26. Heimattag in HOLLFELD - Festkommers

HOLLFELD. Der Kommersabend anlässlich des 26. Heimattages war beschämend gering besucht. Gerade mal 19 Vereinsmitglieder hatten sich eingefunden, darunter ein starke Abordnung des Hollfelder Heimat- und Verschönerungsvereins, um der Verleihung des Kulturpreises an Georg Knörlein und dem Grußwort des Schirmherrn Hartmut Koschyk MdB, beizuwohnen. Interessant wurde es, als Dr. Herbert Popp sein neuestes Projekt „Zwergstädte in der Fränkischen Schweiz“ vorstellte. Vor allem seine Abgrenzung des Gebietes der Fränkischen Schweiz: Weismain gehört dazu, Pegnitz und Forchheim aber nicht, rief den starken Protest des Schirmherrn hervor.

Kulturausschussvorsitzender Walter Tausendpfund hielt die Laudatio auf Georg Knörlein, der nach seiner Recherche 1948 geboren, 1975 geheiratet und seit 1970 als Lehrer, zuletzt in Kirchehrenbach bis 2013 arbeitete. Seither ist er in vielfältiger Weise als Ehrenamtlicher unterwegs. Seit 1979 baut  und betreut er die Fränkische Schweiz-Bibliothek, die mittlerweile auf 19 000 Einheiten angewachsen ist und die komplette Reiseliteratur der Region seit dem 19. Jahrhundert in Kopien enthält. Ein weiterer heimatkundlicher Schatz ist eine komplette Kopie des Wiesentboten, die Originale des Bamberger Volksblattes von 1948-68 und die seit Anfang an gesammelten heimatkundlichen Artikel in den Lokalzeitungen. Mehr als 6000 Arbeitsstunden hat Knörlein in den Aufbau der Bücherei investiert.

Knörlein ist außerdem Archivpfleger des Landkreises Forchheim und hat in dieser Eigenschaft die Archive von 70 Gemeinden inventarisiert. Er ist zudem Kirchehrenbacher Heimatforscher, der auch hier schon viele Publikationen veröffentlicht hat und er wirkt in zahlreichen Publikationen, wie der Chronik von Forchheim und in der Buchreihe anlässlich 1000 Jahre Bistum Bamberg mit. Daneben war Knörlein zwölf Jahre Gemeinderat und viele Jahre Geschäftsführer des Tourismusvereins Rund ums Walberla-Ehrenbürg. 1. HV Reinhardt Glauber nahm die Ehrung vor und dankte der Frau des Kulturpreisträgers Sylvia Knörlein für die Bereitschaft, ihren Mann in seinen Ehrenämtern zu unterstützen. Weiterhin ehrte Glauber, zusammen mit dem Ortsgruppenvorsitzenden Oskar Pirkelmann Renate Taschner, die seit 1995 als zweite Vorsitzende agiert mit der Auszeichnung Gold mit Kranz und Margarete Degen, die dem Verein seit 40 Jahren die Treue hält.

Der Vortrag von Herbert Popp über sieben Städte der Fränkischen Schweiz erregte die Gemüter, weil er Weismain dazu nahm aber nicht Pegnitz und Forchheim. Er begründete seine Entscheidung mit einer Befragung von Einheimischen und damit, dass es keine allgemeingültigen Regionsgrenzen gibt. Trotzdem bleibt ein Rätsel warum er gerade Weismain aufnimmt, obwohl laut seinem eigenen Schaubild, nur sehr wenige Menschen den Ort überhaupt mit der Fränkischen Schweiz in Verbindung bringen; ebenso die Entscheidung für Litzendorf; einem Ort der seit einigen Jahren viel Geld in den Aufbau einer eigenen Marke, der „Fränkischen Toskana“ steckt. Und auch seine Recherchen in den Kleinstädten, darunter neben Weismain noch Betzenstein, Waischenfeld, Pottenstein, Ebermannstadt, Gräfenberg und Hollfeld, riefen manche Widersprüche hervor. So ist seine Behauptung, Hollfeld sei erst 1408 zur Stadt erhoben worden falsch, oder, dass Waischenfeld kein Scheunenviertel hat, was auch nicht stimmt. Im Prinzip soll das Projekt Vergleiche ziehen zwischen der Infrastruktur der Städte und belegen, warum aus den meisten FS-Städten keine Großstädte wurden. Er wählte deshalb den Begriff „Zwergenstädte“. Sein Resümee: Diese sieben Städte können nur durch einen verstärkten Kulturtourismus „wach geküsst“ werden. Hartmut Koschyk wie auch Hollfelds Bürgermeisterin Karin Barwisch widersprachen seiner Behauptung vom Wach küssen. Koschyk warnte sogar davor, die Grenzen der Region abschließend zu behandeln, da dies eigentlich eine politische Entscheidung sein soll. Schließlich hat die Politik auch die derzeitigen Grenzen aus einer bestimmten Erfahrung heraus so. Die Abgrenzung könnte für Unruhe und Missmut sorgen, mit der Folge, dass manche Kommune oder Kreis aus gemeinsamen Projekten aussteigen. Das soll unbedingt vermieden werden.

Schirmherr Koschyk unterstützt die derzeitigen Bemühungen des FSV, die Region zu einer Premiumwanderregion auszubauen; mit entsprechend ausgebildeten Wander- und Wegewarten und einem durchgängig beschilderten neuen Wegenetz nach den Vorgaben des Deutschen Wanderverbandes. Er bezeichnete das Vorhaben sogar als „vorbildlich“ weil hier in Zusammenarbeit von fünf Landkreisen „über den Tellerrand hinausgeschaut wird“. Damit wird eine nachhaltige ressourcenschonende touristische Entwicklung angestoßen, die es erlaubt, „den Lebensraum für Kinder und Enkel zu bewahren“. „Heimat, Identität und Glaube braucht der Mensch, um in Zukunft zu bestehen“, so Koschyk weiter. Daher braucht die Region den FSV jetzt dringender als je zuvor- so seine Einschätzung.  

Zum Schluss des Abends stellt der neue AK-Leiter Walter Appelt die erneuerte Herrentracht vor. Nach seiner Recherche entstand diese erstmals um 1800, als die bis dahin gültiger Kleiderordnung aus Kraft gesetzt wurde. Die Fränkische Männertracht entstand aus der französischen Militäruniform und dürfte geprägt worden sein, durch die französischen Besatzungen und Durchzüge im 18. Jahrhundert. Farbige Unterschiede wurden durch die Religion bestimmt, ansonsten waren die Männer in ganz Franken ähnlich gekleidet. Die erneuerte Tracht folgt historischem Vorbild, soll aber auch der heutigen Mode entsprechen. Darüber hinaus gilt, was früher schon galt: wer mehr Geld investiert, bekommt auch mehr, z.B. eine Lederhose aus Ziegenfell oder Westenknöpfe aus goldenen Geldstücken. “Nach oben sind keine Grenzen gesetzt“, meinte Appelt. Die musikalische Ausgestattung des Kommersabends übernahm die Hollfelder Musikschule.

     

Kulturpreis an Georg Knörlein -  Schirmherr Koschyk MdB  - Die Musikschiule Hollfeld

Walter Appelt, AK Männertracht


 Text und Fotos: Pressewart Reinhard Löwisch