Fränkische Schweiz - Verein e.V.

gegründet 1901

 

[Nach oben] [Brauchtum] [Ludwig Richter] [Fränkische Schweiz] [Scheffel] [Richard Wagner] [Walberlafest] [Bismarck] [Lkr Ebermannstadt] [Volksblattberichte] [Berichte über FSV]

Joseph Victor von Scheffel in der Fränkischen Schweiz

GÖSSWEINSTEIN. Am Freitag, den 22. September 2006 erinnerte der Fränkische Schweiz – Verein (FSV) im „Scheffelgasthof“ mit einem Ehrungsabend an den 120. Todestag Joseph Victor von Scheffel, dem „Erfinder“ des Frankenliedes und dem Autor des berühmten Reisegedichtes Exodus (aus dem Griechischen bedeutet es: Schlusslied des Chores) Cantorum (lateinisch: der Sänger) oder Bambergischer Domchorknaben Sängerfahrt in die Fränkischer Schweiz. Der Kulturausschussvorsitzende Walter Tausendpfund hielt den Festvortrag, FSV-Hauptvorsitzender Paul Pöhlmann stellt das neue "Scheffel-Prospekt" mit den Standorten der Tafeln vor.

Der Scheffel-Abend in Gößweinstein begann mit der Niederlegung eines Blumengebindes vor dem Scheffel-Denkmal. Mit dabei, von links: FSV-Hauptvorsitzender Paul Pöhlmann, Bürgermeister Georg Lang, Kulturausschussvorsitzender Walter Tausendpfund, Vizelandrat Gregor Schmitt, 3. FSV-Vorsitzender Heiner Plank und der Chef des AK Heimatkunde Dr. Hans Weisel.

In der „Bewahrung und Pflege“ heimatlichen Kulturgutes sieht FSV-Hauptvorsitzender Paul Pöhlmann die Hauptaufgabe des Fränkische Schweiz- Vereins. Und das kann durchaus doppeldeutig verstanden werden. Einerseits verdankt die „Fränkische“ den „Romantikern“ wie Victor von Scheffel den heute noch andauernden Bekanntheitsgrad, weil jene „die Fensterläden zur Fränkischen Schweiz öffneten“ und damit die Schönheiten der Region priesen. Damit sind es diese Schriftsteller, Forscher und Maler „wert“ ab und zu in Erinnerung gerufen zu werden. Andererseits kümmerte sich der FSV jüngst mit einem finanziellen Aufwand von rund 6000 Euro um marode Tafeln, auf denen die Gedichte des Exodus cantorum (oder Bambergischer Domchorknaben Sängerfahrt) aus der Feder Victor von Scheffels zu lesen sind, und ersetzte sie durch 20 neue, von Friedrich Hoeppner gemalte Tafeln.

Das neue "Scheffel-Prospekt" des FSV. Es erschien pünktlich zum Ehrungsabend in einer Auflage von 10 000 Exemplaren. Der Flyer enthält eine kurze Vita des Schriftstellers und zeigt die genauen Standorte der 26 Scheffel-Tafeln. Kostenlos erhältlich (weil gesponsert von der Forchheimer Volksbank) in der FSV-Geschäftsstelle in Ebermannstadt.

Die „Reisebeschreibung“ in Form von 20 Gedichten, wovon 18 von der Fränkischen Schweiz handeln, dokumentiert auch das in einer Auflage von 10 000 Exemplaren erschienene Prospekt, in dem neben einer kurzen Scheffel-Biografie die genauen Standorte und der jeweilige Text der „Scheffel-Tafeln“ beschrieben sind. 26 Tafeln an 18 Standorten zeichnen damit den (Fuß-) Weg Scheffels durch die Fränkische Schweiz nach: Angefangen in Forchheim-Reuth durch das Wiesenttal (Walberla) bis Gößweinstein – auf diesem Abschnitt stehen die meisten Tafeln; mit Abstechern nach Wichsenstein, Pottenstein, Rabenstein, Rabeneck und Aufseß. Eine Übersichtskarte erleichtert die Orientierung. Pöhlmann bedankte sich in diesem Zusammenhang beim Naturparkverein, der die Aufstellung der neuen Scheffel-Tafeln aus EU-Mittel mit finanzierte, bei der Volksbank Forchheim, die das Prospekt sponserte und bei den jeweiligen FSV-Ortsgruppen, die die Aufstellung der neuen Tafeln übernahmen. FSV-Kulturausschussvorsitzender Walter Tausendpfund hielt den kurzen Festvortrag über Leben und Wirken des schwäbischen Dichterfürsten, der, 60-jährig 1886 in Karlsruhe starb. Er zeichnete das Leben eines kranken Mannes nach, der in einer Zeit lebte, als die französische Revolution drohte „nach Deutschland über zu schwappen“ und der eine 27 Jahre anhaltende „Beziehung“ zur Fränkischen Schweiz unterhielt. Erstmals 1859 kam er als frisch gebackener Jurist in die Region. Von Bamberg über Forchheim kommend durchstreifte er per Pedes vor allem das Wiesenttal samt einiger Nebentäler. Die dabei gewonnenen Eindrücke hielt er in einem 20-strophigen Gedicht fest, welches unter der Hauptüberschrift „Fahrende Leute“ als „Exodus Cantorum - Bambergischer Domchorknaben Sängerfahrt“ Eingang in die Weltliteratur fand, ebenso wie 1854 schon sein „Trompeter von Säckingen“ (50 Auflagen!) oder der Mittelalter-Roman „Ekkehard“ (1855), der ähnlich erfolgreich war. 1883, drei Jahre vor seinem Tode war Scheffel zum letzten Mal in der Region. Hier gefiel ihm vor allem der Ort Streitberg wo er zwecks einer Molkekur logierte und der Wallfahrtsort Gößweinstein mit seiner schon damals berühmten Basilika Minor. Er nahm Quartier im Gasthof Distler nebenan, dem heutigen "Scheffelgasthof". Sein Eintrag ins Fremdenbuch sorgte schon bald für Furore.

Der Gößweinsteiner Basilika-Chor unter Leitung von Regionalkantor Georg Schäffner am Klavier.

Für den gastgebenden Bürgermeister Georg Lang begann mit dem Besuch des berühmten Schriftstellers und einiger seiner „Romantikerkollegen“ der Fremdenverkehr in Gößweinstein. Bekannt geworden durch Reisebeschreibungen und romantisch-dramatisch verklärte Zeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten auf „Fremde“ eingerichtete Gastwirtschaften und Übernachtungsmöglichkeiten, wobei er dem Gasthaus Distler, dem heutigen Scheffelgasthof Vorbildfunktion einräumt. Die Veranstaltung wurde feierlich umrahmt vom Gößweinsteiner Basilikachor unter Leitung von Regionalkantor Georg Schäffner, der unter anderem das Heimatlied der Fränkischen Schweiz, nach einer Melodie von Anton Bauer und natürlich auch das Frankenlied und vier Strophen des „Exodus cantorum“ nach der gleichen Frankenlied-Melodie intonierte. Die Organisation des Abends lag in Händen der FSV-Ortsgruppe Gößweinstein unter Walter Bogner.

Zur Vita des Schriftsteller:

Im August 1859 als 33-Jähriger bereiste der Karlsruher Jurist und Schriftsteller Joseph Victor von Scheffel das erste Mal die Fränkische Schweiz, wie vor ihm schon Ludwig Richter, J.W. Goethe und Ernst Moritz Arndt, der schon im 18. Jahrhundert die Region besang: „Angelockt“ durch Reisebeschreibungen namhafter Autoren, die ursprünglich die (bekanntere) unterirdische Höhlenwelt beschrieben und nun in der „romantischen“ Epoche das Mittelalter und die daraus entstandenen Burgen auf den Talhängen „verklärten“. Von Bamberg über Forchheim kommend durchstreifte er per Pedes vor allem das Wiesenttal samt einiger Nebentäler. Die dabei gewonnenen Eindrücke hielt er in einem 20-strophigen Gedicht fest, welches unter der Hauptüberschrift „Fahrende Leute“ als „Exodus Cantorum - Bambergischer Domchorknaben Sängerfahrt“ Eingang in die Weltliteratur fand, ebenso wie sein „Trompeter von Säckingen“ (1854) oder der Mittelalter-Roman „Ekkehard“ (1855).

Außerdem schrieb er regelmäßig Briefe an seine Mutter. In einem heißt es: „Während Ihr in Wildbad ward, habe ich, als allmählichen Schluss meines Aufenthaltes im Frankenland, einen herrlichen Ausflug ins Hochland der sogenannten Fränkischen Schweiz unternommen. Es ist dies ein in den schönsten Punkten nur dem Fußwanderer zugänglicher Gebirgsstrich zwischen Bamberg, Nürnberg und Bayreuth. Meine Erwartungen wurden weit übertroffen, ich fand es schöner, großartiger und origineller, als ich vermutete“. 1883, drei Jahre vor seinem Tode war Scheffel zum zweiten Mal in der Region. Hier gefiel ihm vor allem der Ort Streitberg wo er im Kurhaus (einzige Molkekuranstalt Bayerns damals) logierte und Gößweinstein mit seiner schon damals berühmten Basilika Minor. Er nahm Quartier im Gasthof Distler nebenan.

Sein Eintrag ins Fremdenbuch sorgte schon bald für Furore. Er lautet: „Victor v. Scheffel, Belletriste, Carlsruhe, Gößweinstein, 4. Septbr. 1883“. Unter diesem Eintrag liest man weiter eine kritische Selbstbetrachtung: „Belletriste? siehste wie Du biste. Belle warste, triste biste, siehste, wie de biste, Belletriste?“ (Am interessantesten atemlos zu lesen).

1926, anlässlich des 100. Todestages des mittlerweile berühmten deutschen Heimatdichters kam durch den damaligen FSV-Hauptvorsitzenden Hans Hertlein aus Streitberg die Anregung zur Aufstellung eines „Scheffel-Denkmales“. In den 20-er Jahren entstanden die ersten „Scheffel-Tafeln“, die am jeweiligen Standort der Strophe installiert wurden, 1929, initiiert durch August Sieghardt und den damaligen Wirt des Distlergasthofes Georg Heßler entstand die „Scheffelstube“ im bald nach ihm benannten „Scheffelgasthaus“; mit hundert Exponaten, die seither an das Leben und Wirken des Schriftstellers erinnern. 1933 gesellte sich gegenüber des Scheffelgasthofes, das „Scheffeldenkmal“ hinzu, das seither als Mittelpunkt einer kleinen Gartenanlage an die „goldene Zeit“ des 19. Jahrhunderts erinnert. Joseph Victor von Scheffel starb am 9. April 1886 in seiner Geburtsstadt Karlsruhe 60-Jährig.

Reinhard Löwisch

Joseph Victor von Scheffel: Exodus Cantorum oder -

Bambergischer Domchorknaben Sängerfahrt durch die Fränkische Schweiz

Von den 20 Strophen handeln 18 (außer der ersten und der vorletzten) von der Reise durch die Fränkische Schweiz. Sie finden sich auf 26 Tafeln an den jeweils beschriebenen Plätzen. Das heißt, einige Tafeln kommen doppelt und dreifach vor, beispielsweise die mit der ersten Strophe (Walberla), mit der achten (Burg Rabenstein), mit der neunten (Pottenstein) und der elften (Gößweinstein). Die Schreibweise folgt einer Jubiläumsausgabe der gesammelten Werke in 6 Bänden von 1907; erschienen im Verlag Adolf Bonz Stuttgart.

Nun treibt der Frühling Blatt an Blatt,
Und füllt die Welt mit Wonnen,
Fahr wohl, Altbamberg, fromme Stadt,
Samt Mönchen und samt Nonnen:
Die Fiedel lockt, die Flöte girrt,
Die Rohrschalmeien blasen,
Fahrt wohl, Herr Bischof, strenger Hirt,
Die Böcklein wollen grasen.
 
1
Ob Forchheim bei Kircherenbach
Woll'n wir zu Berge steigen,
Dort schwingt sich am Walpurgistag
Der Franken Maimarktreigen;
Der ist seit grauer Heidenzeit
Noch allem Landvolk teuer,
Schatzkind, halt Gürtel fest und Kleid,
Wir springen durch die Feuer!
 
2
Drauf schlendern wir talaufwärts hin,
Wo über Busch und Wiesen
Der Schlüsselberger Vesten kühn
Die Taleswindung schließen,
Mit Namen sind sie bös genannt,
Links droht der Berg des Streites",
Rechts brüstet auf der Felsenwand
Sich breit das Eck des Neides".
 
3
Am Streitberg ragt der Steinklotz schroff
Und weiß, wie meerverwaschen,
Das Pilgerstüblein auf dem Hof
Weiß nichts von leeren Flaschen.
Noch blüht dem Talvogt Christian
Karfunkelrot die Nase,
Und Weihrauchdampf, der Burgkaplan,
Turniert mit ihm beim Glase.
 
4
Vor Neideck drüben woll'n wir auch
Mit Schall die Fiedel streichen,
Daß die am Tor nach Hofburgsbrauch
Den Spielmannspfennig reichen.
Frau Wulfhild mit der Sammethand
Erscheint im Veilchenkränzlein;
Die Herren trabten weit ins Land,
Wohlauf ein Schülertänzlein!
 
5
Zum schwindelhohen Adlerstein
Versuch ich früh ein Klettern,
Schau rundum ins Gebirg hinein
Und laß die Laute schmettern.
Frühnebel spielt, von Wind gefacht
Um Felsen, grobgestaltig,
Hochland, wilde Hochlandpracht,
Täler grün und waldig!
 
6
Das Rabeneck hängt keck und fest
An finstrer Felsenrippe,
Als zieme solch Raubvogelnest
Zum Schmuck jedweder Klippe ...
Und eh' wir es nur recht besahn,
Erhub ein Knapp' schon Händel,
Er lief uns mit dem Wolfsspieß an
Und pfändete die Mäntel.
 
7
Am Klausensteiner Kirchlein stand
Der Klausner in Gedanken
Und sprach: "Hier schaut ihr in das Land
Der Steine und der Franken."
Der Wende dacht', es wäre sein,
Wir nahmen's ihm als Sieger:
Auf jedem Berg ein schroffer Stein,
Auf jedem Stein ein Krieger!
 
8 
Gottlob, bald war der stolze Bau
Zum Rabenstein ereilet,
Dank, dreimal Dank der hohen Frau,
Die allen Kummer heilet.
Dem Mäntelräuber sang ich Fluch,
Die Gute hört's im Hofe,
Und bracht' fünf  Ellen lündisch Tuch
Als Gottestrost die Zofe.
 
9
Dank auch, auf Albuinos Schloß
Dir, tapfrer Pottensteiner!
Du nahmst uns auf, an Güte groß,
Sangfroh wie unsereiner.
Wie schwand die Nacht beim Becherruck,
Wie dröhnten deine Hallen
Beim Jägerlied vom Guiguck
Und den drei Nachtigallen!
 
10
Schmal wohnt im Burgstall Tüchersfelds
Ein Burgmann sonder Tadel,
Ob seinem Haus zackt sich ein Fels
Schmalspitz wie eine Nadel.
Schmalhans pflegt auch des Haushalts sein,
Wir woll'n ihn nicht besuchen,
Bis daß die Asbach fließt von Wein,
Sein Fels ein Zimmetkuchen.
 
11
Wer dich, o Goswinstein erbaut,
Verbrauchte manch Pfund Heller ...
Sigiza, alte Knappenbraut,
Führt uns zum steilen Söller!
Wer hoch dort ob dem Abgrund schwebt,
Dem liegt die Welt zu Füßen,
Und wer vor Runzeln nicht erbebt,
Darf die Sigiza küssen.
 
12
Dem Fels entsprudeln stark und kühl
Drei nah vereinte Quellen
Und tragen bei der Stempfermühl
Zur Wisunt ihre Wellen ...
Wo Wiesent einst und Elch und Ur
Vreislich (mhd: schrecklich) zur Tränke trabte,
Dort war's gottlob doch einmal nur,
Daß Wasser uns erlabte.
 
13
Wisunt, Bergströmlein frisch und gut
In enger Taleswildnis,
Wie spiegelst du in klarer Flut
Der weißen Felswand Bildnis,
Strömst tiefgrün wie ein Alpensee,
Durchsichtig bis zum Grunde ...
Forellen schnalzen in die Höh',
Gern prüft ich sie im Munde.
 
14
Doch seh' ich hoch im Ahornwald
Burg Gailenreuth, dich wieder,
Läuft mir ein Rieseln schauer kalt
Als Warnung durch die Glieder:
An Händ' und Füßen eingepflöckt
Im finsteren Verließe
Lernt' ich wie man die Beine streckt
In jenem Paradiese.
 
15
Herr Eberhart von Wicherstein,
Wo sind den Eure Hallen?
Sonst fiel Euch selten etwas ein,
Jetzt? Alles eingefallen!
Von Nürenberg Frau Ebenhoch
Hielt Tanz auf diesem Rasen;
Der Burgvogt hat die Schlüssel noch,
Die Burg ... ist weggeblasen.
 
16
Von Moggast geht's durch steinig Feld
Hinüber nach Drameusel,
Dort steht versteckt am End der Welt
Ein wohlummauert Häusel;
Nachts reiten Reiter ein und aus,
Weiß nicht, was sie erschnappen ...
Krispinus ist Patron im Haus,
Der Stegreif blinkt im Wappen.
 
17
Am Turm von Aufseß grüßt uns dann
Die Rose aus blauem Schilde,
Ein schriftgelehrter Rittersmann
Hegt sie in ernster Milde.
In der Kapelle hat er sich
Schon Gruft und Sarg bestellet,
Doch zecht er noch frisch tugendlich,
Wenn er den Hirz gefället.
 
Wer gern im Kloster in sich geht,
Der darf zu Lankheim gasten,
Allwo der Pilgrim wohl besteht,
Und müßt er ewig fasten;
Der Cellerarius Adelhun
Füllt jedem gern sein Kännlein
Und spricht: „Ihr müßt nicht ängstlich thun,
Es beißt euch nicht, ihr Mänlein.“
 
 
18
... Und schaut der Zeh zum Schuh heraus
Und blüht der Lenz zu Ende,
So schleicht der Mensch bestäubt nach Haus
Durch's grüne Maingelände.
Doch ob von langer Wanderschaft
Die Saiten all zersprungen:
Im nächsten Jahr, schenkt Gott die Kraft,
Wird wieder frisch gesungen!

Ihr Browser zeigt keine Frames an?  Dann bitte hier klicken.

E-Mail an Webbetreuer:

 nach oben

 E-Mail an FSV: