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Über Adrian Ludwig Richter
| FRÄNKISCHE SCHWEIZ. Am 28. September 1801 kam Adrian Ludwig Richter
auf die Welt. Er war einer
der bedeutendsten deutschen Zeichner, Illustrationsgrafiker und Maler
seiner Zeit. Und er war zweimal in der Fränkischen Schweiz, um schöne
Landschaften (meist Burgen) zu zeichnen. Seine Radierungen fanden Eingang
in Reisebücher und sorgten damit für einen Bekanntheitsschub der
Fränkischen Schweiz, was nicht zuletzt den Tourismus in der Region
ankurbelte. Eine Tatsache, die 1993 mit dem „Romantikerjahr“ seine
besondere Würdigung erfuhr. |

Klaussteinkapelle |
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| Richter, als Sohn des Dresdner Kupferstechers Carl August
geboren, wuchs förmlich in die bildende Kunst hinein. Er lernte das
Handwerk seines Vaters, von 1816 bis 1820 besuchte er die Dresdner
Kunstakademie, wo er sein Talent als Landschaftszeichner entfaltete. Von
entscheidender Bedeutung für sein Schaffen war der Kontakt 1836 zu dem
Leipziger Verleger Georg Wigand. Dieser überredete ihn Zeichnungen für die
zehnbändige Buchreihe „Das malerische und romantische Deutschland“ zu
liefern. Damit war der Grund geschaffen, der Richter für fast eine Woche
(vom 16. bis 22. August) in die Fränkische Schweiz führte. |

Die Ruine Neideck |
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| Am 17. August 1837 trug er sich in das Gästebuch des
Gasthofes Zur Post in Waischenfeld ein: „Ludwig Richter, Maler aus Dresden
in Sachsen, von Muggendorf kommend, mit Pässen der Polizeidirektion
Dresden (..), zum Vergnügen zwei Nächte“. Von hier aus erkundete Richter
die Umgebung und zeichnete die beiden „Schwesternburgen“ Rabeneck und
Rabenstein. Besonders Waischenfeld und die Klaussteinkapelle beeindruckten
ihn nachhaltig. In seinem Tagebuch notierte er: „Wieviel liebliches ich
hier finde, kann ich gar nicht sagen. Die Wirtsstube, ihre Gerätschaften,
das interessante Volk, Sprache und Tracht, die ganze Gegend Schritt vor
Schritt, gibt mir interessantes, ja Bilder, und zwar in einem Charakter
wie ich ihn immer zu finden wünschte. Meinem Leib geschieht auch kein
Abbruch, das köstliche Bier (der Krug zwei Kreuzer oder sechs Pfennige),
die ganz ausgezeichneten Forellen von der Größe kleiner Karpfen und alles
was noch drum und dran hängt ergötzen meinen Magen ebenso, als meine Seele
sich glücklich und gehoben fühlt im Anschauen einer so wunderschönen
Natur.“ |
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| Über seinen Ausflug nach der Burg Rabenstein hält er fest:
„Ich wanderte nachmittags in ein Felsental und erblickte eine Kapelle (die
Klaussteiner Kapelle), ging nahe darauf zu und sah das romantischste Bild,
was man sich denken kann. Ein altes gotisches Kirchlein, an einem steilen,
bebuschten Felsen klebend; in der schwindelnden Tiefe ein stilles Wasser,
sonderbar gestaltete Felswände, an welchen eine große mächtige Höhle das
Tageslicht angähnt (Ludwigshöhle). Auf einer der Felswände lag das Schloss
Rabenstein, halb Ruine, zum Teil noch bewohnt. Ich zeichnete die Kapelle;
Gewitter stiegen ringsum auf, die Gegend wurde finster und ich musste
endlich nach Waischenfeld zurückeilen. Hier sitze ich und rauche mein
Pfeifchen, indes der Regen auf das kleine Marktplätzlein
herunterplätschert und Blitz auf Blitz, Schlag auf Schlag einander jagt
und drängt.“ Er hielt Muggendorf, Streitberg (mit der Ruine Neideck),
Tüchersfeld, Pottenstein, Aufseß und Wüstenstein mit dem Zeichenstift
fest. |

Pottenstein |
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| In Doos ließ er sich von der Wirtstochter die Riesenburg
zeigen. Auch diese Begegnung hielt er in seinem Tagebuch fest: „Sie (die
Wirtstochter) führte mich in ein waldiges Tal zu gewaltigen Felsenhöhlen,
die Riesenburg genannt. Zwei Riesen hatten hier gewohnt und sich zu Zeiten
bekämpft; der eine davon hieß Heinrich, der andere – glaube ich – Erdmann.
Sie schossen mit „Pfitschepfeilen“ aufeinander.“ Acht Jahre später war
Richter ein zweites Mal in der Fränkischen Schweiz. Dieses mal mit seinem
Malerfreund Carl Gottlieb Peschel. Als Grund für seinen Besuch nannte er
in einem Brief an seine Tochter Marie: (...) „will mich mit Gottes Hülfe
erholen und wandernd ausruhen“. Er zeigte seinem Freund „seine“ schönsten
Plätze. Und natürlich entstanden wieder etliche Zeichnungen, die in
späteren Publikationen Verwendung fanden. Nach diesem zweiten Besuch
geriet Ludwig Richter schnell in Vergessenheit. Erst 1932 entsann man sich
wieder des prominenten Gastes. |
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| Der Waischenfelder Heimatverein „taufte“ in diesem Jahr
eine auf einem Aussichtsfelsen frei stehende Linde auf seinem Namen. 1993
feierte der Gebietsausschuss Fränkische Schweiz das „Romantikerjahr“ in
Erinnerung an den Besuch der beiden Erlanger Studenten Wilhelm Heinrich
Wackenroder und Ludwig Tieck 1793 in der Region, die mit ihren
Reiseeindrücken Eingang in Literaturkreise fanden und damit die
Fränkischen Schweiz, die damals noch „Muggendorfer Gebürg“ hieß erstmals
einem größeren Publikum vorstellten. Sie lieferten die schriftlichen
Beschreibungen. Der Verdienst Richters war es, die landschaftlichen
Schönheiten der Gegend ins Bild zu übertragen. Als dauerhafte Erinnerung
an diese „romantische“ Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts wurde am 8.
August 1993 in der Anlage neben der Waischenfelder Stadtkapelle ein
Obelisk eingeweiht, der zwei Portraits zeigt: Ludwig Richter und Ernst
Moritz Arndt. Der Dichter Arndt war 1798 ebenfalls für eine Woche Gast in
Waischenfeld und beschrieb die Gegend in Gedichten. Doch das ist eine
andere Geschichte. |

Waischenfeld |
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Aktuelles Lexikon:
Adrian Ludwig Richter wurde 1803 in Dresden geboren. Dem Vorbild seines
Vaters folgend lernte Richter den Beruf des Zeichners und Kupferstechers
an der Dresdner Kunstakademie. 1823 weilte er deshalb zu Studienzwecken
für drei Jahre in Rom. Zurück in der Heimat arbeitete Richter dann sieben
Jahre lang als Zeichenlehrer in Meißen, bevor er 1836 an die Dresdner
Kunstakademie berufen wurde. 1841 kam die Ernennung Richters zum
Professor, 1854 folgte die Ehrenmitgliedschaft an der
Königlich-bayerischen Akademie der bildenden Künste in München. 1855 bekam
Richter den Ehrendoktorhut der Universität Leipzig verliehen. 1878, zwei
Jahre nachdem Ludwig Richter in den Ruhestand gegangen war, ernannte ihn
die Stadt Dresden zum Ehrenbürger. An den Folgen einer schweren Krankheit
starb Ludwig Richter am 19. Juni 1884 in Dresden. |
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| Zwischen 1837 und 1841 zeichnete Richter Vorlagen für die
von Wigand herausgegebene zehnbändige Serie „Das malerische und
romantische Deutschland“. Material hierfür sammelte er auf zahlreichen
Studienreisen durch den Harz, Franken, Böhmen und das Riesengebirge.
Bislang hatte der Künstler die Radierung bevorzugt, wandte sich aber nach
Abschluss dieser Arbeit dem Holzstich zu. In dieser Technik wurden auch
seine zahlreichen Illustrationsgraphiken der folgenden Jahre ausgeführt.
Das weit gefächerte Spektrum der weit über 2000 Holzschnitte Richters
reicht von den seit 1838 bei Otto Wigand erschienenen »Volksbüchern« über
Klassikerausgaben hin zu Märchen- und Kinderbuchillustrationen. Seit 1851
erschienen zudem die beliebten »Familienbilderbücher«, die unabhängig von
einer literarischen Vorlage in genrehafter Manier Szenen aus dem
Alltagsleben der kleinen Leute zeigten. Besonders die graphischen Arbeiten
sind in diesem Sinne ein liebevolles Bekenntnis zum Leben der einfachen
Leute. Hierin liegt die bis heute ungebrochene Popularität seiner Werke
begründet.
Reinhard Löwisch |
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