Der Arbeitskreis Mundarttheater: Rückblick

Wie das tägliche Leben

In den ersten Beschreibungen des Kulturausschusses des Fränkische Schweiz- Vereins von Fritz Preis taucht gelegentlich die Existenz eines Arbeitskreises Mundarttheater auf, doch fehlen nähere erläuternde Hinweise.

Idee

Zu ermitteln war, dass Fritz Preis dem Mundarttheater in der Fränkischen Schweiz eine Heimstatt geben wollte, etwa in der Form eines „Fränkischen Komödienstadels". Erste Theateraufführungen kamen in der Volksschule Gößweinstein zustande.

Doch irgendwie fehlte der Idee noch der erforderliche Anschub. Zum anderen zeigte sich auch, dass sich mit diesem Vorhaben der Kulturausschuss des Fränkische Schweiz- Vereins etwas übernahm. Er konnte von sich aus keine Theatergruppe am Leben erhalten. Außerdem fehlten damals noch richtige fränkische Mundartstücke. Erst Eberhard Wagner stellte mit seinen Stücken und seiner Bindlacher Theatergruppe die erforderlichen Grundlagen zur Verfügung. Trotzdem blieb das Vorhaben insgesamt aber in den gut gemeinten Anfängen stecken. Selbst die angestrebte Erstellung von koordinierten Spielplänen auf Jahresebene erwiesen sich als außerordentlich schwierig, da immer wieder unvorhersehbare Zufälle eine wichtige Rolle spielten und alle Planungen ad absurdum führen konnten.

„Arbeitsgemeinschaft Mundart-Theater Franken"

Im Jahre 1981 griff Franz Och, der frühere Bürgermeister von Pretzfeld, engagierter Journalist und bewusster Franke, diese Idee des FSV wieder auf und begründete ganz im Sinne von Fritz Preis im Hotel Hafner in Egloffstein die „Arbeitsgemeinschaft Mundart- Theater Franken".

Bündelung der Energien von FSV- AK Mundarttheater und „Arbeitsgemeinschaft Mundart-Theater Franken"

Diese ideellen Verbindungen begründen die nunmehr einsetzende enge Zusammenarbeit zwischen dem FSV- AK Mundarttheater und der „Arbeitsgemeinschaft", die besonders dann unter dem AK- Leiter Walter Tausendpfund auf beiden Schienen intensiv mit getragen wird. Dabei zeigt sich, dass die eigentliche Theaterarbeit autonom vor Ort in den Ortsgruppen erfolgen muss. Dort sind die geeigneten Spielerinnen und Spieler zu finden, die Stücke auszuwählen, die erforderlichen Proben zu organisieren, die Spielorte festzulegen, die Garderoben und Kulissen anzufertigen und schließlich ist eben dort auch das gelegentlich sehr respektable finanzielle Risiko (vor allem bei unvorhergesehenen Ausfällen) zu tragen.

Hier ist der Fränkische-Schweiz-Verein als Hauptverein an eine deutliche Grenze seiner Leistungsfähigkeit geraten.

Angebote

Die originäre „Leistung" einer wie auch immer gearteten „Dachorganisation" muss daher primär die Rahmenbedingungen verbessern. Dies ist aber nicht im engen Rahmen der Fränkischen Schweiz zu leisten, hier muss als Plattform der gesamte fränkische Raum genommen werden:

Daher wurden entsprechende Diskussionsrunden installiert, hier mussten die Autoren ermuntert werden, zeitgemäße fränkische Mundartstücke zu erstellen, und hier mussten Fortbildungsmöglichkeiten eröffnet werden. Der finanzielle Rahmen musste vor allem mit Hilfe der Bezirksheimatpfleger abgesteckt werden. Die Bezirke waren dann auch in der Lage, entsprechende Autorenwettbewerbe zu finanzieren und regionale Fortbildungs- und Theaterveranstaltungen durchzuführen. Eine weitere wichtige Hilfestellung bot der Bayerische Landesverein für Heimtatpflege (München). So erwies es sich als zweckmäßig, in diesem FSV- Arbeitskreis eine etwas andere Arbeitsstruktur zu organisieren. Der Schwerpunkt lag also sinnvoller Weise in der Bündelung von gleichgerichteten Organisationen im Verbund mit den fränkischen Bezirken. So konnten in der Folgezeit den Mundarttheatergruppen in der Fränkischen Schweiz insbesondere Fortbildungsveranstaltungen, diverse Spielmöglichkeiten und tiefere Einblicke in den Fundus der verfügbaren Mundartstücke vermittelt werden.

Fränkische Schweiz - ein Theater-Schwerpunkt in der Region Oberfranken

Nachdem die „Arbeitsgemeinschaft" - nach ihrer Umformung in einen Verein (e. V.) - in ihrer Organisationsstruktur eine stärkere Regionalisierung vorgenommen hatte, erhielt die Fränkische Schweiz eine maßgebliche Rolle im Regionalverband Oberfranken (neben dem Landkreis Kronach).

Die „Arbeitsgemeinschaft Mundart- Theater Franken" bietet weiterhin u. a.

  • ihre jährlichen regionalen „Mundarttheatertage" an (z. B. den „4. Oberfränkischen Mundarttheatertag" am 8. Juli 2001 in Pottenstein) mit Theateraufführungen, Mundartlesungen und Volksmusik und -tanz,
  • ihre „Gesamtfränkischen Theatertage" im Zwei- Jahres- Rhythmus (2006 in Oberfranken),
  • ihre Fortbildungsveranstaltungen,
  • ihren Rechtsschutz im Rahmen des Bundes Deutscher Amateurtheater (BDAT),
  • ihren „Theaterbrief"
  • und steht jedermann zur Mitarbeit offen.

Eine einzigartige Besonderheit stellten die im Jahre 2000 mit großem Erfolg realisierten „Europäischen Mundarttheatertage" im Mühlentheater in Möhrendorf (bei Erlangen) dar, bei denen auch der FSV- AK Mundarttheater in Organisation und Durchführung vielfältig eingebunden war.

Dank

Die Arbeit ist in diesem Bereich nur möglich, wenn viele unermüdlich und geduldig mit helfen. Allen sei hier ganz herzlich für ihre Treue und Zuverlässigkeit gedankt.

Zum Schluss muss noch angemerkt werden, dass im Jahre 2001 Franz Och nach mittlerweile 20 Jahren solider Aufbauarbeit und erfolgreicher Vereinsführung den Vorsitz in der „Arbeitsgemeinschaft Mundart- Theater Franken e. V." niedergelegt hat. Ihm ist für seinen unermüdlichen Einsatz, seine spontane Begeisterungsfähigkeit, seine endlose Geduld im Umgang mit Autoren, Spielerinnen und Spielern, Regisseuren und und und ... ganz herzlich zu danken.

Walter Tausendpfund