Reinhard Löwisch

Der dritte Trachtennähkurs: Schon ein Selbstläufer und der 4. Kurs in 2015 schon programmiert.

FRÄNKISCHE SCHWEIZ. Nun schon zum dritten Mal trafen sich zehn Frauen in der neuen Kulturwerkstatt Fränkische Schweiz in Morschreuth, um gemeinsame einem Hobby zu frönen, „das schöner macht", wie eine der Damen sich ausdrückte. Sie schneiderten eine erneuerte Fränkische-Schweiz-Tracht. Im Gasthaus zur guten Einkehr war nun zum Abschluss- Modenschau; unter dem Beifall der vielen Gäste, die eigentlich nur zum Abendessen kamen.

Tracht tragen ist derzeit auch bei den jüngeren Frauen in Mode. Von dieser Erkenntnis profítiert auch der Fränkische Schweiz- Verein (FSV), der jahrelang das Problem hatte, dass keine der jungen Nachwuchsdamen bereit war, überlieferte Trachten zu tragen. „Das ist auch kein Wunder" meinte die Arbeitskreisleiterin Trachten, Johanna Erlwein. "Junge Frauen wollen eben keine dunklen groben Stoffe tragen, das ist nicht schick". Ein Blick über den symbolischen Gartenzaun nach Südbayern, wo „Tracht tragen" zum guten Ton gehört, brachte die Erkenntnis: „Man muss bei den Stoffen und Farben mit der Zeit gehen, dann ziehen das auch die Jungen an" meint Erlwein. Oder anders ausgedrückt: Die Verpackung ändert sich, der Inhalt bleibt gleich. Mit dieser Einstellung gelang es „fast über Nacht" erfolgreiche FSV- Trachtenkurse auf die Beine zu stellen. Jetzt schon zum dritten Mal in Folge war ein Kurs mit elf Teilnehmerinnen innerhalb kurzer Zeit ausgebucht. Dank der rührigen Kulturwerkstatt- Leiterin Erika Strigl, die sich um alle organisatorischen Details kümmerte und Dank einer ebenso aufmerksamen Lehrerin; Marianne Bogner aus Bieberbach. Sie hat es nicht nur fertig gebracht, dass alle Damen nach dem Kurs eine fertige „Woar" hatten, die sie voller Stolz auch trugen. Viele entschlossen sich spontan, bei ihr einen Anschlusskurs zu belegen, bei dem sich Frau die passende Jacke für die kältere Jahreszeit schneidern konnte.


Es ist mittlerweile schon Tradition, dass sich alle Kursteilnehmer zum Abschlussessen im Gasthaus Zur guten Einkehr in Morschreuth treffen. FSV-Hauptvorsitzender Reinhard Glauber kam ebenso mit Ehefrau Dorothea, wie der Kulturausschussvorsitzende Walter Tausendpfund und außerdem Angehörige der Kursteilnehmerinnen. Erstmals dazu kamen die beiden „Trachten-Fachdamen" Dagmar Rosenbauer aus Kunreuth und Therese Regenfuß aus Hetzles. Sie konnten noch ein paar Tipps zur Länge der Schürzenschleife beisteuern und auch die Frage klären, ob die Schürze über oder unter dem Mieder getragen wird. Da kam wieder die Historie zum Vorschein die hier widerspruchslos akzeptiert wurde gemäß dem Motto: Stoff und Farbe können neu sein, der Schnitt und die Art bleiben unverändert. Schließlich, so die Arbeitskreisleiterin Erlwein, soll man ja sehen können, woher man kommt.
Kathrin Eilenberg aus Kirchehrenbach, Isolde Britting aus Gräfenberg, Christina Beigott aus Etzdorf, Karin Först aus Plauen im Vogtland, Maria Eichinger aus Kirchehrenbach, Heidi Pfeilschmidt , Magdalena Grellner aus Püttlach, Cornelia Gebhardt aus Kirchehrenbach und Eva-Maria Hallmeyer aus Pinzberg hießen die Teilnehmerinnen des Trachtenkurses und sie alle sind jetzt zu Recht stolz auf ihre neue Festtags-Kleidung. Stolz war auch der Seniorchef des Gasthauses auf die Trachtendamen: Er lud sie spontan zur Trachtenschau quer durch die Gasträume ein und spendierte anschießend noch Holunderlikör. Unter dem Applaus der zahlreichen Gäste und angeführt vom Senior-Wirt „Sepp" Merz mit seiner „Quetsche" flanierten die Damen einmal quer durch alle Zimmer, zur Freude der Anwesenden die fleißig klatschten. Ein kleine Frage aber blieb im Raum stehen: Was sollen denn die Herren der Schöpfung tragen, wenn Ihre Damen in Tracht gehen? Marianne Bogner machte folgenden Vorschlag: Schwarze Hose, weißes Hemd, schwarze Schleife. Dazu eine rote Weste mit vielen goldenen Knöpfen und eine Trachtenjacke, die dazu passt. Sind wir mal gespannt, wann es den ersten Trachtenkurs für Männer gibt. Die Nachfrage bei den Herren der anwesenden Trachtendamen zumindest, war enorm. Reinhard Löwisch
Info: Da die Nachfrage weiterhin ungebrochen ist, veranstaltet der FSV im nächsten Jahr einen weiteren Trachtennähkurs. Anmeldungen und Auskünfte erteilt ab sofort Erika Strigl unter der Telefonnummer 0176 - 43 05 01 03.

Und jetzt kam noch die Trachtenjacke dazu:

MOGGAST. Man hat das Gefühl eine Rockenstube zu betreten, beim Einritt in den Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr in Moggast. Im Halbkreis angeordnet stehen sechs elektrische Nähmaschinen auf den Schulungstischen. Zwei Bügeleisen samt Bügeltischen komplettieren die Ausstattung und im Raum verteilt werkeln sechs Damen in Tracht an irgendwelchen Stoffteilen herum. Eine Frau, die nicht in Tracht ist, „wuselt" zwischen den Damen hin und her, gibt Erklärungen, zeigt Kniffe und Tricks und sorgt mit Geschichten und Anekdoten für die gute Stimmung im Raum. Marianne Bogner heißt die Dame. Sie ist als gelernte Schneidermeisterin die Kursleiterin und gerade dabei, ihren Kursdamen das Schneidern einer Trachtenjacke beizubringen. Die Damen, Sie stammen aus Forchheim, Eckenthal, Baiersdorf und Reuth kennen sich. Sie lernten in vorangegangenen Kursen gemeinsam, eine fränkische Tracht nach den Vorgaben des Fränkische Schweiz- Verein (FSV) zu schneidern. Dafür dürfen sie auch das Markenzeichen „Tracht der Fränkischen Schweiz" tragen. Schon das zweite Wochenende verbringen Sie hier in Moggast, um sich als Ergänzung zur Tracht eine passende Trachtenjacke zu schneidern. Aus dem Grund haben auch die meisten Damen ihre Tracht gleich angezogen: damit man sieht, ob alles passt. 100 bis 150 Euro investiert jede Frau alleine in die Jacke und dazu mehr als 20 Arbeitsstunden. Das Teuerste sind die alten Spitzen, die man nicht überall mehr bekommt, sagt Marianne Bogner. Der Meter kostet hier allein 14 Euro. Zeitaufwendig ist die viele Detailarbeit. Dabei lernt man automatisch, so das Credo der Damen, handwerklich gemachtes zu schätzen, da man den Aufwand dazu nun kennt. Bald sind die Jacken fertig und bereit für den „Einsatz". Darauf freuen sich alle jetzt schon.

Ein zweiter voller Erfolg - der zweite Trachtennähkurs.

MORSCHREUTH. Frauentrachten sind derzeit in, deshalb war der Trachtennähkurs des Fränkische Schweiz- Verein im  Kreativzentrums Morschreuth schnell ausgebucht. Das Ergebnis der modischen Näherei führten neun der am Kurs teil genommenen Damen im Gasthaus zur Einkehr in Morschreuth der Öffentlichkeit vor.

Das Geheimnis der neu erwachten Popularität an der Trachtenmode lüftete die Arbeitskreisleiterin „Hanna" Erlwein bei der Vorstellung der einzelnen Kleider: die Farben sind jetzt etwas kräftiger und modisch angehaucht, dick machende Polster - vor allem um die Hüften - früher Synonym für gebärfreudige Becken - fielen weg. Dazu kommt die große Auswahl an Stoffen, wie sie heute getragen werden. Das alles ergibt eine Vielzahl von Variationsmöglichkeiten, so dass kein Kleid dem anderen gleicht und die Individualität betont wird. Geblieben ist der typische Fränkische-Schweiz-Schnitt, „damit man erkennt, woher die Trägerin kommt", meinte Erlwein. 40 Stunden waren die Damen in der „Lehre" bei der Schneiderin Marianne Bogner. Sie stammt aus Bieberbach und ist in Fachkreise bekannt für ihre Trachtenschneiderei. Mindestens genauso lange wie der Kurs dauerte die „Heimarbeit", wenn es beispielsweise darum ging, den Rock zu „Stifteln" berichtete die Lehrerin. „Es hatte etwas beruhigendes, das Stifteln" meinte Kursteilnehmerin Monika Körber aus Leimersberg rückblickend. Sie ist vor allem stolz darauf „etwas schönes für mich gemacht zu haben". Gertrud Wiesheier aus Kleingesee ergänzte, dass ihr wichtig war „die Lust an traditioneller Kleidung zu pflegen und eine eigene Tracht selbst genäht zu haben". Von ihr stammt die Idee, vom übrigen Trachtenstoff eine Krawatte für den Ehemann zu nähen - solange es noch keine Männertracht gibt, was bedauert wurde von den anwesenden Ehemännern der teilgenommenen Frauen. Brigitte Reinl-Kraus aus Forchheim und Kathrin Eilenberg aus Eckental war die Gruppenarbeit ein wichtiger Faktor. „In gemeinsamer Näharbeit etwas einmaliges zu schaffen ist das Größte" meinten sie. Dorothea Baumgartner aus Möhrendorf nannte als Teilnehmergrund die schon länger andauernde „Suche nach einem neuen passenden Kleidungsstück für den Gottesdienst". Da sie nicht fündig wurde, nähte Sie es jetzt kurzerhand selber. Sandra Kaiser aus Baiersdorf erfüllte sich mit der Tracht ebenfalls einen lang gehegten Wunsch: Es macht ihr Spaß „selbst die Stoffe auszuwählen und nach und nach die eigene Tracht entstehen zu sehen". Diese Freude teilt sie mit Bettina Schreiner aus Pretzfeld, die ebenfalls „Spaß am Selbermachen" als Teilnahmegrund angab. Martina Börner aus Forchheim fühlt sich in Tracht sehr wohl. Deshalb war es Ihr schon lange ein Anliegen, „eine echte fränkische Tracht, kein Dirndl, zu besitzen". Die weiteste Anreise hatte Bärbel Eilenmüller aus Auerbach in der Oberpfalz. „Eigentlich stamme ich aus Sachsen-Anhalt und ich bin gekommen, weil mich das Thema sehr interessiert" sagte Sie. Mit dem Ergebnis des Kurses waren alle Damen „hoch zufrieden". Und sie versprachen, die Tracht immer bei passenden Gelegenheiten zu tragen; bei Familienfeiern und bei öffentlichen Auftritten.

200 Euro an Materialkosten waren für die Tracht notwendig, meinte Arbeitskreisleiterin Johanna Erlwein und jede "Trachtenfrau  bekam  als Belohnung der Mühe, das vom Arbeitskreis eigens kreierte „Label" zum Einnähen, damit nach außen deutlich gemacht wird, dass diese Tracht eine „echte Fränkische Schweiz- Tracht" ist. Die meisten der Damen erklärten sich spontan bereit, in einem weiteren Kurs unter Leitung von Marianne Bogner, die zum Trachtenkleid passende Jacke selber zu nähen. Reinhardt Glauber, der erste Hauptvorsitzende des Fränkische Schweiz- Verein (FSV) war mit seiner Frau Dorothea bei der Präsentation dabei. Ihm gefiel die Tracht „außerordenlich gut" und auch seine Frau klatschte kräftig mit, als die Kursdamen ihre Trachten vorführten und Details erklärten. Die Leiterin des Kreativzentrums Erika Strigl gab bekannt, das aufgrund der hohen Nachfrage 2014 ein weiterer Trachtennähkurs stattfinden wird.

Bild: Die Teilnehmer des Trachtennähkurses unter Leitung von Marianne Bogner (ganz links) mit ihren neuen selbst gemachten Kleidern im Gasthaus Zur Einkehr in Morschreuth. Mit auf dem Bild als einziger Mann: der 1. FSV-Vorsitzende Reinhardt Glauber (2.v.links). Ganz links die Kursleiterin Marianne Bogner.

 

Der 1. Kurs:

Ein voller Erfolg war der Morschreuther Trachtennähkurs. Neun Damen schneiderten sich eine farbenprächtige erneurte Tracht.

MORSCHREUTH. Sie sind sehr stolz auf ihre neue „woar“ und Sie tragen sie voller Freude und Engagement. Neun Damen aus der Region legten Hand an und schneiderten sich eine runderneuerte fränkische Tracht selber - in einem Kurs des Morschreuther Kreativzentrums, dass von Erika Strigl geleitet wird.

Für Gabriela Greim aus Buckenhofen ist es eine Selbstverständlichkeit „Fränkische Tracht“ zu tragen. „Bei uns im Haus Sonnenschein in Unterleinleiter, (ihre Arbeitsstelle, die Red.), gibt es alljährlich ein Herbstfest zu dem es Brauch ist, in Tracht zu kommen. Ein Bayerisches Dirndl wollte ich mir aber nicht kaufen, dann schon eher ein Fränkisches“ begründete sie die Teilnahme an dem Kurs. Sie hat ihre Freundin Ludmilla Belous überredet mitzumachen, was die Wahl-Forchheimerin, gebürtig in Kasachstan, gerne und mit großem Erfolg tat. Eine weitere „Ausländerin“ im Kurs war  Isabel Simon, die aus Niedersachsen stammt und jetzt in Wiesenthau wohnt. Sie findet es „spannend, eine Tracht zu tragen“ und Sie wird die Tracht, wie die meisten der teilnehmenden Damen, zu festlichen Anlässen vorzeigen und damit auch dokumentieren, wo Sie daheim ist. Helga Stirnweis aus Pinzberg hat noch einen weiteren Grund: „In unseren Vereinen ist es Sitte, an besonderen Tagen Tracht zu tragen“, meinte Sie. Das sieht auch Annette Bohn aus Heroldsbach so. Sie freut sich schon auf den Schützenball, zu dem Sie ihre erneuerte Tracht erstmals öffentlich zur Schau tragen wird. Inge Grau aus Forchheim ist durch die Modenschau im Pfalzmuseum im Juli auf die erneuerte Tracht aufmerksam geworden. Als dann noch der Aufruf zur Teilnahme an dem Nähkurs in der Zeitung stand, gab es für Sie kein Halten mehr. Nun ist die Tracht fertig und der Kurs hat ihr so viel Spaß bereitet, „dass ich eine Werktagstracht auch noch nähen will“. In die gleiche Richtung gingen die Gedanken von Renate Heinlein-Ritter aus Mittelehrenbach: „Ich hatte es satt,  immer nur die verschlissenen Hosen meiner Männer zu reparieren“. Der Gedanke etwas Schönes für sich selbst zu nähern, war Ihre Motivation für die Kursteilnahme. Sie findet bayerische Dirndl „ja recht putzig“, aber als Fränkin will sie dann doch lieber fränkische Kleidung tragen. Teresa Holtzmann aus Forchheim dachte sich das auch. Sie liebäugelte damit, in Coburg eine fränkische Tracht nähen lassen. Als Sie von dem Nähkurs erfuhr, sagte Sie spontan zu - und hat es nach eigenen Angaben „nicht bereut“. Zur Gruppe gehört noch Maria Worofsky aus Ebermannstadt. Sie konnte jedoch beim Abschlusstreffen wegen eines Kuraufenthaltes nicht dabei sein.

Zirka 50 Stunden Arbeit steckt in einer erneuerten Tracht, die aus Rock, Mieder, Schürze und Bluse  besteht, erläuterte Kursleiterin und Schneidermeisterin Marianne Bogner aus Bieberbach. Allein schon das „Stifteln“, also das Raffen des Rockes damit er Falten wirft, nimmt rund sechs Stunden Zeit in Anspruch. Dafür „wächst der Rock mit der Trägerin“, so die Schneiderin, weshalb er viele Jahre lang getragen werden kann. Ingeburg Nickel aus Pretzfeld, die „Grande Dame der Frauentracht“ ergänzte, dass die qualitativ hochwertigen Stoffe ein Leben lang halten werden, bei Materialkosten von rund 200 Euro, Nickel freut sich besonders, das Tracht tragen wieder modern ist. „Es hat lange gedauert und viel Engagement gekostet, bis der Anfang gemacht war“ meinte sie, aber jetzt freut es Nickel ungemein, „dass die Arbeit Früchte trägt“.  Zurückblickend erzählten die Teilnehmerinnen, dass der Kurs auch deshalb großen Spaß bereitete, weil man dabei auf andere Gedanken kam und sich mit ansonsten fremden Menschen ungezwungen unterhalten konnte. Ein Kurs für Geist und Sinne, der auch noch schön macht - und selbstbewusst. Wie selbstverständlich zeigten sich die Damen mit ihren farbenprächtigen Gewändern im Gasthaus Zur guten Einkehr nach dem Kurs-Abschlussessen den zahlreichen Gästen. Sie liefen einmal geschlossen, wie auf dem Laufsteg, durch die Wirtsstube und heimsten dabei tosenden Applaus der Gäste ein - und einen Schluck selbst gemachten Holunder-Likörs, den der Senior-Wirt anschließend spendierte. Jetzt wollen Sie noch gemeinsam eine passende Jacke für die kalte Jahreszeit schneidern.