Verkehrs-
und Heimatverein Gößweinstein e.V.
Ortsgruppe
des Fränkischen-Schweiz-Vereins e.V.
Chronik
Unsere
Chronik beginnt mit einer unsicheren Jahresangabe: Das genaue Gründungsdatum des
Verschönerungsvereins Gößweinstein liegt im Dunkeln. Wenn wir trotzdem in
unserer Überschrift das Jahr 1865 nennen, dann ist das auf den ersten
Existenznachweis zurückzuführen. Ein „Führer über Gößweinstein und die
fränkische Schweiz“ aus diesem Jahr, der in Bamberg erschienen ist, trägt den
gedruckten Vermerk: „Eigentum des Verschönerungsvereins Gößweinstein“. Man kann
also davon ausgehen, dass unser Verein schon einige Jahre früher gegründet wurde
als 1865. Es ist aber unbestritten, dass es in Bayern nur einen Verein mit der
gleichen Aufgabenstellung gibt, der auf eine ebenso lange Geschichte
zurückblicken kann, wie wir: Der Berchtesgadener Verein. Die frühe Gründung in
Gößweinstein hängt sicher mit der Wallfahrt zusammen. Als Ende des 17.
Jahrhunderts die Naturwissenschaftler die Höhlen der Fränkischen Schweiz
entdeckten und mit ihren begeisterten Berichten viele Naturfreunde veranlassten
sich für diese Landschaft zu interessieren, war Gößweinstein schon ein weit und
breit bekannter Wallfahrtsort, zu dem alljährlich Tausende von Menschen
pilgerten. Doch die Wallfahrer hatten noch keinen Blick für die Schönheiten der
Landschaft wie wir aus einem Bild von Rudolf Schiestl „Die Wallfahrt nach
Gößweinstein“ unschwer schließen können. Ganz in sich versunken stolperten sie
über Stock und Stein, den Blick nach unten gerichtet.
Gößweinstein
hatte vermutlich auf Grund der starken Wallfahrt schon mehr Gasthäuser und
Fremdenquartiere wie sonst ein Ort dieser Größenordnung (80 Häusern, 450
Einwohner) im Jahr 1856. Dr. August Goldfuß beschreibt in seinem Führer „Die
Umgebung von Muggendorf“ aus dem Jahr 1810 Gößweinstein als „Bamberger
Landstädtchen“. Dr. Joseph Heller meint 1829 „Gößweinstein verdient von Fremden,
welche die Gegend besuchen, besonders beachtet zu werden“. Erwähnt werden die
Kirche mit der Wallfahrt, Kloster, hohes Kreuz, Burg, Felsengegend, herrliche
Aussichtspunkte und merkwürdige Umgebung. Ein Oberstleutnant Plänkner stellt in
seinem „Taschenbuch für Reisende in die Fränkische Schweiz“ fest, dass
Gößweinstein einer der interessantesten Orte des Gebirges ist. Schon 1837 werden
Anlagen am Schlossberg mit Einsiedeleien und Ruheplätzen erwähnt. Selbst König
Maximilian II. und Königin Maria statteten bei ihrem Besuch am 6.7.1851 nicht
nur der Kirche und der Burg, sondern auch den Anlagen einen Besuch ab. 1858
stellt Ph. Körber in seinem illustrierten Fremdenführer fest, dass noch
zahlreicher als die Wallfahrer die Masse der Touristen sei und dass viele
Gasthäuser vorhanden sind. All dies war sicherlich der Anlass für die
frühzeitige Gründung des Verschönerungsvereins. In dem oben erwähnten Führer,
welcher die Existenz des Vereins 1865 nachweist, ist unter anderem zu lesen,
dass sich in Gößweinstein die hohe Geistlichkeit, die königlichen Beamten und
Bediensteten daselbst, sowie sämtliche Einwohner ohne Ausnahme zu einem Verein
und zur Zahlung freiwilliger wöchentlicher Beiträge geeinigt haben, dessen Zweck
es ist die Umgebung Gößweinsteins zugänglicher und angenehmer zu machen. Der
Erlös aus dem Verkauf des kleinen Führers wird, „wenn er Anklang und Absatz
findet, zur Anlegung von schönen Gangsteigen und bequemen Bänken in dem laubigen
Schatten der Gößweinstein so schmückend umgebenden Waldpartien und Felsgruppen
bestimmt“. Zu den prominentesten Besuchern jener Zeit zählte 1874 die Exkaiserin
Eugenie mit ihrem Sohn Eugen Louis. Auch der Prinzregent weilte zu Besuch in
Gößweinstein.
Die
gute Entwicklung, die der Fremdenverkehr dank der Aktivität des
Verschönerungsvereins nahm, machte es auch notwendig die Wasserversorgung zu
verbessern. 1902 wurde von der Stempfermühle herauf in die einzelnen Häuser die
Wasserleitung verlegt. 1904 erhielt Gößweinstein elektrisches Licht. Die Chronik
weist aus, dass im Jahr 1912 / 1913 schon 53.400 Übernachtungen registriert
wurden, davon 2.696 Ausländer. Die Verkehrsverhältnisse erfuhren mit der
Weiterführung der Bahnlinie bis nach Muggendorf im Jahr 1922 eine wesentliche
Verbesserung, was sich auch positiv auf den Fremdenverkehr in der Zeit nach 1918
auswirkte. Schon 5 Jahre später wurde die Strecke bis zum Bahnhof Gößweinstein
(Sachsenmühle) freigegeben und 1930 erreichte sie Behringersmühle. Die Zahl der
Besucher und Urlauber Gößweinsteins wuchs ständig, so dass der
Verschönerungsverein 1927 der Gemeinde dringend empfahl „ein Wohnungsbüro“
einzurichten. Im März 1928 erfolgte die Umbenennung des Vereins in
Verkehrsverein. 6.000 Prospekte wurden gedruckt, und Gäste, die 20 Mal ihren
Urlaub hier verbrachten, erhielten die Ehrenmitgliedschaft. 1930 wollte man –
ganz modern – das neue Medium Rundfunkwerbung für den Ort nutzen, jedoch sah man
letztlich wegen der zu hohen Kosten davon ab. 1934 erschien ein neuer Prospekt
in einer Auflage von 20.000 Exemplaren. Im gleichen Jahr erfolgte der Beitritt
zum Landesfremdenverkehrsverband Nordbayern in Nürnberg.
Da Gößweinstein zu dieser Zeit der einzige Luftkurort in der Fränkischen
Schweiz war, wurde dringend die Asphaltierung der Straßen gefordert. Der 2.
Weltkrieg schließlich brachte auch unser Vereinsleben zum Erliegen. Am 28.
Februar 1948 erfolgte die Wiedergründung und bereits 1949 konnte das erste, wenn
auch eingeschränkte Unterkunftsverzeichnis herausgegeben werden. In den
Folgejahren ging es stets aufwärts, die Gästezahlen wuchsen, nicht zuletzt durch
die Einrichtung eines Fremdenverkehrsbüros im Jahr 1953, das in Personalunion
mit der Gemeinde betrieben wurde. Große Verdienste erwarb sich in dieser Zeit
Emil Sluzalek um die Gründung des Heimatmuseums Gößweinstein, das er mit
tatkräftiger und finanzieller Hilfe seines Freundes George Dresel aus den USA
schaffen konnte. In den Jahren um 1970 machte sich immer mehr die Tendenz
bemerkbar, die beiden selbständigen Vereine „Verkehrsverein“ und „Heimatverein“
zusammenzuschließen. Am 23. März 1973 wurde diesem Wunsch in einer gemeinsamen
Versammlung einstimmig Rechnung getragen: Der Name lautet seitdem Verkehrs- und
Heimatverein Gößweinstein e.V. Zum 1. Vorsitzenden des Vereins wurde Heinrich
Endrös, zum stellvertretenden Vorsitzenden Emil Dürr gewählt. Da im Zuge der
Gemeindegebietsreform der Luftkurort Behringersmühle und Hühnerloh, das
ebenfalls das Prädikat „Luftkurort“ erhielt, eingemeindet wurden, übernahm 1972
die Gemeinde zentral die Fremdenverkehrsaufgaben. Seinerzeit zählte man rund
150.000 Übernachtungen pro Jahr, Gößweinstein war der führende
Fremdenverkehrsort in der Fränkischen Schweiz. Seit Mitte der 90-er Jahre zieht
sich die Kommune aber immer mehr aus den Fremdenverkehrsaufgaben zurück. Die
Aufgaben eines Verkehrsamtes wurden in private Hände übergeben. Inzwischen hat
dieses Büro Gößweinstein den Rücken gekehrt. Notgedrungen hat die Gemeinde die „Tourist-Info“,
wie das Verkehrsamt jetzt genannt wird, wieder übernommen.
Das Büro wird jetzt mit einer Ganztagskraft (Leitung: Klaus Brendel) und
einer Halbtagskraft betrieben. Besonders stolz ist der Verein auf seine
Kindertrachtengruppe. Seit vielen Jahren erfreuen unsere jüngsten Mitglieder die
Zuschauer bei ihren Tänzen, die sie in der fränkischen Tracht vorführen. Selbst
im Fernsehen durften sie schon ihr Können zeigen. Seit der Gründung der
Kindertrachtengruppe betreut Frau Josefa Bauer die Kleinen. Die gute Resonanz
bei all ihren Auftritten zeugt davon, dass ihr das aufs Beste gelingt.
Im Jahr 2003 feierte der Verein mit zahlreichen Veranstaltungen den 250.
Todestag des genialen Barockbaumeisters Balthasar Neumann, der das Ortsbild
Gößweinsteins mit dem Bau der mächtigen Dreifaltigkeitskirche geprägt hat. Was
wäre der Ort ohne seine Basilika, zu der jährlich Tausende von Wallfahrern aus
dem ganzen Frankenland und aus der Oberpfalz ziehen, teilweise sogar in
mehrtägigen Fußmärschen. Gößweinstein ist der größte
Dreifaltigkeits-Wallfahrtsort Deutschlands. Zwischen 12.000 und 15.000 Gläubige
pilgern jährlich zu diesem barocken Heiligtum in der Fränkischen Schweiz.
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