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Die Volkstumspflegestätte Morschreuth
35 Jahre "Malschule"
Die
Volkstumspflegestätte in Morschreuth, mittlerweile „Kreativzentrum“ genannt,
ist seit drei Jahrzehnten ein beliebter und bekannter Platz für
Individualisten; für Leute die sich den Sinn für Kunst, Kultur, Natur und
Tradition bewahrt haben und ihn hier weiter pflegen. Mehr als 1000 Kurse sind
seither durchgeführt worden, mit zehntausenden Teilnehmern aus ganz
Deutschland und hunderttausenden Übernachtungen der Kursteilnehmer. Sie
sorgten in den 30 Jahren für millionenfachen touristischen Umsatz in
Morschreuth und der Gemeinde Gößweinstein, das darf nicht vergessen werden. In
der langen Zeit ist die „Malschule“ ihrem Angebot treu geblieben. Seit Anfang
an der Dauerbrenner schlechthin ist der Kurs „Malerei auf Holz“, früher als
„Bauernmalerei“ bekannt. Sieben Lehrgänge (von insgesamt 31 in 2009) sind dem
Thema gewidmet; von der 5-Tage-Schulung bis hin zum zweiwöchigen „Profikurs“
in dem man beispielsweise das Bemalen einer Schützenscheibe lernt. Sie alle
hält die Schulleiterin Christel Nunn oder Erika Strigl. Die beiden Damen
bieten jeweils im März auch Ostereier-Malkurse an. Ein weiterer
Kursschwerpunkt ist die „Hinterglasmalerei“, eine alte und hochinteressante
Art des Malens, die fast schon in Vergessenheit geriet. Hier wird von den
Grundlagen (Farbmischen, Malen nach Vorlagen) bis hin zu komplizierten
Mehrschichtbildern alles Wissenswerte von den beiden „Lehrerinnen“ Christel
Nunn und Dorit Schwarzbach (die auch Stoffdruckkurse abhält) erläutert und
natürlich auch ausprobiert. Anspruchsvolle Maltechniken stehen auf dem Programm der neun, je vier
Tage langen Seminaren. Vorkenntnisse sind da ob des hohen Anspruchs allerdings
schon erwünscht und auch notwendig. Kenntnisse zur Herstellung von „Puppen und
Bären zum Liebhaben und Spielen“ lernt man in zwei Kursen von Ingeborg Renken.
Die nach „Waldorf-Art“ mit beweglichen Gliedern gefertigten Bären und Puppen
halten ein Leben lang und bereiten viel Freude. Bei der Herstellung von
Blechblumen und Klosterarbeiten wendet die Kursleitung alte Techniken an, die
heute ebenfalls fast vergessen sind. Aus Messingblech wird ein Rosen- oder ein
bunter Strauß ausgeschnitten und unter Anleitung von Monica Meyer-Nusser
kunstvoll verziert und gefasst. Rita Laxgang zeigt neue Techniken bei der
Herstellung von „Klosterarbeiten“. Dabei wird ein Wachsmodell oder ein
Hinterglasminiaturbild in ein Kästchenbild eingearbeitet und reich verziert
mit Golddrahtornamenten, Perlenblumen und Ranken. Viktoria Büttner kennt noch
das notwendige „Know How“ zur Herstellung von Körben der verschiedensten Art,
die früher jeder Bauer der Region kannte. In ihrem Wochenendseminar
demonstriert sie ihr Wissen an zahlreichen praktischen Beispielen. Die
Zeichenkurse (ebenfalls von Broghammer geleitet) kamen in den letzten Jahren
neu hinzu. Damit entsprach Nunn den Wünschen der Kursteilnehmer und trug dem
Zeitgeist Rechnung. Natürlich wird in allen Kursen nicht nur stur „gebüffelt“.
Es bleibt genügend Raum zur persönlichen Entfaltung; in langen Spaziergängen,
in gemütlichen „Wirtshaustreffen“ und Ausflügen in die Umgebung. Eine
Abschlussfeier am Kursende gehört dazu. Den ursprünglichen Grundgedanken
„Kurse für Bäuerinnen“ abzuhalten, hat man nicht aus den Augen verloren. Alle
Wochenendkurse sind auch für Einheimische konzipiert, so dass die Teilnehmer
bequem jeden Abend nach Hause fahren können. Als „Wellness für Seele und
Geist“ bezeichnet Schulleiterin Christel Nunn ihre in Deutschland wohl
einmaligen Ganztageskurse.
MORSCHREUTH.
Erst war es eine Schule, dann nicht mehr und dann doch wieder. Der FSV ist der
Tradition auch bei der Wahl des Gebäudes und der „Schulleiterin“ treu
geblieben. 1951 weihte die damalige Gemeinde Morschreuth ihre Dorfschule ein,
1969 schloss man sie wieder im Zuge der Schulreform und das Gebäude stand
leer. 1973 erfuhr der damalige Morschreuther Bürgermeister Fritz Müller von
seinem Amtskollegen Hans Lang aus Allersdorf, dass der FSV ein Haus für eine
geplante Volkstumspflegestätte sucht. Nach intensiven Gesprächen zwischen ihm
und dem FSV-Kulturausschuss unter Leitung von Fritz Preis, tatkräftig
unterstützt von Fritz Hubert aus Kleingesee einigte man sich auf die alte
Schule als Standort der Volkstumspflegestätte. Die erforderlichen 85 000 Mark
zum Umbau der Schule kamen ob der politischen Unterstützung des Unternehmens
schnell zusammen. Der „Schulbetrieb“ konnte deshalb schon zum 11. Januar 1974
(noch während der Umbauphase) in Morschreuth mit einem Kurs zum Thema
Holzmalerei aufgenommen werden. Elisabeth Hümmer vom Landwirtschaftsamt
Forchheim (die auch an den Vorgesprächen maßgeblich mitwirkte) führte anfangs
die Volkstumspflegestätte, musste die Leitung aber aus beruflichen Gründen
bald aufgeben. Mit der Malerin Waltraut Süllner aus Fürth fand der FSV eine
kompetente Nachfolgerin. Als sie 1988 unerwartet verstarb übernahm ihre
Tochter Christel Nunn (die seit 1977 vor allem Hinterglaskurse abhielt) die
Volkstumspflegestätte und führte sie bis auf den heutigen Tag weiter. Ihr
einziger Wunsch ist der Fortbestand der Schule. Nunn: „Ich hoffe, dass das
große Interesse an den Kursen weiter bestehen bleibt und auch in Zukunft noch
recht viele Teilnehmer Spaß an der kreativen Freizeitgestaltung in froher
Runde haben“.
FSV Pressewart Reinhard Löwisch
Christel Nunn
Eintrachtstraße 50,
90409 Nürnberg
Tel. 0911/351976, (abends bis 22.00 Uhr).
und 0170-9805087
www.kreativzentrum-morschreuth.de