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Die Ortsgruppe Betzenstein
Aus dem Festvortrag (zum 100-jährigen Jubiläum) über die
Geschichte der FSV-Ortsgruppe Betzenstein von Richard Otto
Gründung des Vereins
Einleitend wies der Redner darauf hin, dass der
„Verschönerungsverein Betzenstein und Umgebung", die Kernzelle der
FSV-Ortsgruppe Betzenstein, bereits am 5. Mai 1901, also vor dem FSV-Hauptverein,
gegründet wurde. Die Betzensteiner waren somit bei den Vorreitern dieser
damaligen Heimatbewegung, die sich in den Anfangsjahren auch eng der Sektion
Nürnberg des Deutsch-österreichischen Alpenvereins verbunden fühlte. An der
Spitze der Betzensteiner Heimatfreunde stand der Arzt Dr. Werner (auch der
Verfasser des bereits oben genannten „Zeiserlfang"-Gedichtes). Er gab auch
gleich in seiner Begrüßungsrede1901 die Zielrichtung mit folgenden Worten an:
„Die Umgebung Betzensteins gleicht einem großen herrlichen Garten, dem aber noch
ein Gärtner fehlt. Dieser muss bestellt werden, der Verschönerungsverein ist es,
dem diese Aufgabe eines Gärtners zufällt, der sich bestrebt den Sinn für die
Natur dahier zu wecken, der durch Anlage von Wegen, Aussichtspunkten und Bänken
Einheimischen und Fremden einen angenehmen Aufenthalt in Berg und Wald
verschafft, der aber andererseits durch Fremdenzufuhr unserem Städtchen eine
rechte Einkommensquelle sichert."
Dieser Verein zog auch gleich einige Prominenz an. Hierzu
gehörten der Hopfenhändler Georg Barth, dessen Familie von Betzenstein nach
Nürnberg gezogen war, sowie der erste Beamte der Region, der königliche
Bezirksamtmann Arnold Brinz. Bereits zum Ende des Jahres 1901 konnte der
Betzensteiner Heimatverein auf 80 Mitglieder verweisen. Die erste
Beitragszahlung an den Fränkische Schweiz-Verein wurde am 16. November 1902
geleistet.
Geschichte bis zum Ersten Weltkrieg
Der Elan der Gründungszeit brachte gleich die Anlage erster
Wanderwege und die Aufstellung von Ruhebänken. 1908 entstand zusätzlich auf dem
Schmidberg ein Pavillon genau an der Stelle, wo heute der Aussichtsturm steht.
Doch 1914, also mit Beginn des ersten Weltkrieges erstarben alle Aktivitäten und
ruhten bis 1920.
Die Zeit zwischen den Weltkriegen
Nach dieser Zwangspause musste der Verein neu organisiert
werden: der bisherige Vorsitzende Dr. Fischer - seit 1906 an der Spitze des
Vereins - war im Kriege gefallen, die übrigen Vorstandsmitglieder lehnten 1920
eine Wiederwahl ab. Neuer Vorsitzender wurde nun Dr. Fr. Häußler.
Die Schäden bei den Erholungseinrichtungen waren unübersehbar,
neue Ruhebänke, Wegweiser und Markierungen waren anzubringen. Doch die
schleichende und später galoppierende Geldentwertung lahmte zusehends die
Vereinsarbeit. So war bereits nach 1924 ein weiterer Neubeginn erforderlich. Dr.
Häußler leitete aber trotzdem die Vereinsarbeit und hielt dies bis 1936 bei. Aus
dieser Zeit sind hervorzuheben: am 20. April 1930 trat der Dentist Anton Buchner
dem Verein bei, 1931 wurden Felsfreilegungen am Stiefelfelsen veranlasst. Lange
Zeit befasste sich der Verein mit der Anlage eines „Heldenhains" z. B. am
Gerhardsfelsen; umgesetzt wurde diese Idee mit dem Gedenkkreuz unterhalb der
Klauskirche. In den dreißiger Jahren beginnt der Verein auseinander zu brechen.
Richard Otto stellte resümierend fest: Mit dem Ableben des Vorsitzenden Georg
Otto am 7.2.1943 endet im Prinzip die Existenz des Verschönerungsvereins
Betzenstein.
Nach der Neugründung
Das Wiederaufleben des Heimatgedankens beginnt in Betzenstein
konkret am 26. Mai 1949 auf Initiative des Oberlehrers Leonhard Merz. An diesem
Tage erwecken 22 Männer den Verein neu und geben ihm den Namen „Heimatverein
Betzenstein und Umgebung". Neuer Vorsitzender wurde der Baumeister Fritz Lehnes.
Zum Aufgaben- Programm gehörten neben den traditionellen Aufgaben Heimatabende,
die zu einem gesellschaftlichen Ereignis in Betzenstein wurden. Damit soll
ausgedrückt werden, dass der neue Verein auch das kulturelle Geschehen in
Betzenstein mitgestalten und zu Ansehen und Beliebtheit führen wollte. Diese
Ziele verfolgten auch die weiteren Vorsitzenden Willi Stöhr (1952-1956 und
1965-1980), Oberlehrer Haselhuhn (1956-1959), Johann Heinrich Kolb (1960-1965),
Richard Otto (1980-1991), Gernot Huß (1991-1997) und seit 1997 Christa Plischka.
Versuch einer Leistungsbilanz
Versucht man nun die Leistung des Vereins nach 1949 summarisch
zu überblicken, gilt es hervorzuheben:
- Beiträge zur Heimatkunde von Betzenstein (Schriftenreihe)
Anton Buchner hat sich der Mühe unterzogen, möglichst viel aus der Geschichte
Betzensteins zu Papier zu bringen und so der Nachwelt zu überliefern. Seine
Schriftenreihe umfasst immerhin etwa 20 Titel. Hierbei werden u. a. folgende
Themen abgehandelt: „Höhlen im Betzensteiner Land ...", „Burg und Stadt
Betzenstein", Frühmittelalterliche Eisenschmelzstätten in Betzenstein", „Aus der
Erdgeschichte", „Sagen, Geschichten, Sitten ... Anekdoten aus dem Betzensteiner
Land", „Ehemaliger Hopfenanbau"... Ein besonderes Anliegen Anton Buchners war
auch nach dem Kettensturz im Tiefen Brunnen vom 2. August 1955 die Reinigung des
Brunnens und die Wiederherstellung dieser besonderen Attraktion am Marktplatz
von Betzenstein.
- Jugendgruppe
Bereits im Jahre 1956 ist sich der Verein bewusst, die Jugend aktiv zu fördern.
Am 26. Juni wird daher die Aufstellung einer Volkstanz- und Jugendsinggruppe
beschlossen und Frau Seitz, Frau Siegert und Frau Reb mit ihrer Leitung und der
Einstudierung von Liedern sowie Tänzen betraut.
- Schmidberganlage
In den Jahren zwischen 1970 und 1973 war die Gestaltung der Schmidberganlage
eine besondere Herausforderung für den Verein. Auch hier engagierte sich in
besonderer Weise Anton Buchner, doch fand er in Kreisbaumeister Wenninger und
dem Naturparkverein tatkräftige Förderer. Trotzdem musste der Betzensteiner
Verein letztlich 17423,- DM für diese Anlage in Direktmitteln und freiwilligen
Arbeitsleistungen aufbringen.
- Wanderwegeorientierungstafeln
Wanderwege, Wegemarkierungen, die Anfertigung von Bänken, Tischen, Treppen,
Geländern und dergleichen gehören in unserer Region zu den Kernaufgaben des
Fränkische-Schweiz-Vereins. Zwar gibt es Zuschüsse aus dem (inzwischen
ausgelaufenen) Programm „Freizeit und Erholung", doch die konkrete Arbeit muss
jedes Jahr erneut von vielen freiwilligen Helfern vor Ort geleistet werden.
Betzenstein betreut in der Fränkischen Schweiz ca. 200 km Wanderwege. Der
heutige Wanderer verlangt auch immer wieder Orientierungstafeln, um sich im
Gelände zurecht zu finden. In den 80er Jahren stellte die Ortsgruppe Betzenstein
acht derartige Tafeln auf.
- Singgruppe Weidensees
Ein „kulturelles Kleinod" nannte Richard Otto in seinem Festvortrag diese
einzigartige Singgruppe, die der Heimatdichter und Kompositeur Hans Reichel
geleitet und immer wieder neu musikalisch ausgerüstet hatte. „Wie oft hat er
wohl das Lied ,Die Ofenbank' singen dürfen oder müssen?", fragte der Referent.
Hans Reichel schöpfte unermüdlich seine Ideen aus dem ganz persönlichen Erleben
der Heimat, aber auch aus dem Wissen, das er aus seinem Kriegserleben
mitbrachte, dass eben diese Heimat auch gefährdet ist und nur zu leicht
verspielt werden kann. Mit dem Tod von Hans Reichel erlosch leider dieses
einzigartige Stück Heimatliebe für immer, das in Betzenstein und Weidensees bis
heute - und wohl auch noch für lange Zeit - unvergessen ist.
- (Frauen-)Singgruppe Betzenstein
Im Jahre 1986 pflegten einige Frauen aus Betzenstein zunächst den Gesang nur
privat, später übten sie mit Hans Reichel und auch Frau Angermeier; Margarete
Müller motivierte und organisierte unermüdlich. Später kamen auch noch einige
Männer hinzu und nun stand die Gruppe, die zu einer der wichtigsten Stützen der
Betzen-steiner Heimatabende wurde.
- Dank für unendliche Hilfe
Man darf aber nicht vergessen, dass eine solche Organisation maßgeblich auch
davon lebt, dass unermüdlich, stets zuverlässig und selbstlos im Hintergrund
zahlreiche Hände mitwirken, dass rechtzeitig eine zünftige Brotzeit auf dem
Tisch steht, bei Festen Blumenschmuck angebracht ist, Markierungen und
Parkplätze verfügbar sind ...Aber auch die Stadtverwaltung muss mitziehen und
sich des Wertes dieser Arbeit bewusst sein. Daneben braucht man aber immer
wieder auch freigiebige Spender, die über das übliche Maß hinaus einige
zusätzliche Gelder fließen lassen. Dann lässt sich vielleicht auch noch ein Weg
finden, wie sich zusätzlich der Oster-brunnenschmuck, der traditionelle
Weihnachtsmarkt, eine „Fränkische Weihnacht" in Hüll oder eine Gruppe mit
historischen Gewändern für Festzüge gestalten lässt. Betzenstein hat diese
Probleme in dem zurückliegenden Jahrhundert gemeistert. Bleibt nur zu hoffen,
dass dies auch in der weiteren Zukunft gelingt und die Aufgabe des „Gärtners"
der natürlichen und auch geistigen Landschaft weiter ausgeübt werden kann.
1. Vorstand:
Christa Plischka,
Lindenbergstr. 6, 91282 Betzenstein
Tel. 09244-92364