauchtum und Kultur in dieser „einmaligen Naturraumlandschaft" eintritt. Seine wie auch künftige Generationen müssen diese Aufgabe weiter führen, um das kulturelle Erbe der Region in die Zukunft zu tragen. Ein zweite wichtige Aufgabe sieht er darin, der Jugend hier auf dem Land Perspektiven und Möglichkeiten zu geben, damit auch sie hier bleiben. Die Fränkische Schweiz sieht er als „Landschaft zum Wohl fühlen, in der man gerne bleibt oder auch gerne zurück kehrt."
Regierungspräsident Wilhelm Wenning lobte ebenfalls die kulturellen Vorzüge der Region mit ihren zahlreichen Burgen, Höhlen und Mühlen, die darüber hinaus noch viel mehr zu bieten hat. So z.B. die vielen Brauereien mit dem exzellenten Bier, die Obstbaumblüte, die abwechslungsreiche Landschaft mit den atemberaubenden romantischen Landschaften. Ein „Erlebnis für alle Sinne". Der Heimattag des FSV ist für ihn ein „Schaubild" der kulturellen Identität. Und der lobte den FSV für seine kulturelle Arbeit in allen Bereichen, die seit nunmehr 110 Jahren andauert. Er mahnte aber auch: „Wer nirgendwo verwurzelt ist, findet keinen Halt". Und Verwurzelung findet für ihn vor allem auf dem Lande statt, wo Brauchtum und kulturelle Identität noch vorhanden sind. Das gilt es genauso zu erhalten wie die Landschaft der Fränkischen Schweiz, die er als „ohnegleichen schön" empfindet – in Anlehnung an den Felsengarten in „Sanspareil", was frei aus dem Französischen übersetzt „ohnegleichen" bedeutet.
Die Festansprache hielt Walter Tausendpfund, der, daran erinnerte Wenning ebenfalls, als „Gewürfelter Franke" schon die höchste fränkische Auszeichnung bekommen hat. Neben seinem ausführlichen Rückblick auf 110 Jahre Zeitgeschichte setzte er sich dafür ein, dass sich der FSV „neuen Bedürfnissen" öffnet. Der Wander im Wanderverhalten setzt sich fort und auch der Aufschwung der Natursportarten lässt sich nicht stoppen und auch in der Kultur soll sich der Verein dem neuen stellen, zum Beispiel mit Kooperationen mit bezirklichen Beratungseinrichtungen, mit diversen Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Heimatkunde, mit der VHS des Landkreises Forchheim als Träger des Kreativzentrums. Und das Internet gewinnt weiter an Bedeutung, z.B. als Infobasis, als Kommunikationsmittel. Daher muss sich der FSV beim Blick in die Zukunft über die aktuellen Entwicklungen „intensive Gedanken machen". „Anstatt patriarchischer, zentralistischer Führung sollte der Ausbau der internen Teamarbeit Vorrang haben". Netzwerkbildung (mit gleichegesinnten Institutionen) und das Streben nach Synergieeffekten gehören ebenfalls in die zukünftige Vereinsarbeit. Eine Chance für den Verein wie die Region sieht Tausendpfund in der Tatsache, dass Menschen im Zeitalter der derzeitigen Kommunikations- und Globalisierungsphase „nach Räumen suchen, wo sie existenzielles Grundvertrauen finden: in der Heimat. „Der Mensch braucht solchen emotionalen Halt immer mehr."
Der Festkommers wurde musikalisch umrahmt von der 11-köpfigen Damen-Singgruppe Obertrubach unter Leitung von Maria Schmitt. Sie sangen eingängige Melodien wie den „Guten Freund", „Mei Michala" und „Fein sein, beianander bleim". Beim Lied „Der Fränkische Wind – er wird noch wehen, wenn wir längst nicht mehr sind" sangen fast alle Anwesenden den Refrain mit.